John Rutter: Die Seelen zum Leuchten bringen

John Rutter erhält den Europäischen Kirchenmusikpreis. Von Barbara Stühlmeyer

Komponist John Rutter.
Komponist John Rutter. Foto: Privat
Komponist John Rutter.
Komponist John Rutter. Foto: Privat

Hinreißende Melodien, farbenreiche Harmonik, vielschichtige Rhythmik, symphonische Arrangements, die den gesamten Kirchenraum mit klingendem Leben erfüllen, und ein waches Auge für die unterschiedlichen Möglichkeiten kirchenmusikalischer Aufführungspraxis sind die Kennzeichen von John Rutter, einem der heute populärsten Komponisten sakraler Musik. Was er schreibt, berührt Herz und Seele, es wirkt öffnend für jenes aufstrahlende Licht aus der Höhe, das der in London geborene Musiker so unermüdlich besingt. Für sein Werk wird John Rutter nun mit dem renommierten Preis der Europäischen Kirchenmusik ausgezeichnet, der alljährlich im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd verliehen wird.

Der mit 5 000 Euro dotierte Preis wird dem Komponisten am Donnerstag, den 18. Juli, um 20 Uhr im Heilig-Kreuz Münster durch Oberbürgermeister Richard Arnold verliehen werden. Rutter ist der 21. Preisträger der bedeutenden Auszeichnung, mit der vor ihm unter anderem Petr Eben, Sofia Gubaidulina, Arvo Prät, Krzystof Penderecki, Hans Christoph Rademann, Helmuth Rilling, Peter Schreier, Godehard Joppich und der Thomanerchor Leipzig geehrt wurden.

Rutter, der wie Sir John Tavener, EKM Preisträger 2013, die Londoner Highgate School besuchte und anschließend Musik am Clare College in Cambridge studierte, wirkte dort mehrere Jahre als Musikdirektor. Inzwischen arbeitet er schwerpunktmäßig mit dem von ihm gegründeten Ensemble „The Cambridge Singers“, die sich der Aufführung seiner Werke verschrieben haben, die der Musiker in seinem Label „Collegium records“ veröffentlicht, und teilt seine Zeit zwischen der Komposition neuer Werke und dem Dirigieren. Denn als Gastdirigent und Dozent ist er weltweit bei Musikfestivals, Konferenzen und in Gottesdiensten tätig.

John Rutter lebt für die Musik: „Mein Leben wird durch sie bestimmt. Ein Musiker zu sein ist der Schlüssel für ein sehr glückliches Leben.“ Er schreibe eigentlich nur fröhliche Kirchenmusik, betonte der Komponist schon bei der Verleihung der Orlando di Lasso-Medaille durch die Cäcilienverbände der deutschsprachigen Länder am 12. Oktober 2013 in der Würzburger Augustinerkirche. Denn die Musik sei „da oben im göttlichen Bereich eigentlich schon da, man müsse sie nur noch auf die Erde herunterholen, das sei seine Aufgabe“. Dass ihm dies in hohem Maße gelingt, bezeugt die breitflächige Rezeption seiner Werke. Die wiederum ist kein Zufall. Denn Rutters Chorwerke sind nicht nur von bewegender Schönheit, sie sind auch so konzipiert, dass sie in unterschiedlichen kirchenmusikalischen Situationen aufführbar sind. Damit dies gelingt, schreibt der Komponist so, dass die Essenz seiner sakralmusikalischen Schöpfungen auch in kleiner Besetzung den zündenden Funken entfachen kann. So sind es nicht nur die großen Chöre, die Aufführungen mit Orchester realisieren können, die sein „Gloria“, sein „Magnificat“, „Look at the world“, „May the Lord bless you and keep you“ oder „This ist the day“ singen können, auch kleinere Chorgruppen bringen sie mit Orgel- oder Klavierbegleitung mit derselben Freude und Ausdruckskraft zum Klingen.

Rutter hat mit seiner fröhlichen und zugleich festiven Form der Chormusik eine immens prägende Wirkung entfaltet. Dadurch wirkt er auch bei jenen als Türöffner für die christliche Botschaft, die keine enge Bindung mehr an die Kirche haben. Durch die Rezeption seiner Werke bei weltweit wahrgenommenen Anlässen wie den königlichen Hochzeiten in England 2011 und 2018 ist Rutter zu einem Botschafter der Kirchenmusik geworden. Sein Leben und Werk zeigen, dass die Freude an Gott die Seele singen lässt und sein Bewusstsein dafür, dass das Gotteslob die irdische Form des Dienstes des Engel ist, zu dem alle Christen berufen sind, gibt seiner Musik jenen goldleuchtenden Glanz, der die Menschen, die sie hören, aufrichtet und auf den hin ausrichtet, von dem Rutter all seine Inspiration erhält.