Würzburg

Tagesposting: „Blitzbekehrung“ zu Weihnachten

Tagesposting: „Blitzbekehrung“  zu Weihnachten
Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang und Programmdirektor von „Radio Horeb“. Foto: Archiv
Tagesposting: Zuversicht schleicht ins Herz
Die Autorin ist eine katholische Publizistin. Foto: Archiv

Selten war ich in der vergangenen Zeit so traurig wie am 15. April, als in der Karwoche die Kathedrale Notre-Dame in Paris, ein Symbol unseres Glaubens, durch einen Brand stark beschädigt worden ist. Sie birgt einen Schatz von unvorstellbarem ideellen Wert: die Dornenkrone unseres Herrn. In der Theologie hat man dies immer so gedeutet, dass Christus sie für alle Sünden des Geistes, besonders des Stolzes und eines verkehrten Denkens getragen hat. Von Letzterem war auch Paul Claudel infiziert, der in Notre-Dame an Weihnachten 1886 im Alter von 18 Jahren eine „Blitzbekehrung“ erlebte, die ihn vollständig verändert hat. Er war damals der Überzeugung, dass alles Geschehen natürlichen Gesetzen unterworfen sei und die Wissenschaft übermorgen alles vollständig erforschen würde.

Nach eigenem Bekunden führte er ein unmoralisches Leben und verfiel allmählich in einen Zustand der Verzweiflung; den Glauben hatte er ganz verloren. Am Weihnachtstag 1886 begab er sich nach Notre Dame auf der Suche nach einem geeigneten Reizmittel, „um den Stoff für ein paar dekadente Übungen zu finden“. Es geschah jenes Ereignis, das sein ganzes künftiges Leben bestimmen würde. Viele Jahre später blickte er darauf zurück und beschreibt es so: „In einem Nu wurde mein Herz ergriffen, ich glaubte. Ich glaubte mit einer mächtigen inneren Zustimmung, mein ganzes Sein wurde geradezu gewaltsam emporgerissen, ich glaubte mit einer so starken Überzeugung, mit solch unbeschreiblicher Gewissheit, dass keinerlei Platz auch nur für den leisesten Zweifel offen blieb.“ Das Erstaunliche an seiner Bekehrung war, dass diese sozusagen nur halb stattgefunden hatte. Seine bisherigen philosophischen Überzeugungen blieben unangetastet. Nach wie vor hatte er eine große Abneigung gegen die Kirche und den Klerus.

Tagesposting: „Blitzbekehrung“  zu Weihnachten
Der Autor ist Pfarrer von Balderschwang und Programmdirektor von „Radio Horeb“. Foto: Archiv

Es folgten vier Jahre intensiven geistlichen Ringens, seine bisherige Lebenseinstellung und das Gotteserlebnis zusammenzubringen. Vieles musste er neu und anders sehen: „Junge Menschen, die so leichtfertig ihren Glauben wegwerfen, wissen nicht, was es kostet, ihn wiederzuerlangen, mit welchen Qualen sie dafür bezahlen müssen. Der Gedanke an die Hölle und auch der Gedanke an all das Schöne und die Freuden, die zu opfern meiner Meinung nach die Rückkehr zur Wahrheit mir auferlegte, waren es vor allem, die mich zurückhielten.“ Gerade auf die jungen Menschen strömt heute so vieles ein und die Gefahr, sich zu verlieren, indem man gedankenlos das annimmt, was sich einem bietet, ist riesengroß. Jeder einzelne Schritt, den wir uns von Christus entfernen, werden wir wieder zurückzugehen haben, wenn wir bei ihm sein und ein sinnhaftes Leben führen wollen. Das erste Wort des Herrn bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im Markus-Evangelium heißt „Kehrt um!“ (Mk 1, 15). Vom Wortsinn her ist damit ein Umdenken, ein neues Denken von Christus her gemeint. Wir sollen die Welt gleichsam mit seinen Augen sehen. Hier gibt es keine Ermäßigung, keine Ausflüchte. Christus und nicht der Zeitgeist muss der Maßstab sein. Radio Horeb mit seinem Motto „Leben mit Gott“ will dazu helfen, dass dies gelingt.

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