Fatimageheimnis

Dem Bann der Irrlehren widerstehen

Der „Göttlichen Vorsehung“ auf der Spur - Warum die Geheimnisse von Fátima nach Meinung von Roberto de Mattei weiterhin aktuell sind.

Chinesische Drachen
Vorsicht vor dem Drachen. Roberto de Mattei glaubt, dass das zweite Fatima-Geheimnis nun auf China verweisen könnte. Foto: VCG/imago-images

Wenn der Name Fátima erklingt, dann sind die drei Geheimnisse nicht weit. Die Faszination speiste sich über Jahrzehnte aus Gerüchten um das dritte Geheimnis. Mehrheitlich dominiert der Gedanke, dass sich die Prophezeiungen erfüllt hätten, die die Madonna drei Kindern über Monate mitteilte. Insbesondere die Diskussionen um das dritte Geheimnis ebben auch zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung nicht ab. Das Attentat auf Johannes Paul II. gilt seit dem Jahr 2000 aber als offizieller Deutungsversuch für das dritte Geheimnis.

Der Achsenpunkt des zweiten Geheimnisses ist Russland. Von Russland geht die Revolution aus, und demnach die „Irrlehren“, die sich von dort über die Welt verbreiten und damit „Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören“. Um das zu verhindern, bedarf es der Weihe Russlands und der Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats. Nimmt man die Marienerscheinungen ernst und vergleicht die Ankündigung mit der Realität, so fällt auf, dass weder die Bekehrung Russlands noch eine Zeit des Friedens eingetreten ist. Die Renaissance und Re-Etablierung der Orthodoxie kann kaum als jene Rückkehr zum Glauben gewertet werden, die die marianische Vision in Aussicht stellt. Ganz im Gegenteil spricht die größer werdende Apostasie Europas dafür, dass sich das zweite Geheimnis von Fátima bisher nicht vollständig erfüllt haben könnte.

Das Zentrum der kommunistischen Revolution verschoben

Hier setzt der bekannte italienische Historiker und Publizist Roberto de Mattei an. Die Marienbotschaft ist zweigeteilt. Sie beinhaltet eine Aussage mit Vorbehalt und eine ohne Vorbehalt. Die Aussage mit Vorbehalt ist die oben genannte: wird die Mahnung nicht befolgt, dann drohen der Menschheit Katastrophen und der Kirche Verfolgung. Die Botschaft ohne Vorbehalt ist die Zusage, dass der Papst Russland auf jeden Fall weihen wird und der Not damit ein Ende setzt. Das ist zugleich eine Zusage der Gottesmutter, dass das Papsttum eine entscheidende Bedeutung hat und seine Existenz dringend notwendig zur Erfüllung des zweiten Geheimnisses ist.

Ohne genauer auf die Frage einzugehen, ob die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens gültig war oder nicht, macht de Mattei deutlich, dass die Welt immer noch im Bann jener „Irrlehren“ steht, die von Russland ihren Ausgang genommen haben. Doch das Zentrum der Revolution hat sich geändert. Nicht mehr Moskau, sondern Peking ist der Sitz der marxistischen Häresie. De Mattei deutet nicht nur an, dass China seine zerstörerischen Ideale auf ähnlichem Weg in der Welt ausbreitet wie der KGB, indem es Soziale Medien und Influencer manipuliert, so durch Verschwörungstheorien, Falschnachrichten und Irreführungen. Er stellt die Herkunft des Corona-Virus in einen direkten Zusammenhang mit China und bringt das Virus neuerlich mit dem Labor in Wuhan in Verbindung. De Mattei belässt es dabei bei der Hypothese, ob das Virus wirklich aus dem Labor stammt, bekräftigt aber, dass alle Ereignisse seit 2020 einer „göttlichen Vorhersehung“ entsprächen.

„Das Misstrauen wächst selbst gegenüber Menschen,
die uns nahestehen,
von denen wir bis gestern eine hohe Meinung hatten“

Die Covid-Pandemie hat für den Professor emeritus der Universität Rom nicht nur eine medizinische Dimension. Ganz abgesehen davon, dass die Pandemie China paradoxerweise gestärkt hat – die Volksrepublik wird die USA früher als prognostiziert als führende Weltwirtschaftsmacht ablösen, nämlich bereits 2028 – herrscht im Westen ein bisher unbekanntes Maß an Verwirrung. Die restriktiven, irrationalen Maßnahmen hätten Staat und Bürger entfremdet, das Gerichtswesen untergraben und Grundrechte wie die Religionsfreiheit erschüttert.

