Vorsicht Pille

Immer mehr Studien zeigen: Die regelmäßige Einnahme der „Antibabypille“ hat gravierende, im schlimmsten Fall tödliche Nebenwirkungen. Von Professor Christoph von Ritter

Pille
Pille: Eine Frau hält eine Pillenpackung in den Händen. Foto: Nadine Loesaus

Das muss nicht sein. Denn die „Natürliche Familienplanung“ (NFP) erlaubt eine Empfängnisregelung mit der gleichen Sicherheit auf natürliche und vollständig nebenwirkungsfreie Weise.

Ende vergangenen Jahres publizierten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen im renommierten „New England Journal of Medicine“ eine Studie (NEJM 2017; 377: 2228–39), die nachdrücklich belegt, was Manche schon immer vermutet haben: Bei Einnahme der „Antibabypille“ steigt das Risiko von Frauen, an Brustkrebs zu erkranken, signifikant an. Demnach stieg das Risiko der Frauen, einen Brustkrebs auszubilden, bereits nach einem Jahr der Einnahme um zehn Prozent und erhöhte sich bei einer Einnahme von mehr als zehn Jahren um 38 Prozent. Mehr noch: Nach fünf Jahren Hormonkarenz normalisierte sich das Risiko wieder. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Pille sehr wohl für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich sein kann.

Schon länger bekannt ist, dass hormonelle Kontrazeption insbesondere in Kombination mit Nikotin in hoher Zahl gefährliche „thrombembolische“ Komplikationen verursacht. An der Lunge können solche Verstopfungen der Gefäße tödlich verlaufen. Auch die Tatsache, dass die Pille Depressionen auslösen und für Libido-Verlust verantwortlich sein kann, ist seit Längerem bekannt (JAMA Psychiatry 2016; 73(11): 1154–1162).

Die Entdeckung der Möglichkeit einer Empfängnisverhütung mit Hormonen wurde in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit großer Begeisterung begrüßt. Die Antibabypille versprach die Befreiung der Frau von der Bevormundung durch den Mann und von einer Gesellschaft mit strikter Sexualmoral. Mittlerweile nehmen weltweit rund 140 Millionen Frauen dauerhaft Hormone zur Verhütung ein. Aus Angst vor ungewollten Schwangerschaften raten viele besorgte Eltern jungen Mädchen beim Eintritt in die Pubertät zur dauerhaften Hormoneinnahme. Alternative Möglichkeiten wie die natürliche Familienplanung werden von den meisten Ärzten als unsicher stigmatisiert. Die Möglichkeit sexueller Enthaltsamkeit wird vielerorts als undurchführbar ausgeschlossen.

Die Antibaby-Pille fällt in die Kategorie einer Primärprophylaxe. In dieser Kategorie zielen die Einnahme von Präparaten und andere Maßnahmen darauf ab, den gesunden Menschen vor einem möglichen künftigen gesundheitlichen Schaden zu schützen. Aspirin, Cholesterinsenker, aber auch eine Vorsorgeuntersuchung des Darm und der weiblichen Brust gehören dazu. Dabei muss das Risiko einer Primärprophylaxe stets gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden. Schließlich werden wegen der unklaren Prognose immer auch Menschen behandelt, denen der Gesundheitsschaden gar nicht droht. Vor diesem Hintergrund müssen mögliche Nebenwirkungen der Primärprophylaxe besonders sorgfältig untersucht werden. So werden etwa Medikamente zur Cholesterinsenkung immer wieder kritisch überprüft und bei der regelmäßigen Vorsorge gegen Brustkrebs mittels Mammographie das Risiko der Entstehung strahlungsbedingter Karzinome sorgfältig überwacht.

