Standhaft bis in den Tod

„Sophie Scholl“ (2004) von Fred Breinersdorfer und Marc Rothemund – Serie der Filmgeschicht. Von José García

Filmtipp: "Sophie Scholl" - Filmszene mit Julia Jentsch
Die letzten sechs Tage Sophie Scholls gestaltet der Film als innere Reise in die reiche Innenwelt einer jungen Frau, die ihr Eintreten für Menschenwürde und christliche Grundsätze mit dem Leben bezahlte. Foto: X-Filme/Jürgen Olczyk

Der Studentenbewegung „Weiße Rose“, die sich seit dem Frühjahr 1942 an der Münchner Universität als Widerstandsgruppe gegen das NZ-Regime formierte, setzte im Jahre 1982 Michael Verhoeven ein filmisches Denkmal. Anders als Michael Verhoevens „Die Weiße Rose“ widmet sich der Spielfilm „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ nicht der Widerstandsbewegung an sich. Er konzentriert sich konsequent auf seine Titelheldin. Der Film zeichnet akribisch die Tage zwischen dem 17. und dem 22. Februar 1943 nach: vom Vorabend ihrer Verhaftung bis zur Hinrichtung Sophie Scholls zusammen mit ihrem Bruder Hans und mit Christoph Probst.

Das glänzende Drehbuch von Fred Breinersdorfer beruht auf den Originalprotokollen der Vernehmungen Sophie Scholls durch den Gestapo-Ermittler Robert Mohr sowie auf den Aufzeichnungen von Sophies Zellengenossin Else Gebel. Für die Filmdialoge wurde darüber hinaus aus den Briefen und Tagebucheintragungen Sophie Scholls zitiert.

In schnell geschnittenen Bildern zeigt der Film Sophie Scholl (Julia Jentsch) beim Hören von Swing-Musik aus dem „Feindsender“ BBC, beim Drucken und Versenden des letzten Flugblatts am Abend des 17. Februars, beim Schreiben des letzten Briefes an Lisa Remppis, während sie das Forellenquintett aus dem Grammophon hört, beim Auslegen des Flugblattes in der Universität am Morgen des 18. Februars sowie bei ihrer Verhaftung. Nun kommt der Film zu seinem Herzstück: zu den Verhören durch den Gestapomann Robert Mohr (Alexander Held) und den Gesprächen Sophies mit ihrer Zellengenossin Else Gebel (Johanna Gastdorf).

Angesichts der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Julia Jentsch, Alexander Held und Johanna Gastdorf hält sich der Regisseur zurück: Nur hin und wieder verschiebt die Kamera ihren Standort, damit bei den Vernehmungen keine Monotonie entsteht, damit der Unterschied zur Theaterbühne klar wird. Die minimalistische Inszenierung lässt viel Raum für eine Reise ins Innere Sophie Scholls, in die reiche Innenwelt einer lebensfrohen, hochgebildeten jungen Frau, die in den Tod ging, um ihre Idee nicht zu verraten, und die ihre innere Kraft aus dem Gebet schöpft. Denn die tiefste Quelle ihres Widerstandes gegen das atheistische Staatssystem war der christliche Glaube. Der Film zeigt, dass für sie nicht in erster Linie politische, sondern weltanschauliche Fragen im Vordergrund standen. Nicht von ungefähr traf die religiöse Erneuerung, die Sophie nach ihrer Ankunft in München im Mai 1942 im Kontakt mit großen katholischen Intellektuellen wie Professor Huber, dem Schriftsteller Theodor Haecker und dem Herausgeber der katholischen Monatsschrift „Hochland“, Carl Muth, vollzog und die sich in ihrem Tagebuch niederschlägt, mit den Anfängen der „Weißen Rose“ zeitlich zusammen.

Für heutige junge Menschen, die einem nicht gerade christlichen Zeitgeist ausgesetzt sind, können Sophie Scholl und ihre Mitstreiter, die „als gläubige Menschen ihr Eintreten für Menschenwürde und christliche Grundsätze mit dem Zeugentod besiegelt (haben)“ (Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, hrsg. v. Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz – das Martyrologium zählt unter die Blutzeugen Willi Graf, Kurt Huber und Christoph Probst), ein leuchtendes Vorbild sein.