Medienmenschen: Leicht steigende Hörerzahlen

Pfarrer Richard Kocher, Programmdirektor bei Radio Horeb, über die Herausforderungen des heutigen Journalismus und dem Umgang der Medien mit dem Islam.

Dr. Richard Kocher, Programmdirektor von Radio Horeb.
Dr. Richard Kocher ist Programmdirektor von Radio Horeb. Foto: Radio Horeb

Herr Dr. Kocher, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Sie besteht darin, in einer komplexen, globalisierten und schwer durchsichtigen Welt wahrheitsgemäß zu berichten. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigt das Beispiel des Syrienkriegs. Dort wurden in den Medien die Rebellen als gemäßigt dargestellt. Ich weiß aber von zahlreichen Kirchenvertretern, dass das in Wahrheit Radikale waren.

Welche Folgen hat die gewachsene Bedeutung des Islam für die Medien?

Sie macht die Auseinandersetzung mit dem Islam nötig, weil die Wertmaßstäbe des Koran und unsere westliche Perspektive auf Grundfragen der Gesellschaftsordnung voneinander abweichen. Das kann zu sozialen Verwerfungen führen. Denken Sie an Themen wie die Religionsfreiheit oder auch das Frauenbild.

Worüber berichten die Medien in Deutschland zu wenig?

Über die Bedeutung der Familie als Keimzelle der Gesellschaft, über die Notwendigkeit eines Lebensstils, der ein gutes Leben für alle ermöglicht und über die Grundanliegen der Kirche. Hier müssten mehr Basisinformationen gegeben und nicht nur reißerische Skandalthemen behandelt werden.

Woher rührt das gespannte Verhältnis zwischen Medien und Kirche und wie lässt es sich verbessern?

Nach Untersuchungen ist der Anteil derer, die der Kirche gleichgültig bis ablehnend gegenüberstehen, unter Journalisten weit höher als in der Bevölkerung. Was kann man machen? Mehr eigene kirchliche Medien aufbauen! Und dann ist freilich eine zeitgemäße Sprache nötig, die auch kirchenferne Menschen erreicht.

Streaming statt Fernsehen, Online statt Print: Welche Rolle werden „klassische“ Medien wie TV, Radio oder Zeitungen in Zukunft spielen?

Vor zehn Jahren hat man das Radio totgesagt, doch es erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Wir haben sogar leicht steigende Hörerzahlen. Doch es ist klar: Die Zukunft ist trimedial: Internet, Audio- und Bildmedien. Dementsprechend muss die Positionierung eines Mediums sein.

Sie sind katholischer Priester. Welche Rolle spielt Ihr Glaube für Ihre journalistische Arbeit?

Der Glaube ist das Fundament, von dem aus ich meine Arbeit gestalte und die Themen reflektiere. Ich bin der Überzeugung, dass die Offenbarung Gottes auf alle wesentlichen Fragen des Menschseins die richtigen Antworten gibt.

Der Papst richtet jedes Jahr zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel eine Botschaft an Journalisten in aller Welt. Wenn Sie Papst wären, womit würden Sie sich in dieser Botschaft befassen?

Nach innen hätte ich die Botschaft, dass unsere Kirche dort sein muss, wo die Menschen sich aufhalten – und das bedeutet heute: in den Medien. Nach außen würde ich eine Bischofssynode zur Medienthematik einberufen – mit Vertretern weltlicher Medien.