Würzburg

Verwirrung gestiftet

Eine neue Studie konnte kein Homosexualitäts-Gen finden. Das zeigt: Die Kirche liegt mit ihrem Katechismus richtig.

Neue Studie zu Homosexualität
Das soziokulturelle Umfeld spielt bei Homosexualität eine große Rolle. Foto: Boris Roessler (dpa)

Es war vor 17 Jahren. Der SWR stellte ein Buch über Familie vor. Das Gespräch mit dem Autor plätschert vor sich hin, mit netten Anekdoten und etwas Musik dazwischen. Dann, plötzlich, zitiert der Redakteur eine Aussage im Buch – es sei heute salonfähiger, sich als Homosexueller zu outen denn als Vater einer kinderreichen Familie –, und fragt: Haben Sie etwas gegen Homosexuelle? Dem Autor, überrascht, entfährt der Satz: „Natürlich nicht, es ist halt nicht normal.“ Worauf der Redakteur schmallippig nachsetzt: „Wie? Erklären Sie sich!“ Dem Autor fällt ein: „Man hat vor ein paar Monaten das Genom des Menschen entschlüsselt. Dabei wurde kein Gen für Homosexualität gefunden. Folglich ist es nicht normal, homosexuell zu sein.“ Der Redakteur ist sprachlos und meint: „Machen wir ein paar Takte Musik“.

Musik hilft immer. Wer und was ist schon normal? Der Shitstorm nach der Sendung hielt sich in Grenzen. Offenbar lässt das fehlende Gen die Gay-Lobby ratlos. Und seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms mehren sich die Studien, die sich mit der Genese der homosexuellen Disposition befassen. Mal geht es um Identität, mal um Disposition, mal um Ursachensuche.

Das soziokulturelle Umfeld spiele eine größere Rolle

Auch bei der neuen Studie, die jetzt in „Science“ erschien und schon wegen ihres massiven statistischen Materials (DNA-Daten von 493 001 Menschen) Eindruck macht, ist das Ergebnis nicht neu: Es gibt kein eigenes Gen für Homosexualität. Die 21 Autoren verschiedener Fachrichtungen (Ganna et al.), die von renommierten Universitäten kommen wie Harvard und MIT und von denen zwei bei der Vorstellung der Studie ihre homosexuelle Orientierung kundtaten, sprechen allerdings von Wahrscheinlichkeiten, wenn bestimmte genetische Konstellationen in Kombination mit nicht-genetischen vorliegen.

Diese Wahrscheinlichkeiten hat man versucht näher zu bestimmen. Herausgekommen ist jedoch wieder nur Bekanntes: Das soziokulturelle Umfeld spiele eine größere Rolle. Die Ernährung, das Verhalten, die Lebensweise entwickelten die Persönlichkeit weiter. Auch das ist nicht neu. Neu ist die Methode, dass man überwiegend das Datenmaterial (der britischen UK Biobank) von Personen benutzt, die einräumen, wenigstens ein homosexuelles Verhältnis gehabt zu haben. Das schaut ein wenig nach der gesuchten Konstruktion von bestimmten Konstellationen aus.

Die Studie führt zu einer alten Frage zurück

Dennoch sagen die Autoren: Man kann keine belastbaren genetischen Aussagen machen über die sexuelle Orientierung eines Individuums. Da drängt sich die Frage auf: Warum dann das Ganze? Soll hier nur Verwirrung gestiftet werden, indem man wissenschaftlich anerkannte Sachverhalte verwässert oder infrage stellt?

Wie man es auch dreht und wendet, auch diese Studie führt zu der alten Frage zurück: Wie entsteht die Neigung oder Disposition zu homosexuellen Handlungen? Auch hier ist die Wissenschaft, sofern sie überhaupt in diesem Bereich frei forschen und sich artikulieren darf, zu manchen Erkenntnissen gelangt (siehe Seite 26). So kann zum Beispiel permanenter Stress in der Schwangerschaft den hormonellen Haushalt dergestalt durcheinanderbringen, dass zu wenig Testosteron ausgeschüttet wird, was die Ausprägung männlicher Geschlechtlichkeit beeinflusst. Oder es kann in der empfindlichen Phase der jugendlichen Identitätsfindung zu Erfahrungen kommen, die prägen – nicht notwendigerweise aber vielleicht doch lebenslang.

Die Disposition kommt nach der Empfängnis zustande

Wie immer aber die Disposition entsteht, sie kommt nach der Empfängnis zustande, also nach dem Entstehen einer eigenen genetischen Identität. Diese unterliegt dann Einflüssen in allen Bereichen, auch dem sexuellen. Diese Einflüsse wären eine Forschung wert. Denn es gibt für den mit freiem Willen beschenkten Menschen keinen Mechanismus. Für die Kirche gilt jedenfalls auch nach dieser Studie, dass sie mit den entsprechenden Passagen im Katechismus (2357ff.) richtig liegt.