Kommentar: Für Kinder nur das Beste

Eine Platinblonde kuschelt sich an einen brüllenden Löwen, daneben eine rote Chaiselongue, auf der sich zwei weitere Schönheiten räkeln und ein Tänzer in Jeans und T-Shirt wirft einen roten Apfel in die Luft. Wer sich von dieser Startseite animiert bei Beautifulpeople.com anmeldet, ist bereit zur Selektion. Sowohl der eigenen wie auch der noch ungeborener Menschen. Die Internetseite ist nicht nur eine der üblichen Internetangebote zur Partnersuche. „Schöne Menschen“, so das britische Marketingkonzept, will auch nur schöne Menschen zulassen, zumindest was man hier darunter versteht. Und das ist, wie nicht anders zu erwarten, die Schönheit, die als Ideal die Modeindustrie auf den Hochglanzseiten verkündet.

Wer sich hier anmeldet, kommt nur auf die Oberfläche der Internetseite. Er wird nicht gleich zu Gesprächen und mögliche Kontaktaufnahme mit den anderen Mitgliedern zugelassen. Dafür ist Selektion nötig. Denn die Anmeldung ist nur mit Foto und Vorstellung der eigenen Person möglich. Die Selbstvorstellung wird dann von den Mitgliedern des anderen Geschlechts bewertet – und nur wenn diese Begutachtung positiv ausfällt, folgt die Aufnahme in den inneren Kreis. Per Mail wird der Neuling über die Bewertungen informiert, die er sich auf der Internetseite anschauen kann. Wer den Test nicht schafft, bleibt draußen und kommt gar nicht mehr in die Internetseite.

Aber die Angelegenheit ist noch weitaus prekärer. Denn die Mitglieder werden aufgerufen, Samen und Eizellen zu spenden, auch für weniger attraktive Menschen. Damit geht es nun eindeutig um Schönheitskult und Selektion. Gegenüber dem Magazin „Stern“ haben nun Mitglieder von Beautifulpeople.com aufschlussreiche Interviews gegeben. So meint Mitglied Parissa Mosbasher, wenn man einen schönen Spender finde, gebe man seinem Kind einen Bonus fürs Leben, ein gewisses Extra. Man schulde es seinem Kind, das Beste für es zu wollen, „vor der Geburt, während der Geburt und nach der Geburt“. Es gibt ein besonderes „fertility forum“ auf der Internetseite für solche Fortpflanzungsangelegenheiten. Aber es gibt selbst aus dem Mitgliederbereich auch kritische Stimmen. So hält es Dr. David King für eine sehr gefährliche Tendenz in unserer Gesellschaft, dass alles, was mit Reproduktion zu tun habe, der Kontrolle unterliegen soll. Er spricht sogar von „eugenistischer Tendenz“ und meint die Selektion auf Leben und Tod. Und damit trifft er genau den Punkt, um den es hier geht. Denn solche Internetseiten verbreiten das Bewusstsein, es ginge letztlich nur um Schönheit. Es ließen sich ja auch ganz andere Kriterien denken, etwa wie kreativ jemand sei, wie er anderen Menschen hilft oder ähnliches. Aber solche humanen Werte scheinen bei der modernen Partnersuche nicht das vorrangige Thema zu sein. Ganz im Gegenteil.

Dass Kinder nun aus den Samen und Eizellen von Schönen synthetisiert werden sollen, kann den Nachkommen nicht gefallen. Weil ihnen irgendwann klar wird, dass der Grund ihrer Existenz nicht die Liebe war, sondern nur Kriterien, die ihren Körper betreffen. Das mag zwar manchmal im Leben nützlich sein, aber es ist eben auch nur nützlich. Mehr nicht. Vielmehr sollte die Gesellschaft darüber diskutieren, was für Kinder wirklich „das Beste“ ist, wie es Parissa Mosbasher formulierte. Das Beste ist aber nicht das Schönste, sondern viel mehr als Schönheit. Und Schönheitskult verleitet zur Selektion sowie künstlicher Herstellung. Über Selektion von Intelligenz hat man noch nicht gehört. Am Ende wird man auf bestimmte Verfahren der Erzeugung von Schönheit und deren Formen noch Patente anmelden wollen, wie es bei den Patenten für Gemüsesorten schon üblich ist. Der Ausverkauf der Schöpfung hat begonnen.