„Bedenklicher Umgang von ARD und ZDF mit der Kirche“

Thomas Dörflinger, Bundesvorsitzender des Kolpingwerks, kritisiert TV-Sender. Von Alexander Riebel

Thomas Dörflinger (CDU/CSU), MdB, Bundesvorsitzender des Kolpingwerks Deutschland. Foto: Privat
Thomas Dörflinger (CDU/CSU), MdB, Bundesvorsitzender des Kolpingwerks Deutschland. Foto: Privat
Herr Dörflinger, Sie haben in einem Brief den Kontrollgremien von ARD und ZDF vorgehalten, die christlichen Kirchen und insbesondere die katholische der Lächerlichkeit preiszugeben. An welche Sendungen und Aussagen denken Sie in Ihrem Vorwurf besonders?

Ich habe keinen pauschalen Vorwurf geäußert, sondern nur eine Tendenz beschrieben, die ich für bedenklich halte. Als zwei Beispiele mögen der Beitrag von Sebastian Pufpaff im „Satiregipfel“ (ARD) vom Dezember 2013 und das „Gespräch“ des Late-Night-Talkers Kurt Krömer mit Matthias Matussek vom Sommer 2013 gelten. Hier ging es nicht mehr um Satire, sondern um Beleidigung.

Haben Sie die Vorbehalte gegen den Glauben auch bei der Berichterstattung von Großereignissen wie bei der Papst-Reise kürzlich oder jetzt beim Katholikentag bemerkt?

Nein, soweit ich die Berichterstattung über den Katholikentag verfolgen konnte, habe ich diese als fair empfunden.

Wie funktioniert die Lächerlichmachung der Kirche? Gehen die Sender mit besonders akzentuierten Themen vor, oder mit Skandalisierung?

Der Missbrauchsskandal war sicher ein Tiefpunkt in der katholischen Kirchengeschichte. Aber es gibt trotz des Skandals keinen Anlass, alle Geistlichen pauschal unter Verdacht zu stellen. Ich diskutiere auch gerne über Sinn und Unsinn des Zölibats oder über die Geschichte der katholischen Sexualmoral. Aber wenn man das in einen Zusammenhang mit der vermeintlichen Tatsache stellt, dass hinter vatikanischen Mauern nur die Homosexualität praktiziert werde, ist das – vorsichtig formuliert – schon sehr vereinfachend. Vereinfachung ist aber in den seltensten Fällen richtig und sachgerecht.

Worauf führen Sie die kirchenkritische Haltung der öffentlich-rechtlichen Sender zurück?

Ich habe gar nichts gegen Kritik, solange sie sachlich bleibt. Aber wenn Vorurteile bedient werden oder die Kritik in Beleidigung abgleitet, dann sind die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Vielleicht sollte sich der eine oder andere Journalist einfach mal fragen, ob er in ähnlicher Weise auch über den Islam oder den Buddhismus berichten würde.

Müssten die Kirchenredakteure mehr Einfluss bekommen?

Ich wäre schon zufrieden, wenn die zuständigen Redakteure einfach mehr Sensibilität zeigten. Das schließt ja eine notwendige Kritik an Personen und Sachverhalten nicht aus.

Wie könnte man die Situation in den Sendern toleranter machen?

Die Kirchen bestehen nicht nur aus Amtsträgern, sondern auch aus Hunderttausenden von Ehrenamtlichen, die jeden Tag in ihrer Freizeit einen guten Job machen – ob in der Nachbarschaftshilfe, in der Seniorenarbeit oder für die Eine Welt. Kirche ist weitaus mehr als die verfehlte Aktion eines Bischofs oder die kritikwürdige Aussage eines Kardinals.

Sie sehen Ihre Kritik auch trotz des „Franziskus-Faktors“? Hat sich durch den neuen Papst die Einstellung der Medien geändert, wie häufig behauptet wird?

Papst Franziskus kommt zurzeit in der Tat und zu Recht gut weg. Ob das auch noch so sein wird, wenn er das nicht tun wird, was diejenigen von ihm erwarten, die mit der Kirche selbst gar nichts am Hut haben, warte ich mal in Ruhe ab…

Sie sprechen von der Grenze der Verletzung der Gefühle – wo sehen Sie die Grenze?

Natürlich mache ich auch meine Späße über kirchliche Würdenträger. Viele von ihnen haben sogar eine erstaunliche Selbstironie. Wenn aber ein Kruzifix verächtlich gemacht, der Papst in befleckter Soutane gezeigt wird oder man die katholische Kirche mit richterlichem „Segen“ als „Kinderf….-Sekte“ bezeichnen darf, dann sind die Grenzen deutlich überschritten.

Haben Sie schon Reaktionen bekommen, von den Sendern oder durch die Pressemeldung des Kolpingwerkes?

Die Reaktionen sind sehr vielfältig. Da ist viel Zustimmung dabei, aber auch manche Aussage, der man anmerkt, dass der Urheber nur darauf gewartet hat, sein Mütchen wieder mal an der Kirche zu kühlen. Damit muss man leben.