Peter Hahne im Tagesposting: Wer hat Angst vor dem Gender-Wahn?

Tagesposting: Die Kirche auf  Titanic-Kurs?
Der Autor ist TV-Moderator und Bestseller-Autor. Foto: Archiv

Gegen Gender-Wahn, Grammatik-Gaga und Denglisch-Dummsprech habe ich schon seit Jahren in meinen Büchern angeschrieben. Dazu gab's die meisten Zuschriften. Zu 99 Prozent positiv, meist verbunden mit der Frage: Warum gibt es denn nicht eine konzertierte Aktion gegen diesen Wahnsinn? Wenn man nicht jetzt was tut, hat sich die Welt bald an diesen Unsinn gewöhnt. Stimmt! In Frankreich hat eine Massendemonstration der Regierung Beine gemacht. Hierzulande ist es nun wenigsten eine Petition.

Als Professor Walter Krämer, der engagierte Vorsitzende des „Vereins Deutsche Sprache“ mich Anfang März anschrieb, ob ich mich als Erstunterzeichner seiner Initiative „Gegen Gender-Unfug“ anschließen würde, sagte ich spontan zu. Fünf Tage später gab es bereits über 50 000 Unterschriften. Ein Anti-Gender-Tsunami ging durchs Land. Was mich bis heute erstaunt: Es ist die größtmögliche Koalition entstanden mit Namen, die es sonst auf keiner gemeinsamen Liste gibt. Vom Journalisten-„Papst“ Wolf Schneider über den Komiker Didi Hallervorden bis zum Ex-Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen, vom evangelikalen Präses Christoph Morgner über den Kabarettisten Dieter Nuhr bis zur Schriftstellerin Monika Maron. Und manche „Qualitätszeitungen“ hatten nichts Eiligeres zu tun, als diese Unterzeichner gegeneinander aufzuhetzen.Als sei es ein Verbrechen, sich bei aller Verschiedenheit auch mal einig zu sein.

Aus der Politik kaum eine Reaktion. Klar, da entblöden sich die beiden führenden Repräsentanten unseres Staates nicht, schulschwänzende Kinder für ihre Klima-Demos in höchsten Tönen zu loben. Ich stelle mir immer vor, was wohl los wäre, wenn nun die Pegida Kinder ins Rennen schickten. Da wäre von Instrumentalisierung unmündiger Jugendliche die Rede, und die Polizei würde die Kinder zurück in die Schulen verfrachten.

Bei jeder Preisverleihung an Journalisten, selbst an notorische Fälscher und Fakenews-Produzenten, wird der Satz von Hanns-Joachim Friedrichs weihevoll zitiert: „Ein Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten.“ Die merken in ihrem Gutmenschen-Wahn gar nicht, dass sie längst tagtäglich dagegen verstoßen.

Papst Benedikt XVI hat recht: Wir müssen endlich der Meinungsdiktatur des Relativismus eine Leidenschaft für die Wahrheit entgegensetzen. Zu dieser Wahrheit gehört, dass auf dem Vehikel einer „neuen“ Sprache eine neue Ideologie über uns kommt. Tröpfchenweise, in leichten Dosen, schleichend und heimlich kommt die Umerziehung, die selbst vor bayerischen Grundschulen nicht Halt macht. Dort plant man die dritte Toilette. In Bayern! Gender und Political Correctness feiern Triumphe, und kaum jemand wehrt sich. Oder hören Sie gewichtige Stimmen aus den Kirchen? Deshalb begrüße ich es, dass wenigstens gegen den Gender-Wahn eine breite Volksbewegung in Gang kommt. Und ganz nebenbei: Nicht die irren Ideologen finde ich die Schlimmsten, sondern gestandene Persönlichkeiten an Universitäten, in Parlamenten und Medien, die sich diesen Unsinn widerstandlos gefallen lassen. Kaum Gegenwehr. Aus Angst vor wem eigentlich?