Aus den Zeitschriften am 27. Juni

Aus den Zeitschriften

Ignatius als Krisenmanager

Glaubenszweifel und Lebenskrisen belasten Priester und Ordensleute ebenso wie Laien. In der Quartalszeitschrift der britischen Jesuiten „The Way“ (58/1, Januar 2019) stellt Gabriel Mary Fiore CSJ ignatianische Leitlinien für das geistliche Krisenmanagement vor. Was riet der Gründer des Jesuitenordens Priestern und Ordensleuten, die am liebsten die Flucht ergriffen hätten vor ihren Verpflichtungen? Als vielgesuchter Ratgeber in Zeiten religiöser Umbrüche hinterließ der heilige Ignatius von Loyola (1491–1556) eine aufschlussreiche Korrespondenz. Pars pro toto zitiert der Artikel den Briefwechsel des Heiligen mit der Benediktinerin Teresa Rejadell, die in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts schier verzweifelte an den unterschiedlichen Reformvorstellungen in ihrem Kloster. Sie ließ Ignatius wissen, dass sie „nur noch wegwolle aus diesem Durcheinander“.

Ignatius gibt dem freiwillig gegebenen Gelübde allerdings höchste Priorität. Wo sich das Umfeld nicht einfach ändern lasse, müsse der Mensch mit der Reform der Kirche bei sich selbst anfangen. Je mehr die Eigenliebe, der Eigenwille und die persönlichen Interessen zurückgestellt würden, desto größer sei der persönliche Fortschritt. Die Unterscheidung der Geister durch den Seelenführer stellt für Glaubenskrisen eine wichtige Hilfe dar. Ignatius zufolge geht der Teufel in drei Schritten vor: Zunächst versucht er, die Menschen mit den Gütern der Welt zu locken und vom Besseren abzuhalten. Dann setzt er alles daran, sie angesichts des hohen Anspruchs eines geistlichen Lebens und ihrer persönlichen Unzulänglichkeit davon abzuhalten. Das dritte Werkzeug des Teufels ist die Traurigkeit über die eigenen Verfehlungen, die den Menschen daran hindert, den Weg zu Gott weiterzugehen. Das ignatianische Rezept in Krisen lautet tägliche Pflichterfüllung. Hartnäckigkeit und Beständigkeit sowie genaue Selbstdisziplin. „Wir sollten unsere Gedankengänge sehr aufmerksam im Auge behalten – was zum weniger Guten führt, ist vom Bösen.“ Ganz in der monastischen Tradition, in der die Väter die Acedia anpackten, verwirft er die Vorstellung, woanders sei für geplagte Seelen die Wiese grüner. Nicht der Ortswechsel bewirkt Veränderungen, sondern die Seele selbst soll sich neu ausrichten. Freundlichkeit paart sich in dieser Schule mit Festigkeit: „Entweder wird man an seinem Platz heilig oder man wird es gar nicht.“

Mönche, Avantgarde im Weinbau

Jean A. Truaux befasst sich in der Quartalszeitschrift der Zisterzienser in den Vereinigten Staaten Cistercian Studies Quarterly (53.4/2018) mit der Schlüsselrolle der Abtei Pontigny für den modernen französischen Weinbau. Die Abtei gilt als Wiege des berühmten Chablis. Schon Mitte des dreizehnten Jahrhunderts pflegten die Mönche regen Kontakt mit anderen weinproduzierenden Klöstern, verglichen Quantität und Qualität von Rebsorten, experimentierten mit Anbaulagen. Dabei sammelten sie umfassende Erfahrungen über die verschiedenen Faktoren, die für das Produkt ausschlaggebend sind: Rebsorten, Lage, Klima und Bodenbeschaffenheit. Damit schufen sie die Voraussetzungen für die moderne Qualitätskontrolle „Appellation controlée“. Von den „goldenen Weißweinen“ der Mönche von Pontigny schwärmten schon die zeitgenössische Chronisten. Ein Geheimnis ihres Erfolgs war das getrennte Keltern der Trauben. Auch darin waren sie den Weinbauern ihrer Zeit, die alle Trauben unsortiert kelterten, voraus.

