„Für mehr Respekt werben“

Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ist besorgt um den Schutz des Kölner Doms. Von Regina Einig

Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner vor dem Kölner Dom. Foto: dpa
Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner vor dem Kölner Dom. Foto: dpa

Übler Auftakt zur Silvesternacht in Köln waren die offenbar verabredeten Angriffe und massiven Störungen durch Böller auf den Dom während der Jahresschlussmesse. Über den besseren Schutz des bedeutendsten Sakralbaus in Deutschland sprach Regina Einig mit Barbara Schock-Werner, von 1999 bis 2012 Kölner Dombaumeisterin.

Frau Professor Schock-Werner, alle sorgen sich um die Sicherheit rund um den Kölner Dom, und auch die ersten Touristen melden sich ab. Blutet Ihnen bei solchen Nachrichten das Herz?

Ja natürlich. Mir blutet immer das Herz, wenn es diese Stadt mal wieder schafft, tief in die Negativschlagzeilen zu kommen. Das ist leider viel zu oft der Fall. Der Flusskreuzfahrtstourismus spielt mittlerweile eine große Rolle. Viele dieser Gäste kommen aus Amerika. Die fahren nirgends hin, wo es gefährlich sein könnte. Deshalb war die Rheinfahrt bisher bei dieser Gruppe so beliebt. Ich hoffe, das bleibt so.

Pilger, die mit den malerischen Bildern der Schifffahrt von Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2005 im Kopf nach Köln zurückkehren, nehmen erschrocken zur Kenntnis, dass auf dem Weltjugendtagsweg, den der Heilige Vater damals vom Rheinufer zum Dom hinaufging, heute mit Drogen gehandelt wird. Könnte mehr Polizeipräsenz daran etwas ändern?

Nein, hier wie bei den Taschendieben im Hauptbahnhof kann nur die Justiz helfen. Die Polizei kennt die Leute. Doch wenn sie festgenommen werden, werden sie doch sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Daran muss man arbeiten, dringend!

Sie haben kürzlich eine Raketenschutzzone um den Dom gefordert. Wie könnte so ein Konzept aussehen und umgesetzt werden?

Es müsste eine „böllerfreie“ Zone rund um den Dom eingerichtet werden, die verhindert, dass während des Jahresschlussgottesdienstes und auch den Rest der Nacht in unmittelbarem Umfeld des Doms Raketen und Böller abgeschossen werden. Dies müsste dann auch von der Polizei durchgesetzt werden können. Der Bereich müsste die gesamte Domplatte, die Bahnhofstreppe und die nördliche Hälfte des Roncalliplatzes umfassen.

An der Nordseite des Doms bietet sich nach wie vor ein ungepflegtes Bild, obwohl der Bau der Freitreppe zum Bahnhofsvorplatz das seinerzeit unterbinden sollte. Woran ist dieses Konzept gescheitert?

Das Konzept ist nicht gescheitert, es ist nur noch nicht umgesetzt. Das soll erst erfolgen, wenn die – übrigens sehr gelungene – Sanierung der Ostseite fertiggestellt ist.

Für Familien mit Kindern ist der Gang zum Dom immer öfter nervend, denn auch der Toleranteste möchte dem Nachwuchs auf einer Krippentour nicht unbedingt die Anliegen splitternackter Aktionskünstler auf der Domplatte und Urinspuren an der Nordfassade erläutern müssen. Haben Sie eine Idee, wie der Respekt vor dem Kölner Dom wieder in die Köpfe zu kriegen ist?

Man muss das auch nicht übertreiben. Der Dom steht eben mitten in einer lebendigen Großstadt und nicht am Rande einer Kleinstadt. Trotzdem sollte man deutlich für mehr Respekt werben. Das könnte meiner Meinung nur durch eine konzertierte Aktion mit einem erfahrenen PR-Büro und vielleicht freiwilligen „streetworker“ an Ort und Stelle geschehen. Das ist nicht mein Fachgebiet, aber durch Information und Schutz könnte man die Situation schon verbessern. Gitter um den Dom halte ich aber für ungeeignet. Einen toten Schutzraum darum kann ich mir nicht vorstellen!