„Wir sind eine Familie“

Seelsorger für Spitzensportler: Ein Blick nach Rio mit Pater Chavanne OCist. Von Anna Sophia Hofmeister
Foto: privat | Johannes Paul Chavanne OCist ist Seelsorger für die Paralympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro.
Pater Chavanne, Sie sind gerade in Rio de Janeiro und begleiten Sportler während der paralympischen Spiele. Wie sieht Ihre Aufgabe dort aus?

So wie schon während der Olympischen Spiele: Ich bin als Priester für die Menschen hier vor Ort da: Das bedeutet, dass ich ansprechbar bin, die Heilige Messe feiere, dazu einlade, mit den Menschen und für die Menschen bete, auch das Bußsakrament anbiete und für das Evangelium Zeugnis gebe.

Was ist für Sie das Besondere an den paralympischen Spielen?

Die Paralympics sind kleiner, daher ist alles überschaubarer und man kann sagen: familiärer. In Erinnerung ist mir etwas, das mir einmal ein paralympischer Athlet gesagt hat: „Bei uns gibt es weniger Oberflächlichkeit.“ Das nehme ich auch so wahr.

In diesen Tagen ist viel von einer „paralympischen Bewegung“ die Rede. Was ist das? Und was bedeutet das für den Behindertensport?

Oft wird auch – und das gefällt mir besser – von einer „paralympischen Familie“ gesprochen. Da gehören alle dazu, die bei paralympischen Spielen mit dabei sind. Vor allem natürlich die Athleten, dann aber auch die Trainer und Betreuer, die Funktionäre, die vielen Freiwilligen, die für die Abläufe hier unersetzbar sind, die Angehörigen und so weiter. Ich bin mir sehr sicher, dass die Paralympics eine wichtige und große Botschaft auch für alle haben, die keine Behinderung haben.

Mit dem Prozess um Oscar Pistorius fiel ein Schatten auf den Spitzensport von Menschen mit Behinderung. Ist davon etwas in Rio zu spüren?

Eigentlich kaum ... Es ist kein großes Thema hier. Es hat ja eigentlich auch nichts mit den Paralympics als solchen zu tun.

Weitspringer Markus Rehm, dem das Potenzial zugesprochen wird, Pistorius als Superstar der Paralympics abzulösen, verkündete als Ziel, als Sportler mit Behinderung bei den regulären Olympischen Spielen starten zu wollen. Was meinen Sie: Sollen Sportler mit Behinderung daran teilnehmen dürfen oder nicht? Warum?

Ja, warum nicht? Wenn er die Qualifikation schafft und durch die Technik nicht einen Vorteil vor den anderen hat, wenn also die Voraussetzungen die gleichen sind, warum soll er sich dann nicht mit den Teilnehmern der Olympischen Spiele messen dürfen?

Was halten Sie denn von dieser Aufteilung der Olympischen Spiele?

Ich möchte gar nicht von „Aufteilung“ sprechen. Es sind zwei Veranstaltungen im Bereich des Spitzensports bei denen sich die Besten der Besten unter den je verschiedenen Voraussetzungen, die sie haben, miteinander messen.

Wie nehmen Sie in Ihrer Seelsorge den Zusammenhang von persönlichem Schicksal der Sportler und Ihrer Leistung wahr?

Das kann man sehr schwer verallgemeinern. Bei jedem Menschen wirken sich unterschiedliche Lebensereignisse anders aus ... Das geht ja jedem so. So ist es auch hier: Entscheidend für eine Bestleistung ist aber sicher auch das „innere Gleichgewicht“. Und da gehört die Seele, das Geistliche und Religiöse ganz entscheidend mit dazu.

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