Mit der „Antibabypille“ soll eine Schwangerschaft verhindert werden. Hierzu nimmt die Frau künstliche Hormone ein, die in der Hauptwirkung die Ovulation hemmen und die Fruchtbarkeit der Frau unterdrücken soll. In den Industriestaaten bekommen Frauen im statistischen Mittel erst im 29. Lebensjahr ihr erstes Kind. In der langen Zeit vom Eintritt in die Geschlechtsreife mit rund 12 Jahren und der Familiengründung wird eine ungewollte Schwangerschaft von vielen als zentrale Bedrohung einer selbstbestimmten Lebensplanung empfunden. Enthaltsamkeit wäre gerade in jungen Jahren natürlich die beste Möglichkeit, scheidet jedoch heutzutage für die Allermeisten als vollständig abwegige Option aus. Alternative Möglichkeiten wie Kondome und Diaphragma sind wenig verlässlich, andere scheiden aus, weil sie, wie etwa die Sterilisation, die spätere Realisierung von Kinderwünschen irreversibel verhindern. Vielen besorgten Eltern erscheint die „Pille“ damit als die einzige Möglichkeit, ihre Töchter vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Kräftig unterstützt wird eine solche Vorstellung nicht nur von Ärzten, sondern von fast allen Seiten der Gesellschaft. Nicht zuletzt, um sich junge Frauen als wertvolle Fachkräfte und potente Steuerzahler möglichst lange zu erhalten.

Nur vor dem Hintergrund dieser umfassenden, unkritischen gesellschaftlichen Akzeptanz lässt sich erklären, warum die mittlerweile wissenschaftlich eindeutig nachgewiesenen gravierenden medizinischen Nebenwirkungen der Pille wie Thrombosen, Embolien und Brustkrebs so lange aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden konnten. Weltweit verteilen internationale Organisationen massenweise Hormone an junge Frauen als Allheilmittel gegen Armut, Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Wassermangel oder jedwedes andere globale Problem. Dabei wird übersehen, dass die hormonelle Kontrazeption zusätzlich zu allen anderen Nebenwirkungen eine vollständig veraltete Geschlechterasymmetrie zementiert: In einer Welt, die freie Sexualität predigt, wird wie selbstverständlich allein der Frau die gesamte Verantwortung für die Empfängnisverhütung übertragen. Sie muss ihren Körper künstlichen Hormonen aussetzen, darf ihren natürlichen weiblichen Zyklus nicht erleben und trägt gesundheitliche Risiken und Kosten. Männer dürfen es als Zumutung empfinden, einen Beitrag zur Empfängnisregelung leisten zu sollen, auf die Frau Rücksicht zu nehmen oder gar Enthaltsamkeit zu üben. Und wenn nach vielen Jahren hormoneller Kontrazeption die Fertilitätsreserve der Frau aufgebraucht ist, trägt sie wieder allein die Last für den häufig unerfüllten Kinderwunsch. Im Rahmen der Kinderwunschbehandlung drohen erneut monatelang extrem hohe Hormongaben mit all ihren Nebenwirkungen. Seit ein paar Jahren bewerben sie nun auch Arbeitgeber im Rahmen des „Social Egg Freezing“ (vgl. DT vom 8.3.2018).

Auch auf ökologischer Ebene zeigt sich ein unsolidarischer Aspekt der hormonellen Kontrazeption. Die Vergiftung des Grundwassers durch die Ausscheidung künstlicher Hormone bleibt nicht ohne Folgen. Sogenannte „endocrine disruptors“, östrogenähnliche, hormonaktive Mikromoleküle werden unter anderem als Ursache für die zunehmende Abnahme der Spermienqualität des Mannes in industrialisierten Ländern diskutiert. Der daraus resultierende unerfüllte Kinderwunsch wird im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation wieder mit hohen Hormongaben behandelt und schließt auf diese Weise einen gefährlichen Teufelskreis, der längst viele Gesellschaften mit Kinderarmut bedroht.

Uneingeschränkt profitiert die Pharmaindustrie von der hormonellen Kontrazeption. Schon zu Beginn der Pubertät werden Mädchen in die Abhängigkeit von der Pille gebracht und als zuverlässige Kundinnen gewonnen. Eltern liefern ihre Töchter der Pharmaindustrie aus und riskieren deren körperliche Unversehrtheit. Die meisten Ärzte entpuppen sich als willige Helfer und bezeichnen die hormonelle Kontrazeption als alternativlos zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften.

