Würzburg

Tagesposting: Die Mission - nicht umsonst zu haben

Eine missionarische Neuausrichtung der Kirche hat für Papst Franziskus hohe Priorität. Der Oktober bietet Gelegenheit, sich damit vertieft zu befassen.

Papst Franziskus veröffentlicht Schreiben zu Missbrauch
In dem knapp vierseitigen Schreiben kritisiert der Papst Klerikalismus und fordert alle Katholiken auf, sich gegen eine solche Kultur zu engagieren. Foto: Ettore Ferrari (ANSA)

Über Papst Franziskus kann man immer wieder hören, dass er ein Mann der Ankündigungen sei und nun endlich liefern müsse. Dass er oft längst schon geliefert hat, wird meist verschwiegen. Enttäuschung und Frustration sind damit vorprogrammiert. Bei der Amazonas-Synode im Oktober wird auch über eine Aufhebung der Zölibatsverpflichtung für dieses riesige Gebiet gesprochen werden. Viele erhoffen sich davon einen Anstoß für dessen generelle Abschaffung in unserer Kirche.

Sie dürften enttäuscht werden, denn beim Rückflug vom Weltjugendtag in Panama im Januar hat sich Papst Franziskus vor Journalisten dazu klar geäußert: „Mir kommt der Satz des heiligen Paul VI. in den Sinn: ,Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern.‘ Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist. Zweitens bin ich nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben, nein. Nur für die entlegensten Orte bliebe manche Möglichkeit …“ Dies hört sich nicht danach an, als ob die Verpflichtung zur Ehelosigkeit für die katholischen Priester demnächst generell aufgehoben würde.

Das Tagesposting - die Kolumne im Feuilleton der "Tagespost"
Das Tagesposting - die Kolumne im Feuilleton der "Tagespost" Foto: Kathrin Harms

Der Monat Oktober soll nach dem Willen von Papst Franziskus eine „außerordentliche Zeit für die Mission“ sein; diese ist ihm ein Herzensanliegen. Im Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland im Juni schreibt er, dass eine „pastorale Bekehrung“ notwendig sei, die uns in Erinnerung rufe, dass die „Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin“ sein müsse. Das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“, das nur sechs Monate nach dem Antritt seines Pontifikats im Jahr 2013 herauskam, hat für ihn programmatische Bedeutung. Die Situation sei so dramatisch, dass man die Dinge nicht so belassen dürfe, wie sie seien.

Lesen Sie „Evangelii gaudium“!

Immer wieder weist der Papst darauf hin, dass wir nicht von organisatorischen Maßnahmen oder von schnellen, medial wirksamen Beschlüssen das Heil erwarten dürfen. Er führt weiter aus: „Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des ,Es wurde immer so gemacht‘ aufzugeben.“ Kein Schreiben eines Papstes der letzten Zeit hat mich so angesprochen wie „Evangelii gaudium“. Ich rate Ihnen dringend, es zu lesen und in Ihrem persönlichen Leben die Konsequenzen zu bedenken. Es ist nicht nur unnütz, sondern auch destruktiv, nur auf die schwierige Situation der Kirche in unserem Land zu blicken – und nichts zu tun.

Es braucht Ihr Engagement und – ich sage es ganz offen – auch Ihre Verbindlichkeit, sich bei einer missionarischen Initiative oder „radio horeb – Team Deutschland“ regelmäßig einzubringen. Die Tätigkeit dort ist nicht überfordernd und eine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit. Das Oktober-Programm steht ganz unter dem Aspekt der Mission. Wir präsentieren die Dokumente der Kirche zu diesem Thema, weisen auf die Notwendigkeit einer missionarischen Wende hin und zeigen konkrete Möglichkeiten auf, wie Sie sich engagieren können.