Gute Presse für die Kirche

Die katholische Journalistenschule in Deutschland feiert ihr 50. Jubiläum. Von Kilian Martin

Papst Franziskus begrüßt die Direktoren des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Foto: Florian Eckl, ifp
Papst Franziskus begrüßt die Direktoren des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Foto: Florian Eckl, ifp

Vor allem ist die gute Presse zu fördern.“ Ein Satz, der im Jahr 2018 hochaktuell erscheint, aber tatsächlich bereits über ein halbes Jahrhundert alt ist. Das Zweite Vatikanische Konzil schrieb ihn 1963 ins Dekret „Inter mirifica“ über die sozialen Kommunikationsmittel. Fünf Jahre später gehörte dieses zum theoretischen Fundament des neu gegründeten „Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses“ (ifp) der Deutschen Bischofskonferenz. Am vergangenen Wochenende feierte die Journalistenschule ihr fünfzigjähriges Bestehen. Knapp 400 Vertreter kirchlicher und weltlicher Medien hatten sich dazu drei Tage lang in Rom versammelt.

Die Verwurzelung im Laien- und Kirchenbild des Zweiten Vatikanums kam dabei gleich mehrfach zur Sprache. Papst Franziskus persönlich erinnerte daran, als er die Teilnehmer des Treffens zur Privataudienz im Apostolischen Palast empfing. Deutschland könne sich glücklich schätzen, unter seinen Journalisten zahlreiche Absolventen der katholischen Journalistenschule zu wissen. „Als christliche Journalisten zeichnen Sie sich durch Ihre positive Einstellung zu den Menschen und durch Ihr Berufsethos aus“, lobte der Papst die ifp-Absolventen. Als Christen seien diese zudem auf besondere Weise der Wahrheit verpflichtet. Franziskus rief sie zum Gebet „um den Freimut, der vom Heiligen Geist kommt und der uns hilft, auf die befreiende Wahrheit Christi zu vertrauen“ auf.

Die besondere Bedeutung der journalistischen Suche nach der Wahrheit für die katholischen Medienvertreter betonte auch Institutsdirektor Bernhard Remmers. „Unsere Gesellschaft braucht Wahrheit, genauso wie die Kirche“, erklärte der journalistische Leiter des ifp in seinem Grußwort. Für Journalisten bedeute das, dass sie „den Finger in offene Wunden legen, ja legen müssen“, was in der Kirche „manch einer kritisch“ sehe.

Gleichwohl spürten Ausbilder wie Absolventen eine sehr starke Anerkennung und Wertschätzung, sagte Remmers im Anschluss der „Tagespost“. Das gelte für die deutschen Bischöfe als Auftraggeber des ifp genauso wie für die Öffentlichkeit: „Vielen Menschen ist, bei aller Kritik an den Medien, deutlich geworden, wie wichtig Qualitätsjournalismus in einer demokratischen Gesellschaft ist.“ An diesem hat das ifp mit seinen diversen Ausbildungsgängen vom studienbegleitenden Stipendium, über die Redakteursausbildung bis zur Führungsakademie zweifelsohne einen Anteil. Unter den Absolventen befinden sich zahlreiche Chefredakteure und preisgekrönte Journalisten. Das in München ansässige Institut zählt zu den besten Journalistenschulen des Landes.

Diese soll auch fünf Jahrzehnte nach ihrer Gründung einem wesentlichen Auftrag der Konzilsväter nachkommen. Diese sahen in den modernen Kommunikationsmitteln zwar große Chancen, zugleich aber auch manche neue Gefahr für Sitte und Moral. Schlechtes und Unredliches stand nun gleichberechtigt neben dem Guten und Wahren. Angesichts dieser Entwicklung erteilte sich die Kirche selbst den Auftrag, mehr und besser in den Medien mitzumischen. Die deutschen Bischöfe kamen dem in besonderer Weise schließlich mit der Gründung des ifp nach, das junge Katholiken zu guten Journalisten mit einer klaren Wertebasis ausbilden sollte. Gut 3 000 Frauen und Männer haben seither eine Ausbildung am Institut absolviert.

„Gute, wenn möglich herausragende Journalisten“ wolle die katholische Kirche ausbilden, fasste der Gründer und langjährige geistliche Direktor des ifp, Wolfgang Seibel SJ, dessen Auftrag einst zusammen. Daneben gesellt sich jedoch auch der Anspruch, überzeugte Christen hervorzubringen. Daran hatte das Haus in der Vergangenheit zuweilen deutlich härter zu arbeiten. Das Verhältnis zwischen journalistischer Kritik und Treue zu Kirche und Lehramt war dabei häufiger Belastungsproben ausgesetzt. So musste im Jahr 2010 der damalige journalistische Direktor, Michael Bruch, wegen allzu kritischer Aussagen über den damaligen Papst Benedikt XVI. sein Amt nach nur wenigen Monaten wieder aufgeben. Vor einigen Jahren wurde die Abschlussarbeit eines Jahrgangs nicht veröffentlicht, welche sich in sehr eindeutiger Weise mit Spielarten der Fleischeslust befasst hatte.

Erst im vergangenen Jahr hatte zudem der Aufsichtsrat den Beschluss gefasst, künftig auch Nichtkatholiken und sogar Nichtchristen als Bewerber zuzulassen. Bislang war die reguläre Ausbildung an der katholischen Journalistenschule nur für Katholiken vorgesehen gewesen. Am Profil solle diese Entscheidung jedoch nicht rühren, erklärte Remmers. „Die Identität der Kurse ist gewährleistet“, bekräftigte er gegenüber dieser Zeitung. Dies drücke sich etwa dadurch aus, dass bei Kursen und Veranstaltungen die Heilige Messe gefeiert werde. Zudem sei das katholische Bekenntnis nach wie vor die Regel am ifp, evangelische Christen, Konfessionslose oder etwa Muslime blieben Ausnahmen. Bislang sei lediglich ein bekenntnisloser Stipendiat in die Ausbildung aufgenommen worden.

Dass im zweiten Halbjahrhundert ihres Bestehens für die katholische Journalistenschule auch eine neue Epoche anbricht, liegt nicht allein an den geänderten Zugangsvoraussetzungen. Der Journalismus steht heute mehr denn je unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Auch beim ifp-Treffen in Rom war häufig die Rede von „Fake News“ und anderen Schlagworten. Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit gehöre daher umso mehr zum Selbstverständnis der katholischen Journalisten, so der Tenor. Papst Franziskus dankte schließlich dafür, dass die Medienvertreter „Unrecht nennen, was Unrecht ist“ und zuweilen „auch über die schönen Dinge berichten, die vielleicht weniger zur Schlagzeile führen“.