Hundert Jahre Internationaler Frauentag

Die Wurzeln liegen in der Arbeiterinnenbewegung des 19. Jahrhunderts. Von Michael Berger

Würzburg (DT) Am 19. März 1911 fand in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA zum ersten Mal der Internationale Frauentag statt. Mehr als eine Million Frauen gingen allein in Deutschland auf die Straße, eine bis dahin beispiellose Massenbewegung. Ihre politischen Forderungen waren das aktive und passive Wahlrecht sowie die Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Idee des Internationalen Frauentages geht auf Clara Zetkin zurück. Zetkin wurde 1907 Leiterin des neu gegründeten Frauensekretariats der SPD sowie Internationale Sekretärin der neu gegründeten Sozialistischen Fraueninternationale. Auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen, an der mehr als 100 Delegierte aus 17 Ländern teilnahmen, initiierten Clara Zetkin und Käte Duncker gegen den Willen ihrer männlichen Parteikollegen den Internationalen Frauentag, der erstmals im folgenden Jahr am 19. März stattfand.

Clara Zetkin trat vehement für die ökonomische Unabhängigkeit der Arbeiterinnen und aller Frauen ein. Dies schloss die Forderung nach dem Recht auf gleiche Löhne bei gleicher Arbeit, auf gewerkschaftliche Organisierung und Interessenvertretung sowie staatliche Kinderbetreuung ein. Frauen sollten die gleichen politischen Rechte erhalten. Wie die Vertreterinnen der bürgerlich-gemäßigten Frauenbewegung um Helene Lange und Gertrud Bäumer sowie der bürgerlich-radikalen Frauenbewegung um Minna Cauer und Anita Augspurg trat auch Clara Zetkin kämpferisch für das Frauenwahlrecht ein und erreichte, dass diese Forderung in das Programm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) aufgenommen wurde.

Der Frauentag hat seine Wurzeln in der Arbeiterinnenbewegung von der Mitte des 19. bis zum 20. Jahrhundert. Der Kampf um bürgerliche Rechte und berufliche Gleichberechtigung begann mit den Demonstrationen und Streiks von Textilarbeiterinnen in den USA seit 1858. Im Jahre 1909 setzten mehr als 20 000 Näherinnen in New York mit einem zweimonatigen Streik ihre Forderungen gegenüber den Unternehmern durch und feierten als Ergebnis ihres Erfolgs bereits am 20. Februar 1909 einen nationalen Frauentag.

In Europa folgten nach Deutschland die Frauen in Frankreich, Schweden, den Niederlanden sowie Russland und gingen für ihre Forderungen auf die Straße. Der Streik der Textilarbeiterinnen am 8. März 1917 in St. Petersburg, dem sich in Folge mehr als 90 000 Menschen anschlossen, wurde zum Auslöser der Februarrevolution in Russland. In Erinnerung an die Rolle der Frauen in der Revolution wurde der Internationale Frauentag auf den 8. März vorverlegt.

In Deutschland wurde das Wahlrecht für Frauen am 30. November 1918 gesetzlich festgelegt. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 konnten die deutschen Frauen erstmals auf nationaler Ebene ihr Wahlrecht wahrnehmen. In Österreich hatten Frauen das allgemeine Wahlrecht bereits am 12. November 1918 durch das Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich erhalten, mit dem sich Österreich zur Republik erklärte.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 verloren die Frauen wieder das passive Wahlrecht. Politisch aktive Frauen aller demokratischen Parteien und Organisationen wurden in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt.

Erst mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Zweiten Republik Österreich erhielten die Frauen in beiden Ländern ihre Rechte zurück. 1949 wird die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in das deutsche Grundgesetz aufgenommen.

Themen & Autoren

Kirche