Einst in Schloss Hohenschwangau entwendet

„Paris Kathedrale“ von Camille Pissarro: Raubkunst auch in Gurlitts Salzburger Sammlung

Auch in der Salzburger Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt befindet sich nach Einschätzung des Provenienzforschers Willi Korte Nazi-Raubkunst. Bei dem Gemälde „Paris Kathedrale“ von Camille Pissarro aus dem Jahr 1902 handele es sich um ein Werk, das der jüdischen Familie Heilbronn in Frankreich geraubt wurde. Das sagte der renommierte Raubkunst-Forscher Korte, der in den früheren 1990er Jahren den Quedlinburger Domschatz in Texas aufspürte, der Deutschen Presse-Agentur. Das Gemälde taucht in der Werkliste auf, die das Kunstmuseum Bern am Donnerstag auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Das Bild findet sich auch auf der Seite eines amerikanischen Forschungsprojektes zur Nazi-Raubkunst. Zwischenzeitlich befand es sich den Angaben zufolge um 1945 auf Schloss Hohenschwangau. Wie es in die Sammlung von Gurlitts Vater Hildebrand gelangte, der einer der Kunsthändler Adolf Hitlers war, ist unklar. Erst im Februar dieses Jahres war das Pissarro-Gemälde „Le Boulevard Montmartre“ für 19,7 Millionen Pfund (23,7 Millionen Euro) bei Sotheby's in London versteigert worden. Die Salzburger Sammlung dürfte der weitaus wertvollere Teil der umstrittenen Gurlitt-Sammlung sein. Er umfasst neben dem Pissarro unter anderem Ölgemälde von Gustave Courbet, Paul Cézanne, Edouard Manet und Claude Monet sowie Werke von Max Liebermann, wie aus der jetzt veröffentlichten Werkliste hervorgeht. Das Kunstmuseum Bern hatte am Donnerstag Listen der in Gurlitts Münchner Wohnung und seinem Salzburger Haus gefundenen Werke ins Internet gestellt. „Im Sinne der angekündigten Transparenz macht das Kunstmuseum Bern die Listen der Werke publik, die in der Wohnung von Cornelius Gurlitt in München Schwabing sowie in dessen Haus in Salzburg gefunden wurden“, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. DT/dpa