Die Heiligen der Medien

Die Medien stehen unter dem Schutz gleich mehrerer bekannter Heiliger. Was diese zu geeigneten Patronen macht und in welcher Weise die Medien im Jahr 2018 ihren Leitbildern gerecht wurden. Von Josef Bordat

Digitalisierung von Kunstschätzen
Jeder Heilige der Katholischen Kirche hat einen „Spezialauftrag“. Ein kleine Übersicht für Medienleute. Foto: dpa
Digitalisierung von Kunstschätzen
Jeder Heilige der Katholischen Kirche hat einen „Spezialauftrag“. Ein kleine Übersicht für Medienleute. Foto: dpa

Die Katholische Kirche verehrt zahllose Heilige. Ihre Aufgabe: Vorbild zu sein für die Gläubigen, Leitbild für die Gemeinde. Dazu hat jede und jeder Heilige einen liturgischen „Spezialauftrag“, so dass sich Menschen in besonderen Situationen und mit bestimmten Eigenschaften an einen ganz besonderen Schutzpatron wenden können. Den Medien und denen, die darin tätig sind, stehen gleich mehrere Heilige zur Verfügung, die als Patrone Schutz und Fürsprache bieten, die aber auch mit ihrem heiligen Leben Vorbild sein wollen. Wie war das im nun ausklingenden Jahr 2018 – sind die Medien ihren Patronen gerecht geworden?

Internet/Online-Medien: Isidor von Sevilla

Isidor von Sevilla gilt als Patron für das Internet. Der Grund: Er trug das Wissen seiner Zeit zusammen. Der frühmittelalterliche spanische Gelehrte war in seinem Wissensdrang ein Vorläufer der Enzyklopädisten der Aufklärung. Ganz nebenbei war Isidor übrigens noch Bischof (als Nachfolger seines älteren Bruders Leander) und vertrat die (immer noch) junge Kirche im Kampf gegen den Arianismus während dessen westgotischer Blütezeit. Doch die eigentliche epochale Leistung liegt in seiner Bildungsarbeit. Sein Hauptwerk ist das zwanzig Bände umfassende „Etymologiarum sive originum“, eine Art Reallexikon, in dem das Wissen des Frühen Mittelalters zusammengefasst ist. Als Handbuch für die Studenten des Mittelalters blieben die Etymologiae über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Nachschlagewerk. Das Wissen unserer Zeit trägt „Wikipedia“ zusammen (mit ganz ähnlicher Funktion für Studenten heute). An dieser Stelle wurde in den letzten zwölf Monaten mehrmals darauf hingewiesen, dass es bei den Themen Religion und Kirche nicht immer im Sinne einer sauberen enzyklopädischen Methode gearbeitet hat, sondern ideologisch gefärbte beziehungsweise tendenziös gewichtete Artikel zu finden sind. Heiliger Isidor – hilf!

Rundfunk: Maximilian Kolbe

Der Franziskaner-Minorit Pater Maximilian Maria Kolbe gehört sicher zu den bekannteren Heiligen. Als Auschwitz-Opfer ist er auch außerhalb der Kirche geachtet und gilt mit seinem Mut und seinem ganz konkreten Einsatz für den Nächsten allen Menschen als vorbildlich. Maximilian Kolbe war Publizist. Er gründete ein katholisches Pressehaus (mit Radiostation) und war Herausgeber und Schriftleiter katholischer Zeitschriften. Ein mutiger katholischer Journalismus ist heute sicher ebenso wichtig wie zu den Zeiten, in denen Maximilian Kolbe wirkte. Zu finden ist er tatsächlich in katholischen Radiostationen wie „Radio Horeb“ und „Radio Maria“, über die weltweit Evangelisation betrieben wird, vielfach durch ehrenamtliches Engagement. Oft ist das Radio die einzige Möglichkeit, um täglich Gottes Wort zu hören, etwa in Afrika, dem Kontinent, auf dem „Radio Maria“ sehr aktiv ist. Maximilian Kolbe riet seinen Autoren: „Schreiben Sie nichts, was nicht auch von der Jungfrau Maria unterschrieben werden könnte.“ Eine bedenkenswerte Vorgabe, an der sich jeder katholische Journalist messen sollte.

