Kandidat Steinmeier

Das ZDF porträtiert den Mann, der für die SPD Bundeskanzler werden soll, etwas zu zurückhaltend

„Kandidat Steinmeier“ – unter diesem Titel hat das ZDF am Dienstag eine dreiviertel Stunde (4. August, 20.15 Uhr) lang den Mann porträtiert, der für die SPD Bundeskanzler werden soll. Frank-Walter Steinmeiers Studien- und Parteifreundin Brigitte Zypries erfasste dabei in dem Fernsehpor- trät mit sicherem Instinkt den doppelbödigen Sinn des scheinbar harmlosen Sendetitels. Die Frage sei nie gewesen, sagte die Bundesjustizministerin den Autoren, ob Frank-Walter Steinmeier „Kanzler kann“, sondern: „Kann er Kandidat sein?“ – und aus diesem feinen Unterschied bezog die ZDF-Produktion ihre Spannung.

Dass Steinmeier alle administrativen Fähigkeiten, charakterlichen Eigenschaften und politische Erfahrung mitbringt, um das Amt des Bundeskanzlers seriös zu managen, darüber herrschte in dem Film Einigkeit. Würde das Amt des Bundeskanzlers wie ein Job bei einem Unternehmen mit Bewerbung und Bewerbungsgespräch vergeben, so „könnte“ Steinmeier aufgrund seiner Qualifikation sicher Kanzler und würde gleichsam von der Deutschland AG als Vorstandsvorsitzender eingestellt, will das sagen. Dass der Mann aus der niedersächsischen Provinz Brakelsiepe aber als Kandidat der SPD, den das Volk via SPD-Stimme zum Kanzler wählt, weil es allein ihn will und mag und von ihm begeistert ist, und der deshalb mit diesem Volk auf Du und Du sich stellt und allen alles wird, daran bleiben trotz bemühten Marketings und Öffentlichkeitsarbeit der SPD Zweifel. Dies ist der bleibende Eindruck nach dem Film „Kandidat Steinmeier“.

Der Film will ergründen, warum der Calvinist Steinmeier „Kanzler kann“, sich aber mit dem Kandidat-Sein schwertut. Die Autoren befragen dafür prominente Freunde, Verwandte, Bekannte aus Steinmeiers Jugend, politische Weggefährten, seine katholische Ehefrau, die Arbeitsrichterin Elke Büdenbender („die Kandidatur ist schon eine Anstrengung“). Alle waren sich einig: Steinmeier sei mit preußischen Tugenden gesegnet, persönlich zurückhaltend, uneitel und alles andere als ein „Alphatier“ wie sein Mentor, der Alt-Kanzler Gerhard Schröder. Selbst der Fußball musste für dieses Bild herhalten: So schoss der junge Schröder als Mittelstürmer entscheidende Tore, während Steinmeier in der Mannschaft seines Heimatvereins, nur wenige Kilometer von Schröders Heimatort entfernt, defensives Mittelfeld spielte, was der Alt-Kanzler süffisant kommentierte: Ach, da solle man nicht so viel hineininterpretieren, „aber wir haben schon zwei Klassen höher gespielt“.

Da wurde der ZDF-Film dann doch etwas zu nett anekdotisch. Er drang an dieser Stelle nicht tief genug: Wie Kurt Beck als damaliger Parteivorsitzender von Steinmeier und der alten Schröder-Seilschaft in der SPD düpiert wurde oder der „Fall Kurnaz“ zeigen doch, dass Steinmeier ein Technokrat der Macht sein kann – ob also in ihm nicht doch mehr Machtwille steckt, als gemeinhin wahrgenommen, das wäre die interessante Frage gewesen. Die Autoren des ZDF haben da aber den Beteiligten zu wenig auf den Zahn gefühlt.