Vom „dolce vita“ zum Zeugnis für den Glauben

Am 29. April wird das Wasser der Fontana di Trevi blutrot gefärbt. Von Ulrich Nersinger

Der Trevi-Brunnen war immer schon ein Touristenmagnet. Foto: dpa
Der Trevi-Brunnen war immer schon ein Touristenmagnet. Foto: dpa

Eine einzige kurze Szene verschaffte Anita Ekberg weltweite Berühmtheit und drückte dem Lebensgefühl einer Epoche einen cineastischen Stempel auf. Federico Fellini ließ die schwedische Schauspielerin für seinen Film „La dolce vita“ in den wohl berühmtesten Brunnen Roms, in die Fontana di Trevi, steigen. Mit ihren weiblichen Reizen lockte Anita Ekberg ihren zaudernden Filmpartner Marcello Mastroianni zu sich unter den nächtlichen Wasserfall der Fontana.

„La dolce vita“ illustrierte die Dekadenz der römischen Schickeria in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, deren allabendliches Treiben in den Cafes und Bars der Via Veneto, die Vereinnahmung einer Stadt zum reinen Vergnügen einiger weniger. Der Titel des italienischen Kinoklassikers ist zum Synonym eines „süßen Lebens“ geworden, das die Bindung an die Realität menschlicher Existenz aufgegeben hat. Als Anita Ekberg im Januar 2015 im Alter von 83 Jahren verstarb, wurde der römischen Kommune vorgeschlagen, das Wasser des Trevi-Brunnen schwarz zu färben, um der schwedischen Schauspielerin angemessen zu huldigen. Doch die Stadtväter glaubten, dazu nicht ihre Zustimmung geben zu müssen.

Für den 29. April dieses Jahr hat die Stadtverwaltung jedoch einer Aktion zugestimmt, die das Wasser der Fontana di Trevi rot färben wird. Dann nämlich soll auf diese spektakuläre Weise der Blutzeugen für den christlichen Glauben gedacht werden. An diesem Abend gegen 20.00 Uhr möchte der italienische Zweig von „Kirche in Not“ (Aiuto alla Chiesa che soffre / ACS Italia) bei dem spätbarocken Brunnen Stimmen und Zeugnisse zum christlichen Martyrium unserer Tage zu Wort kommen lassen, etwa den chaldäischen Bischof von Aleppo (Syrien) und Monsignore Antoine Audo SJ. Die ungewöhnliche Glaubensveranstaltung steht unter dem Patronat von Kardinal Mauro Piacenza, dem internationalen Präsidenten von „Kirche in Not“. Die Katholische Aktion Italiens, die römische Caritas, die Gemeinschaft Sant'Egidio, die Fokolarbewegung, Comunione e Liberazione, Unitalsi und viele andere Verbände und Organisationen haben ihre Teilnahme zugesagt.

Alfredo Mantovano und Alessandro Monteduro, Präsident und Direktor des ACS Italia, laden Bewohner und Besucher der Ewigen Stadt zu der Veranstaltung ein: „Die systematische Verletzung des Rechtes auf Religionsfreiheit, vor allem die Verfolgung von Christen, muss ein zentrales Thema der öffentlichen Diskussion werden. Wir bitten daher alle, an dieser Zusammenkunft teilzunehmen, um vor dem dann blutrot gefärbten berühmten römischen Brunnen durch ihre Anwesenheit ein Bekenntnis zur freien Ausübung der Religion und der Verfolgung so vieler Mitchristen im 21. Jahrhundert die dringend notwendige Öffentlichkeit zu geben.