Die Angst vor der Stärke des Internets

Die Nikkei–Gruppe hat die britische „Financial Times“ gekauft – Das Geschäft kann beiden Seiten helfen. Von Alexander Riebel

Die „Financial Times“ in London. Foto: dpa
Die „Financial Times“ in London. Foto: dpa

Wegen Nikkei braucht man sich in London keine Sorgen zu machen. Das japanische Unternehmen hat am Donnerstagnachmittag die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ zu einem Preis von 1,2 Milliarden Euro gekauft. Die endgültige Übernahme soll Ende des Jahres erfolgen. Die japanische Nikkei Gruppe ist aber kein Wirtschaftshai, dem es nur um schnelle Beute ginge. Vielmehr gehört dem Unternehmen eine der besten japanischen Qualitätszeitungen, die „Nihon Keizai Shimbun“ (Japanische Wirtschaftszeitung), kurz Nikkei genannt. Sie ist, wie die „Financial Times“, nicht auf Wirtschaft beschränkt, sondern informiert auch ausführlich über Politik und hat ein hochwertiges Feuilleton.

Bis zuletzt war in den Verhandlungen noch der Axel Springer Verlag als neuer Eigentümer im Gespräch. Nachmittags kam dann plötzlich die Nachricht in London, dass es doch Nikkei ist. Beide Vertragspartner haben dasselbe Problem: den Rückgang der Printauflage zugunsten des Internet. So ist bereits 2012 die Printausgabe der „Financial Times“ von der digitalen Ausgabe überholt worden. Nikkei hat seinerseits erklärt, der veränderten digitalen Welt durch die Fusion begegnen zu wollen. Dabei ist die „Nihon Keizai Shimbun“ wie auch die „Asahi Shimbun“ in ihrer japanischen Ausgabe nicht nur längst in Europa erhältlich, sie wird auch in Europa gedruckt. In Japan wird die „Nihon Keizai Shimbun“ mit ihren drei Millionen Abonnenten morgens und abends ausgeliefert. Zum Nikkei-Konzern gehören noch die englischsprachige Wirtschaftszeitung Nikkei Asian Review, der Finanzsender TV Tokio sowie Nikkei CBNC. Die „Financial Times“ hat 500 000 zahlende Abonnenten, aber 6,4 Millionen Nutzer im Internet, die freien Zugang haben; Nikkei hat nach eigenen Angaben 2,32 Millionen Internetnutzer, die freien Zugang haben, sich aber registrieren müssen. Die „Nikkei Asian Review“ hat es sogar im Internet zur globalen Führung mit Nachrichten über die asiatische Wirtschaft gebracht. Zudem ist der Nikkei der wichtigste Aktienindex in Asien. Die „Financial Times“ gehörte bisher 60 Jahre zur Pearson-Gruppe. Vom Kauf durch Nikkei ist nicht die 50-prozentige Teilhabe am „Economist“ sowie das Grundstück der „Financial Times“ enthalten. Deren Journalisten, so berichtet der „Guardian“, seien geschockt gewesen, dass es nicht der Springer Verlag war, auf den sie getippt hatten. Insider hätten von einem „Chaos“ gesprochen und die Journalisten seien betroffen gewesen über die Unsicherheit und die mögliche Entwicklung, wie es nun weitergehen werde. Die Zeitung wurde 1876 gegründet und beschäftigt heute mehr als 3 000 Angestellte; sie hat 54 Nachrichtenbüros in Großbritannien und 36 in Übersee.

Tsuneo Kita, der Vorsitzende der Nikkei Gruppe, hat zu der Übernahme erklärt: „Ich bin extrem stolz, ein Team mit Financial Times zu werden, eine der angesehensten Nachrichten-Unternehmen der Welt. Un- ser Motto, Berichte in hoher Qualität zu Ökonomie und anderen Nachrichten anzubieten und dabei Fairness und Objektivität hochzuhalten, ist sehr nah an den Zielen der Financial Times.“ Pearson dominiert nach Angaben des „Guardian“ den Markt für die Veröffentlichung von Schultests in den Vereinigten Staaten; möglicherweise wird sich auch Nikkei künftig daran beteiligen. Die „Financial Times“ wird also auch in Zukunft gut aufgestellt sein.