Theologen lesen Grönemeyer

Authentisch sein ohne Gott

Freiburg (DT/KNA) Katholische Theologen haben Popsänger Herbert Grönemeyer und seine Fans wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Der Erfolg seiner Lieder sei kein Indiz für die Wiederkehr der Religion, sagte der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet am Montagabend in München. Grönemeyer greife in seinen Texten zwar immer wieder christliche Motive auf, deute sie aber so um, dass Gott keine Rolle mehr spiele. Seine Lieder vermittelten auch keinerlei Hoffnung über die irdische Welt hinaus.

Striet hatte mit seinem Team in einer breit angelegten Studie die Wirkung des Musikers auf seine Hörer untersucht. Es falle auf, dass sich Grönemeyer-Fans stark mit den Liedtexten identifizierten. Das darin gezeichnete Menschenbild hielten sie für echt. Die Musik erlebten sie vor allem in Trauersituationen als hilfreich. Der Künstler werde als religiöser Mensch gesehen, der mit dem Tod seiner Frau Schlimmstes durchgestanden habe, aber wieder auf die Beine gekommen sei. Im Erfolg seiner Lieder zeige sich, dass nicht die Religion wiederkehre, aber die „Sehnsucht nach einem authentischen Leben“.

Grönemeyers erfolgreichste Hits wie „Mensch“ und „Weg“ beschreiben laut Striet das Leben als ambivalent und wertvoll zugleich. Handelnder sei ausschließlich der Mensch. Das Leben gelinge, wenn es intensiv gelebt werde und eine glückliche Partnerschaft bestehe. Die christlichen Kirchen seien herausgefordert, nicht den Anschluss an eine solche Lebenseinstellung zu verpassen, meinte der Theologe. Dafür müssten sie weniger kulturpessimistisch und sensibler für das real Erlebte der Menschen werden, vor allem für ihre Trauer und ihr Leid.

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