Profilfragen katholischer Schulen

Können katholische Schulen in der multikulturellen Gesellschaft modernen Integrationsansprüchen genügen, ohne ihr Profil aufzugeben? David Torevell beschreibt das „mystische Ziel“ katholischer Erziehung in der Zeitschrift „Spirituality“ der britischen Dominikaner knapp mit Heiligkeit. Doch was bedeutet das konkret? Mit Blick auf eine 2018 in Großbritannien veröffentlichte Studie (Clark & Woodheas: A New Settlement. Religion and Belief in Schools) widerspricht Torevell jenen, die katholischen Schulen vorwerfen, sich gegen Neues zu verschließen und weniger integrationsfähig zu sein. Er verweist auf den Papstbesuch 2010: Benedikt XVI. hatte damals Heiligkeit als das eigentliche Ziel katholischer Erziehung hervorgehoben. Damit, so der Autor, seien die Weichen in die richtige Richtung gestellt, um Schüler zu befähigen, in der Vielfalt der Situationen möglichst gut zu entscheiden.

Dieser persönliche Ansatz, in jedem einzelnen Schüler den potenziellen Heiligen zu sehen, werde von nichtkonfessionellen Schulen zwar als überpersönlich und spirituell aufgebläht verworfen, doch müsse der Begriff der Heiligkeit neu vermittelt werden. Torevell warnt vor einem einseitig soziologischen Bildungsbegriff, in dem das Klassenzimmer nur als Mikrokosmos gesehen wird, der gesamtgesellschaftliche Entwicklungen spiegele. Integration bekomme eine mystische Seite, wenn Menschen bewusst sei, dass sie nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und wahrheitsfähig seien. Das präge ihr Verhalten, und sie gingen anders miteinander um. Offenbarung, Schrift, Tradition und Lehramt seien zutiefst dialogisch: Christliche Identität basiere auf liebenden Beziehungen, die auf einen Ruf antworten, so der Autor. Er veranschaulicht die schulische Realität an der alttestamentlichen Gestalt des Samuel. Lehrer und Schüler versäumten es zwar mitunter, auf diesen Ruf zu antworten, dennoch entstehe katholische Identität aus der Dynamik persönlicher Beziehungen.

Wie Augustinus Heiligkeit verstand

Augustinus hat zeitlos gültige Kriterien für die Heiligkeit beschrieben. In der spanische Augustiner-Zeitschrift „La ciudad de Dios“ (Nr. 1/2019) erläutert Manuel Sánchez Tapia OSA sie und stellt den Liebesbegriff Augustins als Gegenmodell zu einer sentimental-affektiven, religiös getönten Gefühlsaufwallung dar. Der oft missverstandene Satz des Bischofs von Hippo „Dilige et fac quod vis“ („Liebe, und was du willst, das tu!“) stellt keinen Freibrief für Zeitgeistfetischisten dar, denn nur die konsequent am Willen Gottes ausgerichtete Liebe verdient ihren Namen. In einem heiligem Leben sieht Augustinus eine Form des Martyriums. Der Mensch heiligt sich, indem er Weltliches zurückstellt, Gottes Geist in sich arbeiten lässt, sich als Abbild Gottes versteht, sein Kreuz auf sich nimmt und in die Schule Marias geht. Neben der Heiligen Schrift und dem Gebet ist die Kirche die wichtigste Hilfe auf dem Weg der Heiligung. Sánchez Tapia zufolge ist das augustinische Bild der siebenstufigen Himmelsleiter nicht als geistlicher Leistungssport misszuverstehen, sondern veranschaulicht die Gaben des Heiligen Geistes. Umgekehrt rechtfertigt die augustinische Überzeugung, „alles ist Gnade“ keine Trägheit: „Alles kommt von Gott, aber das bedeutet nicht, wir dürften schlafen“. reg