Alternativlos ist die hormonelle Kontrazeption jedoch keineswegs: die „Natürliche Familienplanung“ (NFP) erlaubt eine Empfängnisregelung mit der gleichen Sicherheit auf natürliche und vollständig nebenwirkungsfreie Weise. Dies zeigen Studien zur Sensiplan-Methode, die unter anderem von der Universität Heidelberg und der Malteser Arbeitsgruppe NFP zusammengetragen wurden (Hum Reprod 22: 1310–1319). Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) hat folgerichtig eine Sektion „Natürliche Fertilität“ mit dem Ziel der „Förderung der Kompetenz auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung durch Kenntnis der modernen und sicheren Natürlichen Familienplanung“ gegründet. Die sogenannte symptothermale Methode der NFP erlaubt der Frau eine selbstbestimmte Empfängnisregelung. Sie kann ihren Körper und das Wunder des weiblichen Zyklus durch die Beobachtung der Veränderungen von Körpertemperatur und Zervixschleims erleben. Nach drei Zyklen kennt sie die Tage ihrer Fruchtbarkeit und kann ihre Empfängnis selbstbestimmt regeln. Und zwar sowohl mit dem Ziel, eine Schwangerschaft zu vermeiden, als auch mit dem Ziel, eine solche herbeizuführen. Zusätzlich zu den medizinischen Vorteilen verstärkt die NFP die Partnerschaft durch die solidarische Einbeziehung des Mannes in die Empfängnisregelung. Soll eine Schwangerschaft vermieden werden, sind etwa zehn Tage Enthaltsamkeit geboten, besteht dagegen ein Kinderwunsch, dann ist an diesen Tagen eine besonders günstige Zeit mit hoher Fruchtbarkeit gegeben.

Vor 50 Jahren galt die Zigarette als der Inbegriff von Freiheit und Männlichkeit. Wer Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen des Rauchens anmeldete, wurde schnell als spießiger Spaßverderber abgestempelt. Nur langsam wurden die gravierenden Folgen des Nikotins offensichtlich. Mühsam und gegen vielfältige Widerstände konnte die Zigarette entzaubert werden. Mittlerweile ist sie fast vollständig aus dem öffentlichen Raum verbannt. Und ganz ähnlich: Vor 50 Jahren wurde die Antibaby-Pille als Inbegriff weiblicher Emanzipation stürmisch begrüßt. Bedenken, wie sie etwa Papst Paul VI. in der Enzyklika „Humanae vitae“ äußerte, wurden – speziell in Deutschland – leidenschaftlich als fortschrittsfeindlich, freiheitsberaubend und frauenfeindlich kritisiert. Nur langsam dringt das massive Nebenwirkungsprofil einer Empfängnisverhütung mit künstlichen Hormonen ins öffentliche Bewusstsein. Aktuelle wissenschaftliche Studien enttarnen immer neue Nebenwirkungen der andauernden Einnahme der Pille. Immer mehr gesellschaftliche Gruppen, die vor 50 Jahren noch vehement die Pille für alle forderten, engagieren sich jetzt aus Gründen der persönlichen Freiheit, einer natürlichen Lebensplanung, der Geschlechtergerechtigkeit und der Ökologie gegen die hormonelle Kontrazeption. In Blogs wie „www.risiko-pille.de“ beklagen Feministinnen, die vor kurzem noch zusammen mit Margot Käßmann die Pille als „Geschenk Gottes“ feierten, die Bevormundung von Frauen durch patriarchalisch gefärbte Ratschläge von Ärzten und Pharmaindustrie. Es ist zu vermuten, dass der Pille schon bald ein ähnliches „Schicksal“ wie der Zigarette droht. Bedauern würden das nur wenige. Am wenigsten – eine gewissenhafte Aufklärung vorausgesetzt – die betroffenen Frauen. Gibt es doch mit der „Natürlichen Familienplanung“ eine in jeder Beziehung befriedigende, allen zugängliche, selbstbestimmte und solidarische Art der Empfängnisregelung.