Medienmenschen. Deutsche Hofberichterstatter

Journalismus, Pressefreiheit und Weltanschauung im Zusammenspiel zwischen Kirche und Medien. Von Josef Bordat

Roland Noé, Herausgeber und Chefredakteur der katholischen Internetzeitung www.kath.net.
Roland Noé, Herausgeber und Chefredakteur der katholischen Internetzeitung www.kath.net. Foto: Paul Badde

Herr Noé, worin besteht heute die größte Herausforderung für den Journalismus?

Die größte Herausforderung als katholischer Journalist ist meines Erachtens, dass man einerseits eine gewisse Grundsolidarität mit, und Liebe zu der Kirche hat, trotzdem aber den Mut besitzt, auch unangenehme Dinge (möglichst sachlich) zu berichten.

Sehen Sie die Pressefreiheit bedroht? Wenn ja, durch wen?

Die Pressefreiheit ist in unseren Breiten meines Erachtens vor allem durch das Rudelverhalten vieler Journalisten bei großen Mainstream-Medien in den deutschsprachigen Ländern bedroht. Bei Reizthemen wie „Kirche“ oder „Donald Trump“ haben nur wenige den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und fair und ausgewogen zu berichten. Mir scheint, dass insbesondere nicht wenige Journalisten im deutschsprachigen Raum gerne auch zu einer gewissen Hofberichterstattung neigen. Dabei werden Fakten verschwiegen oder relativiert. Dies beginnt bei Merkel und endet bei Papst Franziskus.

Worüber berichten die Medien zu wenig?

Viele Medien berichten zu wenig über „Good News“ – auch in der Kirche. Bei Themen wie zum Beispiel der Migration hingegen verschweigen nicht wenige Medien bis heute wiederum die Schattenseiten. Beim Thema Abtreibung herrscht fast flächendeckendes Schweigen in der Berichterstattung. In manchen Bereichen wird über jede Mini-Demo groß in den Mainstream-Medien berichtet, demonstrieren in Berlin oder in Wien jedoch tausende Menschen gegen Abtreibung, dann ist es schwer, irgendwo auch nur eine Zeile darüber zu finden.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Kirche und Medien verbessern?

Auf Seiten der Kirche: Die katholische Kirche sollte in ihrer Öffentlichkeitsarbeit aufhören, objektiv schlechte Nachrichten (wie zum Beispiel die hohen Kirchenaustritte) jedes Jahr irgendwo noch immer als „Good News“ verkaufen zu wollen. Journalisten wiederum sollten unabhängig, fair und kritisch über die katholische Kirche berichten und nichts verschweigen.

Welche Rolle spielt der weltanschauliche Hintergrund für die journalistische Arbeit?

Natürlich spielt dies eine Rolle. Jeder Journalist bringt seine Weltanschauung mit. Mein Verdacht ist, dass die Journalisten, die sich selbst besonders lautstark als „objektiv und unabhängig“ verkaufen (weil zum Beispiel nicht auf dem Boden des christlichen Glaubens), besonders gerne durch eine hochideologische Brille berichten, die ihnen in ihrer „objektiven Weltsicht“ ganz und gar nicht bewusst ist.

Der Theologe Roland Noé ist verheirateter Familienvater (3 Kinder) und wohnt in Österreich in der Nähe von Linz.