Fotografie/Bild: Veronika

Veronika, das (katholisch so gedeutete) „wahre Bild“, reichte Jesus der Überlieferung nach das Schweißtuch, in dem sich das Antlitz des Herrn verewigte. Das Schweißtuch der Veronika ist eine der kostbarsten Reliquien der Kirche. Ob etwa das „Volto Santo“ von Manoppello das Tuch mit dem „wahren Bild“ Jesu ist, wie der Kunsthistoriker und Jesuitenpater Heinrich Pfeiffer meint, oder ob das Schweißtuch der Veronika sich noch im Petersdom befindet, ist umstritten. Ebenso wie die Wahrhaftigkeit mancher Bilder, die 2018 in den Medien erschienen. Die Bilder aus Chemnitz (die „Tagesthemen“ untermalen den Bericht über eine AfD-Demonstration in Chemnitz mit Bildern einer gewalttätigen Demonstration, die AfD zeigt via „Twitter“ ein Bild von den Montagsdemonstrationen des Wendejahres 1989 in Leipzig, um den Zulauf zur Chemnitzer Demonstration 2018 zu illustrieren), oder die Schwemme an Fotomontagen (den sogenannten „Memen“) in den Sozialen Netzwerken, mit denen Stimmung gemacht wurde – das vergangene Jahr war alles andere als am Ideal des „vera eikon“ orientiert, am „wahren Bild“ der Veronika. Die Folge: Wir gewöhnen uns daran, den Aussagen von Fotos zunehmend pauschal zu misstrauen. Das wiederum wertet die wahrhaftigen Bildzeugnisse ab – und damit die Arbeit guter und ehrlicher Fotojournalisten, die sich in gefährliche Gebiete und Situationen begeben.

Fernsehen: Klara von Assisi

Klara von Assisi, die Weggefährtin des großen Heiligen Franziskus, die Gründerin des Ordens der Armen Schwestern von San Damiano (der Klarissen). Papst Pius XII. ernannte Klara 1958 wegen ihrer überlieferten Begabung, vom Krankenlager aus die in einem anderen Raum stattfindende Heilige Messe visuell mitzuerleben, zur Schutzpatronin des Fernsehens. Etwa 700 Jahre davor, an Weihnachten des Jahres 1252, liegt die etwa sechzigjährige Klara von Assisi, zu diesem Zeitpunkt schon seit über vierzig Jahren „Arme Schwester“ in der Nachfolge Christi, krank im Schlafsaal ihres kleinen Klosters San Damiano. Unmöglich, dass sie in diesem Zustand in die Kapelle gehen und gemeinsam mit ihren Schwestern die weihnachtliche Liturgie feiern könnte. So bleibt sie allein zurück und betet klagend: „O Herr, Gott, schau, wie man mich allein bei dir an diesem Ort gelassen hat“. Und Gott gewährt ihr die Gnade der sinnlichen Teilhabe an der Weihnachtsliturgie, nicht am Gottesdienst in der Kapelle des eigenen Klosters, sondern an der Feier in der großen, gerade neu erbauten Basilika San Francesco am anderen Ende von Assisi, in der sich die Brüder des heiligen Franziskus aus allen Teilen Europas eingefunden hatten. Es ist die erste „Liveübertragung“ der Geschichte – Weihnachten 1252.

Klara von Assisi steht wie Franz von Assisi für Einfachheit, für Demut, für Armut. Das Fernsehen hat 2018 sehr viel Geld für Sportereignisse ausgegeben, die Rechte für Liveübertragungen von Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften sind teuer – und werden immer teurer. Eine heiligmäßige Gebührenverwendung? Überhaupt: Sind Fernsehgebühren im Sinne der Heiligen Klara? Auch darüber ließe sich mal nachdenken.