In der Online-Welt gibt es den „Matthäus-Effekt“

Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) bietet Einblick ins mediale Leben. Von Stefan Meetschen

Jugendliche „Egotaktiker“ bei der Kommunikation. Foto: dpa
Jugendliche „Egotaktiker“ bei der Kommunikation. Foto: dpa

Jugendliche, die unbekannten Mediennutzer? Für viele Erwachsene ist die Generation, die mit Internet und Handy aufgewachsen ist, trotz mancher Stereotype ein Geheimnis – gerade, was die Art und Weise des Mediengebrauchs betrifft. In dem aktuellen Magazin „TelevIZIon“, das zweimal jährlich erscheint und vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk herausgegeben wird, erfährt man nun Konkretes und wissenschaftlich fundiertes über die „Zielgruppe Jugend“. Das Bild wird klarer.

„Es ist eine Generation der IndividualistInnen, die egotaktisch ihren eigenen Weg in dann doch ganz ähnlicher Weise gestalten“, schreibt die Leiterin des Zentralinstituts, Maya Götz, in ihrem Editorial, gestützt auf Interview-Aussagen der Rehabilitationswissenschaftlerin Gudrun Quenzel. „Sie bleiben einerseits in den vorgegebenen Pfaden, sind keine lautstarken RevolutionärInnen und beanspruchen doch ihre eigenen Werte.“ Das erkennt man auch bei der Mediennutzung – und speziell beim Umgang mit Smartphones und Social Media. Fünf Funktionsbereiche lassen sich aus Sicht der Medienwissenschaftlerin Nicola Döring beim Smartphone ausmachen: Kommunikation, Entertainment, Information, Alltagsorganisation und Contentproduktion (Fotos, Filme produzieren). Ein Bündel mit durchaus ambivalenten Effekten. Denn so schön es ist, den eigenen Freundeskreis per Smartphone jederzeit erreichen zu können, oft wird die Nutzung von der Angst motiviert, etwas verpassen zu können („fear of missing out“). Außerdem macht Döring auf den sogenannten „Matthäus-Effekt“ bei sozialen Netzwerken aufmerksam: „Wer hat, dem wird gegeben“. Sprich: Wer im realen Leben kompetent und attraktiv auftritt, bei dem verstärken sich Ansehen und Beliebtheit im Online-Kontext. Unterprivilegierte Jugendliche im Offline-Leben hingegen gehen auch online leicht leerer aus.

Und wie ist das mit der Nutzung von klassischen Medien wie Fernsehen und Film? Haben diese gegenüber digitalen Spielen (Games) oder „Erklär-Videos“ bei Youtube überhaupt noch eine Chance? Offensichtlich ja. Formate wie „Germany's Next Topmodel“ werden nicht nur geguckt, sondern können negative Einwirkungen auf das eigene Körperbild (Essstörungen) haben. Kinofilme tragen, wie der Kommunikationswissenschaftler Jürgen Grimm im Interview erläutert, zur Identitätsbildung bei. So scheint beispielsweise die kosmopolitische Weitung und Flexibilisierung der Identitätskonzepte (...) zu den verallgemeinerbaren Aspekten der Kinorezeption zu gehören.“

Interessant ist die Forschungsdokumentation von Heike vom Orde zu den Informationsbedürfnissen und -strategien von Jugendlichen. Demnach rangiert das Fernsehen als Informationsmittel über Deutschland, die Welt und andere Kulturen vor dem Internet. Geht es aber um eigene Interessen, liegt das Internet (38,0 Prozent) gegenüber TV (20,6) eindeutig vorn.