„Alles Zeichnen ist gut, alles zeichnen noch besser“

Mit dem Buch über den berühmtesten deutschen Realisten unter den Malern, Adolph Menzel, ist ein würdiges Geschenk zum 200. Geburtstag geglückt. Von Natalie Nordio

Friedrich der Große, Zeichnung von Adolf Menzel. Foto: IN
Friedrich der Große, Zeichnung von Adolf Menzel. Foto: IN

Rechtzeitig im zweihundertsten Geburtsjahr des Zeichners und Malers Adolph Menzel ist vor kurzem im Elsengold-Verlag der Titel „Menzel, Maler der Moderne“ von Anja Grebe erschienen. Grebe studierte Kunst- und Medienwissenschaft, Geschichte und Französische Literatur in Konstanz und Paris. Seit Sommer 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

„Alles Zeichnen ist gut, alles zeichnen noch besser“, so Menzel. Mit diesem ersten einleitenden Zitat stimmt die Autorin den Leser auf das ein, was ihn bei der Lektüre des Buchs erwartet: das abwechslungsreiche und facettenreiche Werk des bedeutendsten deutschen Realisten des neunzehnten Jahrhunderts, der wie ein Schwamm die ihn umgebende Umwelt aufsog und in seinen Zeichnungen, Ölskizzen, Gouachen und Gemälden verarbeitete.

Biographisches mischt die Autorin gekonnt mit der ein oder anderen auflockernden Anekdote aus dem Leben Menzels, wie den Transport eines seiner Gemälde durch die Berliner Nacht in Richtung Kunstakademie, wo es am nächsten Tag Teil der Eröffnungsausstellung im Jahr 1856 war. Die Ausstellung bezeichnete der Künstler später als „Glanzpunkt meines Erfolgs“. Grebe verliert sich nicht in der Aneinanderreihung unzähliger langweiliger Daten, sondern informiert in erzählerisch-lockerer Weise über wichtige Stationen aus dem Leben des Künstlers. So erfährt der Leser, dass Menzels Großvater mütterlicherseits Zeichenlehrer an einem Gymnasium gewesen war, Menzel demnach das Malen und Zeichnen in die Wiege gelegt wurde.

Die Autorin berichtet über den ersten schweren Schicksalsschlag, den der gerade einmal sechzehnjährige Adolph zu verkraften hatte: den Tod des Vaters. Aber auch über den Entschluss des jungen Mannes, den väterlichen Lithographenbetrieb in Berlin, wohin die Familie 1830 gezogen war, weiterzuführen und von nun an die Verantwortung für die Familie zu tragen. Bereits zu Lebzeiten erntete Menzel vor allem wegen seiner historischen Werke aus dem Leben Friedrichs des Großen besondere Anerkennung. Am „Flötenkonzert Friedrichs II. in Sanssouci“, das berühmteste Gemälde der Friedrich-Reihe, arbeitete Menzel ganze drei Jahre. Später urteilt er darüber wie folgt: „Überhaupt habe ich's bloß gemalt des Kronleuchters wegen.“ In sechs Teilaspekte gegliedert arbeitet Grebe nach und nach die verschiedenen Facetten des künstlerischen Oeuvres Adolph Menzels heraus. Jedes Kapitel beginnt sie dabei mit einem passenden Zitat des Künstlers oder eines Zeitgenossen über Menzel sowie einer in das Kapitel einführenden Seite. Ohne in eine wissenschaftliche und zu verkopfte Schiene abzudriften, liefert die Autorin Interpretationsansätze zum besseren Verständnis der Kunst und des Menschen Adolph Menzel. Jedes einzelne Kapitel bietet zahlreiche Bildbeispiele, die von Grebe kurz und knapp vorgestellt und analysiert werden. Insgesamt werden rund hundert der wichtigsten Werke in Farbabbildungen vorgestellt. In der „Sichtbarmachung optischer Phänomene und der von ihnen erzeugten Atmosphäre, sei das Thema nun zeitgenössisch oder historisch“, liegt der Autorin zufolge die Modernität im Werk des Adolph Menzel.

Grebe ist mit ihrem Titel ein erfrischend informatives Kunstbuch geglückt, das dem zweihundertsten Geburtstag des großen Realisten Adolph Menzel mehr als würdig ist.

Anja Grebe: Menzel, Maler der Moderne. Elsengold Verlag, 144 Seiten, ISBN: 3944594258, EUR 24,95