Würzburg

Tagesposting: Tod, Glaube, Hoffnung

Ein guter Tod ist die Frucht eines guten Lebens, aber auch eine Gnade.

Kristina Ballova
Kristina Ballova betreibt den Blog „Frau mit Eigenschaften“. Foto: privat

Unlängst ist meine geliebte Großmutter verstorben. Ihr Tod und das Zeugnis ihres Lebens bringen mich dazu, über die Ewigkeit und christliche Hoffnung nach zudenken. Gerade angesichts des Todes wird mir die Schönheit des katholischen Glaubens bewusst.

Ihr Tod war so, wie ich ihn mir auch wünschen würde. Sie starb vorbereitet, um sorgt von ihren Liebsten und im Bewusstsein, ein erfülltes Leben gelebt zu haben. Wir alle konnten sie noch besuchen und uns verabschieden. Meine Oma empfing die Sakramente, und das Gebet ihrer Nächsten und der eucharistische Segen begleiteten sie im Augenblick des Todes. Bereits als sie sehr schwach war und sich nicht mehr klar ausdrücken konnte, betete sie gern mit ihrem Mann und den Kindern Rosenkranz, wo sie leise die Worte des Vater-Unser und Ave-Maria sprach.

Ihr Reichtum lag in der Liebe und Wertschätzung

Die Oma war das Herz unserer Familie. Mit Humor und einem gesunden Men schenverstand brachte sie den Kindern und Enkelkindern ihre Lebensweisheiten bei. Sie erzählte Geschichten aus ihrer Jugend, brachte uns viele Lieder bei und wir lernten von ihr, andere Menschen zu lieben, so wie sie es tat. Besonders für schwache und leidende Menschen hatte sie immer das Herz offen und konnte keine Ungerechtigkeit leiden. In ihrer unprätentiösen Art war sie vielen Menschen wie Mutter oder Schwester. Es war schwer, sich von ihr zu verabschieden.

Die Beerdigung war ein beeindruckendes Glaubenszeugnis. Fast 200 Menschen, Angehörige aus nah und fern ebenso wie Dorfbewohner, waren im Requiem und nahmen anschließend am offenen Sarg Abschied. Im Tode zeigte sich der wahre Reichtum dieser einfachen Frau. Er lag nicht in Geld und Gütern, sondern in der Liebe und Wertschätzung, die sie erfuhr. Mir schien es, dass der Tod die wahre, gerechte und ewige Ordnung herstellte.

In der katholischen Tradition und Ästhetik gehört der Tod dazu

Ein guter Tod ist die Frucht eines guten Lebens, aber auch eine Gnade. Ich kann mich gut an die Worte des slowakischen Erzbischofs Sokol bei einer Jugendwallfahrt erinnern, in der er uns nahelegte, bereits jetzt für einen guten Tod zu beten. Er betonte die Wichtigkeit der Vorbereitung auf den Tod. „Herr bewahre mich vor einem plötzlichen und unerwarteten Tod“ würde er seit vielen Jahren beten und allen empfehlen. Es sei nie zu früh, an den Tod zu denken. Was für ein Unterschied zur Lebenseinstellung so vieler agnostischer Zeitgenossen! Damals fand ich es überraschend, vielleicht sogar irritierend, und deshalb merkte ich es mir auch gut. Heute weiß ich: Die „Memento-Mori“- Mentalität ist eine urkatholische Lebenshaltung, die mir sehr gut gefällt. In der katholischen Tradition und Ästhetik ist der Tod kein Tabu, sondern gehört dazu.

Wenn man einen geliebten Menschen verliert, macht es einen großen Unterschied, ob man an die unsterbliche Seele und die Auferstehung der Toten glaubt, oder nicht. Wenn der Tod das komplette Auslöschen eines Lebens bedeutet, bleibt nur die Erinnerung und eine Leere. Wenn die Seele nach dem Tod in die Hand des Schöpfers gegeben wird, bleibt Hoffnung auf ein Wiedersehen und der Schmerz nach dem Verlust ist kein endgültiger.

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Kristina Ballova
Kristina Ballova betreibt den Blog „Frau mit Eigenschaften“. Foto: privat