Würzburg

Kommentar: Wunsch und Wirklichkeit

Es ist Unsinn zu behaupten, das Geschlecht sei ausschließlich oder auch nur vorrangig ein soziales Konstrukt und damit prinzipiell änderbar.

Geschlecht ist kein soziales Konstrukt
Mit ihrem biologischen Geschlecht versöhnte Menschen können sich keine zureichenden Vorstellungen davon machen, welches Leid es den Betroffenen bereitet, sich für jemanden anderen zu halten, als der sie täglich in Erscheinung treten. Foto: Cris Faga (ZUMA Wire)

Niemand sucht sich sein Geschlecht aus. Ob jemand als Junge oder Mädchen geboren wird, hängt allein davon ab, ob das eine Eizelle befruchtende Spermium ein X-Chromosom oder ein Y-Chromosom mit sich führt. Spermien mit X-Chromosom führen zu Mädchen, Spermien mit Y-Chromosom zu Jungen. Biologen sprechen daher vom chromosomalen Geschlecht. Auch die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, das gonodale, anatomische und hormonelle Geschlecht, besitzen eine genetische Grundlage.

Niemand vermag sein Geschlecht zu ändern

Es ist daher Unsinn, zu behaupten, das Geschlecht sei ausschließlich oder auch nur vorrangig ein soziales Konstrukt und damit prinzipiell änderbar. Niemand vermag sein Geschlecht zu ändern. Selbst eine „Geschlechtsumwandlung“ macht aus einem Mann keine Frau und aus einer Frau keinen Mann. In Wirklichkeit zerstört der Chirurg dabei in aller Regel ein funktionsfähiges Organ und ersetzt es durch eine nicht voll funktionsfähige Nachbildung. Jedenfalls dann, wenn die Fähigkeit zur Fortpflanzung, die dabei verloren geht, zur Funktionsfähigkeit gerechnet wird. Das sind die Fakten und sie sind unwiderlegbar.

„Gesund ist, wer nicht
ausreichend untersucht wurde“
Bestseller-Autor Manfred Lütz

Nun gibt es aber Menschen, die mit ihrem biologischen Geschlecht fortwährend im Streit liegen und sich im falschen Körper geboren wähnen. Obwohl ihre Geschlechtsmerkmale eine andere Sprache sprechen, fühlen sie sich dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig. Mit ihrem biologischen Geschlecht versöhnte Menschen können sich keine zureichenden Vorstellungen davon machen, welches Leid es den Betroffenen bereitet, sich für jemanden anderen zu halten, als der sie täglich in Erscheinung treten.

Eine humane Gesellschaft schuldet Mitgefühl und Hilfe

Eine humane und solidarische Gesellschaft schuldet diesen Menschen nicht nur aufrichtiges Mitgefühl, sondern auch jede Hilfe, die sie ihnen zu geben vermag. Der Wunsch, solche Leiden nicht zu pathologisieren, ist zwar verständlich, aber falsch. Richtig wäre es, wenn sich die Erkenntnis durchsetzte: Es ist normal, krank zu sein. Oder wie es der Psychiater, Theologe und Bestseller-Autor Manfred Lütz einmal unnachahmlich formulierte: „Gesund ist, wer nicht ausreichend untersucht wurde.“