Die lebenslange Ehe bleibt das Ideal

Auch wenn die Familie der unterschätzte Glücksfaktor ist, eine Alternative gibt es nicht

„Wer heiratet, eine Familie gründet und seinem Partner treu bleibt, hat statistisch die besten Chancen, all das zu bekommen, wonach er sich sehnt.“ Dieses Fazit ziehen in der Öffentlichkeit kaum bekannte Studien über den positiven Zusammenhang von Familie und persönlichem Glück. Das neue Werk aus der Edition Ethik & Werte wurde von dem christlichen Journalistenehepaar Susanne und Marcus Mockler geschrieben, die reichlich Argumente für das selbst praktizierte gelungene Familienmodell vorstellen. Als Eltern von acht Kindern sind sie kompetent, sich dieser Thematik anzunehmen. Doch das Buch erscheint nicht etwa als Rechtfertigung für die in Deutschland abnorme eigene Kinderzahl der Mocklers. Es will dem Leser vielmehr verdeutlichen, was Menschen entgeht, die den Glücksfaktor Familie für ihr Leben entbehren und will Mut machen, diesen Glücksfaktor neu zu entdecken.

Dabei plaudern die Eltern eher selten aus dem Nähkästchen, sondern beziehen sich bei ihren Recherchen über Ehe, Kinder und Werte auf empirische, anerkannte Umfrageergebnisse und wissenschaftliche Untersuchungen. Das Buch ist gespickt mit Fakten und Zahlen und kann als Nachschlagewerk zum Thema genutzt werden.

Leben aus dem Glauben

Die Autoren versprechen einige Überraschungen, wenn der Leser nicht absolut Experte auf diesem Themengebiet ist. Schon die Erkenntnisse der Sozialwissenschaft auf den ersten Seiten über die Ehe lassen aufhorchen: Verheiratete Menschen seien glücklicher, gesünder, wohlhabender, zufriedener mit ihrem Sexualleben und sie leben länger. Die Sozialforschung stellt fest, dass Ehe und Familie der beste aller möglichen Rahmen ist, in denen Menschen leben können.

Mocklers beleuchten das Thema Ehe von verschiedenen Seiten und räumen dabei auch mit einigen Mythen über die Ehe auf. Der nüchtern rechtliche Aspekt wird genauso betrachtet wie die fälschlicherweise romantisch verklärte Sicht der Ehe in der Vergangenheit. Dem Leser wird erklärt, warum Scheidungen salonfähig wurden und was Paare auseinandertreibt. Die Standpunkte der christlichen Konfessionen zu Ehescheidung werden beleuchtet und Hintergründe erklärt.

Interessant dürfte sein, dass viele soziologische und psychologische Untersuchungen zum Thema Ehe und Partnerschaft belegen, dass gelungene Beziehung jeweils den christlichen Ehevorstellungen sehr nahe kommen und die in der Bibel favorisierten Lebensformen gleichzeitig die menschenfreundlichsten sind. Die Autoren machen keinen Hehl daraus, dass sie selbst ihr Familienleben aus dem Glauben gestalten. Doch dieses Bekenntnis zieht sich lediglich wie ein zurückhaltender roter Faden durch das Buch. Bestimmend sind Fakten und die überzeugende Argumentation. Es werden keine unliebsamen Themen ausgespart. Heiße Eisen wie die „Homo-Ehe“ und Gender-Mainstreaming werden mutig diskutiert. Vorehelicher Geschlechtsverkehr wird auf den Prüfstand gestellt, dabei ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit medizinischen, logischen und empirischen Argumenten, die aus dem Leben und nicht aus der Luft gegriffen sind. Als Fazit zum Thema Ehe wird empfohlen, andere Lebensformen nicht schöner zu reden als sie sind. Vielmehr sollte mehr Energie darauf verwendet werden, den Zeitgenossen ganz neu die lebenslange Ehe als erstrebenswertes Ideal vor Augen zu malen. „Wenn wir wollen, dass die Menschen wieder glücklicher leben, gibt es zur Ehe keine Alternative“, fassen die Autoren das Kapitel zusammen.