„Das Misstrauen wächst selbst gegenüber Menschen, die uns nahestehen, von denen wir bis gestern eine hohe Meinung hatten, und die wir jetzt von einem auf den anderen Moment nicht mehr wertschätzen, weil sie eine andere Meinung vertreten.“ Kurz: Spaltung überall.

Günstige Gelegenheit statt Verschwörung

Allerdings sieht de Mattei davon ab, auf die zirkulierenden Hypothesen von einer „Gesundheitsdiktatur“ oder lang geplanten Freiheitseinschränkungen auszugehen. Dass auf die Pandemie eine Wirtschaftskrise folge, sei keineswegs ein Beleg dafür, dass dies alles von Anfang an so beabsichtigt war. Das hieße, Ereignis und Ursache zu verwechseln. Vielmehr sei von einer günstigen Gelegenheit („window of opportunity“) auszugehen. Das Virus ist ein „unerwartetes Ereignis“, es bietet aber die Möglichkeit, lang gehegte ideologische Vorstellungen im Windschatten desselben umzusetzen. De Mattei bleibt bei der Chiffre der „Revolution“ als bestimmendes Element. Der kommunistische Geist erblickt die Möglichkeit, seine Weltrevolution doch noch zu beenden; etwa, wenn Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, vom „Great Reset“ und von der Pandemie als „große Gelegenheit“ spricht. Zugleich macht de Mattei deutlich, dass die Idee eines „Great Reset“ eben nicht auf das Virus zurückgeht, sondern bereits länger in der Schublade der Ideologen ruhte.

 

Die „Revolution“ ähnelt in frappierender Weise der teuflischen Energie: sie kann nicht schaffen, sondern nur verderben. Sie verspricht Utopien, führt jedoch zuletzt ins Chaos. Das plastische Beispiel bietet dabei die Idee eines Weltstaates, der spätestens ab den 90er Jahren Fuß fasste. Doch mit Fortschreiten der Idee, die Völker der Welt unter dem Dach einer globalen Demokratie zu vereinen ist die Welt unsicherer, instabiler und unruhiger geworden, als sie es noch nach dem Ende des Kalten Krieges war. Statt planetarer Demokratie herrscht „planetares Chaos“. Der Ungehorsam gegenüber Autorität und der Zusammenprall sozialer Klassen führt zu einem Zerfall der Revolution in unzählige Revolten, deren einziger Inhalt die Zerstörung ist. De Mattei sieht „die Revolution“ in der Krise, es herrscht das Zeitalter der Revolten: der Aufstand kleiner Grüppchen mit verheerender Wirkung, ob fanatische Ökologen, militante LGBT-Verfechter, Black-Lives-Matter-Rebellen oder „Informationsaktivisten“, die angesichts ihres gescheiterten ideologischen Projekts in den Kampf aller gegen aller einstimmen.

Teil der Revolten "Neue Rechte"

Dazu zählt de Mattei auch die „Neue Rechte“, zumindest jenen Teil, der die Schriften von Marx und Gramsci rezipiert und damit den luziferischen Trieb des Ungehorsams und der ewigen Revolte verinnerlicht hat. Namentlich nennt er Diego Fusaro, der – wissentlich oder unwissentlich – die chinesische Verschwörungstheorie verbreitet, das Virus sei eigentlich eine westliche Erfindung, um den Weltstaat durchzusetzen. Damit dient er indirekt jener Revolution, die er zu bekämpfen glaubt.

Dagegen stellt de Mattei den Katholizismus als klassische Konterrevolution: der Katholizismus bejaht in seinem Wesen Autorität, Hierarchie und Ordnung. Die einzige Verschwörung ist die jahrhundertelange Verschwörung gegen die katholische Kirche, wie sie schon von den Freimaurern und Jakobinern der Französischen Revolution vorangetrieben wurde. Eine katholische Geschichtsphilosophie geht davon aus, dass nichts zufällig geschieht; die gegenwärtige Unordnung sei demnach Teil jener Strafen, die in Fátima vorhergesagt wurden. Gott erlaubt das Übel für einige Zeit – eine Form des göttlichen „window of opportunity“ – , damit das größere Gute aus diesem triumphierend hervorschreitet.

Das Herz Mariens wird triumphieren

„Gegen die Philosophie der Revolte, gegen die Philosophie des Dissens, gegen die Philosophie der Revolution, welcher der Dämon als primäre Inspiration zugrunde liegt, gehen wir an mit dem Gehorsam gegenüber dem Göttlichen Recht, das überall auf der Welt beleidigt und verletzt wird.“ Am Ende wird das unbefleckte Herz Mariens triumphieren.

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