Eine Regierung, die sich abschaffte

Die Webseite „deutsche-einheit-1990.de“ dokumentiert 25 Jahre danach die einzig frei gewählte DDR-Regierung. Von José García

Lothar de Maiziere (zweiter von links) mit weiteren Mitgliedern der letzten DDR-Regierung: Herbert Schirmer, Rainer Eppelmann und Markus Meckel (von links). Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung
Lothar de Maiziere (zweiter von links) mit weiteren Mitgliedern der letzten DDR-Regierung: Herbert Schirmer, Rainer Eppe... Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

„Es konnte mir nichts Besseres passieren.“ So fasste Herbert Schirmer, Minister für Kultur und Medien in der letzten DDR-Regierung, die 173 Tage der einzigen freigewählten Regierung der DDR zusammen. Bei der Vorstellung der Webseite „deutsche-einheit-1990.de“, der ersten multimedialen Dokumentation der Regierungsarbeit, in der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ in Berlin nahm Schirmer an einer Gesprächsrunde mit dem damaligen Ministerpräsident Lothar de Maiziere und weiteren Mitgliedern dessen Kabinetts teil.

Nach den ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer am 18. März 1990 nahm am 12. April die letzte DDR-Regierung ihre Geschäfte auf. Sie bestanden vorwiegend darin, die Vereinigung der zwei deutschen Staaten vorzubereiten – und sich damit abzuschaffen. „Ich kam mir wie ein Konkursverwalter vor“, bekannte nun der damalige Ministerpräsident Lothar de Maiziere. Er trat er aber auch der Ansicht entgegen, dies sei eine Zeit der Anarchie gewesen. „Es war kein Jahr des Chaos“, sondern ein Prozess der Demokratisierung, in dem etwa die Länderstruktur wieder errichtet worden sei.

Rainer Eppelmann, damaliger Abrüstungs- und Verteidigungsminister, erinnerte sich an seine Empfindungen damals: Wenn die Säulen der SED Polizei, Staatssicherheit und NVA den Prozess nicht hätten verhindern können, „scheint es, dass wir gewonnen haben“. Der damalige Außenminister Markus Meckel wies darauf hin, dass sich für viele Menschen die Einheit als ein Verdienst westdeutscher Politiker darstelle. Die Vereinigung sei jedoch das Ergebnis von Verhandlungen zwischen beiden Staaten gewesen. Rainer Eppelmann pflichtete ihm bei: Die Arbeit des einzigen freigewählten Parlaments der DDR verdiene mehr Anerkennung, als in den letzten 25 Jahren der Fall gewesen sei.

Diese Leistung kann nun im Internet abgerufen werden. Unter der Adresse „www.deutsche-einheit-1990.de“ bietet die Webseite „Aufbruch und Einheit. Die letzte DDR-Regierung“ umfassende Einblicke in die Arbeit der letzten DDR-Regierung und ihrer Protagonisten. Mehr als 100 Originaldokumente, etwa 200 Fotos sowie 50 Videos und Zeitzeugeninterviews sind nun online verfügbar. Das Angebot wird in den kommenden Wochen kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der „Bundesstiftung Aufarbeitung“: „Bisher gibt es keine vergleichbare Internetressource, die die Arbeit dieser Regierung darstellt.“ Wichtig sei neben den Bildern und Dokumenten nicht zuletzt die bilanzierende Rückschau, mit der viele der damals Beteiligten deutlich machten, was gut gelungen ist, aber auch, was man im Nachhinein anders machen würde.

– Die Webseite „www.deutsche-einheit-1990.de“ ist bereits online abrufbar.

– Filmhinweis: „Der Beitritt – Die letzte Regierung der DDR“, ein Film von Hans Sparschuh und Rainer Burmeister. 45 Min. Zu beziehen über die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Schutzgebühr 7,50 EUR