Analoge Technologien verbessern

Die Weltbank hat die Wirkung des Internet weltweit untersucht und sieht noch große Herausforderungen. Von Alexander Riebel

Digitalisierung
Besonders die Arbeit des Mittelstands ist durch Automatisierung bedroht. Bei der vergangenen Hannover-Messe hatten sich zwei Darsteller als Roboter verkleidet, um auf die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt hinzuweisen. Foto: dpa
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Besonders die Arbeit des Mittelstands ist durch Automatisierung bedroht. Bei der vergangenen Hannover-Messe hatten sich ... Foto: dpa

Kann das Internet wirklich die Versprechen erfüllen, die immer wieder geweckt wurden? Sei es die vermehrte Bildung bis in die entlegensten Teile der Welt, sei es die Erleichterung des Lebens durch schnelleren Zugang zu Informationen und sei es der aus mehr Bildung resultierende Wohlstand. Offenbar trifft dies bisher vorwiegend nur auf die Sphären der Welt zu, in denen ohnehin schon Wohlstand herrscht. Wie es sich nun wirklich verhält, das hat die Weltbank in einer ausführlichen Untersuchung erklärt. Das Ergebnis ist, dass es noch nicht die große soziale Revolution durch das Netz gibt, von der man gerne spricht.

Die erhofften Wohltaten des Internets bleiben unverwirklicht, heißt es in der Studie. Zwar würden mehr Firmen als bisher vernetzt sein, aber das globale Wachstum verlangsame sich. Zwar änderten die neuen Technologien die Arbeitswelt, aber die Arbeitsmärkte würden sich zunehmend polarisieren und soziale Ungleichheiten nehmen in vielen Ländern zu. Auch ist die Kluft der digitalen Nutzer von den Nichtnutzern erheblich: Fast 60 Prozent der Weltbevölkerung ist nach der Studie noch immer offline und kann an der digitalen Wirtschaft nicht teilhaben. Gerade durch die Digitalisierung entstehen neue Ungleichheiten. Bedenklich sei, dass die über das Internet betriebene Wirtschaft Monopole bevorzuge und die Abwesenheit konkurrierender Geschäfte in noch konzentrierteren Märkten resultiere. Uber und Airbnb seien Beispiele für solche Konzentrationen auf den Gebieten der Fahrdienstleistungen und der Immobilien. Amazon habe seine Monopolstellung für Preispolitik benutzt.

Auch in Afrika stellt die Weltbank erhebliche Missverhältnisse fest. Die 60 Prozent der reichen Afrikaner hätten nur dreimal soviel Internetzugänge wie die ärmeren 40 Prozent. In der Europäischen Union benutzen dreimal so viele Nutzer unter den Reichen das Internet wie die reichen Afrikaner, aber die Lücke zwischen Arm und Reich in der Internetnutzung sei hier ähnlich wie in Afrika.

Digitale Ausstattung aller Lebensbereiche ist nicht die ultimative Lösung, wie die Weltbank erklärt. Alle Länder müssten auch ihre analogen Technologien stärken – nur das Zusammenspiel von digitaler und analoger Technik könne wirklich zum Erfolg führen. Darin besteht auch die eigentliche Kernaussage der Studie.

Ist das Internet ein öffentliches Gut? Nein, sagt die Studie, eher ein Club-Gut (club good), vergleichbar mit Kabelfernsehen. Wer keinen Zugang hat, wird schnell zum „Zweite-Klasse-Bürger“. Von „e-government“, also einem digitaleren Verhältnis zwischen Regierungen und Bürgern, verspricht sich die Weltbank auch weniger Korruption, wobei wiederum eine Gefahr für diejenigen besteht, die kein Internet haben und von solch einer Einrichtung nicht profitieren könnten. Die digitale Welt ist in ihren Möglichkeiten also noch lange nicht zu Ende gedacht.