Würzburg

GLOSSE: Placebo statt Ohnmacht

Trump und das Gefühl der Sicherheit

Coronavirus - USA
Donald Trump: mit Placebos gegen Corona. Foto: Patrick Semansky (AP)

Mehr als zwei Monate dauert jetzt schon die Corona-Krise, und wir alle sind in dieser Zeit nicht nur zu „Medien-Virologen“ geworden, wie ein bekannter Kollege schrieb, viele haben sich auch ihr geheimes Resistenzarsenal aufgebaut.

Der eine schwört auf Lakritz, ein anderer gurgelt regelmäßig Hochprozentiges. Vielleicht dient es nicht wirklich der Gesundheit, aber wie das bei Placebos so ist – sie geben einem wenigstens ein Gefühl der Sicherheit. Auch US-Präsident Donald Trump weiß dieses Gefühl zu schätzen. Seit fast zwei Wochen nimmt er, wie er nun öffentlich bekannte, das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin. „Eine Tablette jeden Tag“, zitiert ihn der SPIEGEl. Ergebnis: Bisher keine negativen Nebenwirkungen, die möglich wären. Vermutlich aber auch ohne jede positive Wirkung im Falle einer Corona-Erkrankung, mäkeln US-Ärzte.

Warum verbreitet der gern so mächtige Mann also diese Illusion, gegen das Virus, das in den Vereinigten Staaten mehr als 90 000 Menschenleben gekostet hat, gewappnet zu sein? Aus genau dem Grund wohl: Um nicht als ohnmächtig dazustehen. Bevor er das zugibt, würde er wahrscheinlich lieber ein Desinfektionsmittel probieren.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .