Wien

GLOSSE: Wiener Wirtschaft

Wenn es beim Italiener später wird.

Alexander Van der Bellen und Doris Schmidauer
Erwischt! Der österreichische Staatspräsident hat die Corona-Sperrstunde überschritten. Foto: Amélie Chapalain (APA)

Wäre er daheim geblieben, in den imperialen Räumen der Hofburg, dann wäre rein gar nichts passiert. Er hätte die ganze Nacht lang die geliebten Zigaretterln paffen und mit Freunden schunkeln können. Aber auch einem Bundespräsidenten fällt nach Monaten der Corona-Quarantäne die kaiserliche Decke auf den republikanischen Kopf. So zog es Alexander Van der Bellen samt Frau und Freunden am Samstag in die Wiener Innenstadt, wo man es sich im Gastgarten (drinnen ist Rauchverbot) gemütlich machte.

Sperrstunde überschritten

Zu gemütlich, wie die Polizei befand, die den Herrn Bundespräsidenten um 0.18 Uhr nach dem Ausweis fragte. Weil um 23 Uhr Corona-Sperrstunde ist, die illustre Runde aber 78 Minuten später noch Gläser auf dem Tisch hatte, drohen nun bis zu 30 000 Euro Strafe – dem Wirt, nicht dem Präsidenten. Das liegt knapp über dem Bruttomonatsgehalt – des Präsidenten, nicht des Wirts. Der hätte offenbar dem Staatsoberhaupt um 22.59 Uhr zurufen sollen: „Heast Oider, 's is Sperrstund! Schlaachz eng!“ Auf Hochdeutsch: „Pardon, Herr Präsident, es wäre jetzt Sperrstunde. Darf ich Sie zu gehen bitten?“ Ein Wiener Wirt hätte das geschafft, aber der Präsident war – kein Witz – beim Italiener.

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