Der zweite Teil des Buches zeigt, wie viel Lebensqualität, Glück und sozialer Reichtum Familie bedeutet. Bei der kritischen Betrachtung der familiären Situation in Deutschland werden nicht Kinderlose gegen Familien ausgespielt, sondern in sachlicher Weise wird aufgezeigt, wo die Politik Schritte in die richtige Richtung macht und wo Defizite bestehen. Das Missverständnis um die vieldiskutierte „Entlohnung“ des Mutterberufes wird aufgeklärt. Abgesehen davon, dass eine Entlohnung aufgrund der Vielzahl von Stunden und des Umfanges des Einsatzes einer Mutter gar nicht möglich sei, stellen die Autoren klar, dass es bei der Diskussion lediglich um Gerechtigkeit gehe. Auch die hochgepriesene „Bildungsoffensive“ der Regierung wird aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und als „Entmutterung“ der Kinder entlarvt. Die Verfasser stellen die Chancen häuslicher Erziehung den Gefahren zu früher Fremdbetreuung gegenüber.

Dass „Krippenerziehung Risikoerziehung“ ist und höchstens eine Notlösung sein kann, ist wissenschaftlich vielfach belegt. Die Frage „Wie kriege ich Familie und Beruf am besten unter einen Hut?“ formulieren Mocklers um „Wie kann ich zum Wohle meines Kindes am verträglichsten vorübergehend auf meine Erwerbstätigkeit verzichten oder sie zumindest stark einschränken?“ Hier müsse der familienpolitische Hebel ansetzen. Viele Frauen wünschen sich eine längere Familienphase, doch die Erfüllung dieses Wunsches wird zur Luxusfrage. Immer häufiger bleibt Eltern keine Alternative zur Notlösung Krippe. Denn: Für viele ist das zweite Gehalt geradezu überlebensnotwendig. Hier darf mutig die Frage nach der Absicht und dem Ziel der Familienpolitik gestellt werden. So gut wie unmöglich ist es Alleinerziehenden, sich Vollzeit den Kindern zu widmen. Sie werden oft mit billigem Trost und Mitleid von Gesellschaft und Politik abgespeist. Hier appellieren die Verfasser auch an christliche Gemeinden, mehr tatkräftige Unterstützung zu leisten. Obwohl das Buch Mutmacher sein will, betreibt es keine Verherrlichung und Schönfärberei der Familiensituation, sondern spricht äußerst kritische Themen, wie Familie als „Armutsfalle“ an. „Kinder bekommt man heute nicht wegen der so genannten Familienförderung, sondern trotz nahezu unkalkulierbarer wirtschaftlicher Risiken“, wird die Situation auf den Punkt gebracht. Demgegenüber steht die Aussage: „Gesunde, lebensbejahende Familien sind die Hoffnungsquelle unserer Gesellschaft.“ Um dies zu fördern, wäre allerdings seitens des Staates noch viel zu tun. Mocklers gehen mit der derzeitigen Familienpolitik hart ins Gericht. Dabei werden manch scheinheilige angebliche Förderungen als Benachteiligung entlarvt. Das Resümee: „Selektion in Deutschland, Sonderprämien für die Oberschicht“

Gelebte Nächstenliebe

Der dritte Schwerpunkt des Buches behandelt das Thema Werte. Die wichtigsten Werte, die Eltern ihren Kindern vermitteln sollen, sind vor allem Urvertrauen und Verlässlichkeit. In diesem Zusammenhang wird nochmals auf die Krippenpolitik eingegangen, die genau diese Wertevermittlung untergräbt. Als Beweis wird die Mitarbeiterin einer Krippe zitiert, die den Ruf einer „Mustereinrichtung“ hat: „Die Situation ist alles andere als gut. Wir können diesen Kleinen gar nicht wirklich gerecht werden. Viele Kinder leiden extrem. Sie weinen viel und sind ganz unglücklich. Wir dürfen das den Müttern aber nicht sagen und lügen sie deshalb an.“

Neben ungeschminktem Betrachten und Aufdecken der politischen und gesellschaftlichen Missstände geben die Autoren am Ende als Hilfestellung konkrete Erziehungstipps zum Thema Wertevermittlung. Dies veranschaulichen Zeugnisse, wie sie ihr eigenes Familienleben an den zehn Geboten ausrichten. Ein Beleg für die gelebte Nächstenliebe ist, dass das Buch durchweg von Toleranz und Respekt gegenüber Andersdenkenden geprägt ist, obwohl es sehr klar Stellung bezieht. Empfehlenswert als Mutmacher für Betroffene, aber auch als Argumentationshilfe für Kirchen und wegweisend für Politiker.