Vier Millionen Syrer fliehen

World Vision: Größte Krise seit Zweitem Weltkrieg Von Robert Luchs

Die syrische Flüchtlingskatastrophe nimmt unvorstellbare Ausmaße an. Sie sei die größte Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, betont die Hilfsorganisation World Vision, deren Vorstandsvorsitzender Christoph Waffenschmidt sich in Jordanien über die verzweifelte Lage der Menschen in den Flüchtlingslagern informiert hat. Etwa vier Millionen Menschen hat der Krieg in Syrien inzwischen gezwungen, nach Libanon, Jordanien und in die Türkei zu fliehen. Etwa eine halbe Million hat sich in den Irak gerettet. Zusätzlich gebe es rund 7,5 Millionen Binnenvertriebene in Syrien, so Waffenschmidt: „Die Lebenssituation der meisten Flüchtlinge ist von enormer Perspektivlosigkeit geprägt.“

In Jordanien dürften die geflohenen Menschen nicht arbeiten und seien auf die finanziellen Zuweisungen zum Beispiel der Vereinten Nationen angewiesen. Diese seien aber nicht mehr ausreichend finanziert, „und so ist absehbar, dass die Flüchtlinge mit immer weniger auskommen müssen“. Ihre prekäre Lage zwinge sie förmlich in die Schwarzarbeit mit dem Risiko, ausgewiesen und über die Grenze nach Syrien abgeschoben zu werden. Die Menschen würden fliehen, so Waffenschmidt, weil sie die Grausamkeiten des Krieges, den Bombenterror, Folter und Tod, nicht mehr länger ertragen könnten, weil sie diskriminiert und unterdrückt würden, weil sie politisch verfolgt würden und weil sie im wirtschaftlichen und sozialen Elend leben müssten.

Im Südsudan ist die Lage ähnlich dramatisch. „Wenn nicht schnell etwas passiert, werden wir es mit einer Hungersnot zu tun haben, von der rund 250 000 Kinder betroffen sein könnten“, berichtet Martin van de Locht, ebenfalls von World Vision. Ein umfassendes Waffenembargo sei nötig, betont van de Locht. Mindestens 4,6 Millionen Südsudanesen seien derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. In dem vor vier Jahren unabhängig gewordenen Südsudan behindere die Ausbreitung von Konflikten dringend nötige Entwicklungsanstrengungen und zwinge ständig weitere Menschen zur Flucht. World Vision fordert die Staatengemeinschaft auf, ihre Finanzierungszusagen einzuhalten und besonders die bedürftigsten Menschen, nämlich die Kinder in den ärmsten Ländern der Welt, im Blick zu haben. Die Bundesregierung müsse die immer wieder zugesagten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens endlich für globale Entwicklung bereitstellen. Es sei erschreckend, dass in Kriegs- und Krisengebieten zunehmend Schulen von den Konfliktparteien missbraucht würden. Die Bundesregierung müsse daher umgehend die „Safe Schools Declaration“ unterzeichnen und umsetzen.

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