Fussball-EM: Anpfiff

„Fußballer sind abergläubisch“, das wusste schon der frühere Teamchef der deutschen Fußballnationalmannschaft Berti Vogts, dem man jenseits des EM-Erfolges 1996 gerne ein bisschen mehr Glück in seiner Trainer-Laufbahn gewünscht hätte. Doch es stimmt: Irgendeinen Trick haben sie alle – der eine Spieler schnürt sich grundsätzlich erst den linken, dann den rechten Schuh, ein anderer Spieler zieht grundsätzlich nur ein Trikot an, auf dem nicht die Nummer 13 verzeichnet ist und so weiter und so weiter. Manchmal kommt es aber auch vor, dass Spieler religiöse Elemente in die Vorbereitung oder das Spiel miteinbeziehen. Oliver Bierhoff, dessen Golden Goal 1996 Deutschland den vorläufig letzten EM-Titel bescherte, hatte als Spieler in Italien beten gelernt. Lukas Podolski stellte vor der WM 2006 im Kölner Dom eine Kerze auf, um demütig für Gesundheit und eine schöne WM zu bitten. Sein Kollege Miroslav Klose jubelte nach dem wichtigen Anschlusstor gegen Argentinien nicht nur, sondern bekreuzigte sich. Das darauf folgende Elfmeterschießen gegen die des Aberglaubens stets verdächtigen Südamerikaner war nur noch eine Formsache. Pech nur, dass im nächsten Spiel dann ausgerechnet Italien wartete. Dagegen waren selbst zwei halbpolnische Spieler machtlos. Die Niederlage gegen Kroatien muss unbedingt auch aus dieser Perspektive betrachtet und analysiert werden. Jeder DFB-Verantwortliche sollte wissen, dass der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic als Talisman stets ein Medaillon mit dem Bild des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. in der Tasche trägt. Im Spiel gegen Deutschland verlor er den Glücksbringer kurzfristig. Bei einem seiner Luftsprünge an der Seitenlinie rutschte ihm das Bild aus der Innentasche seines Sakkos. Bilic hob das Amulett aber schnell wieder auf, küsste es mehrfach auf beide Seiten und steckte es wieder ein. Mit dem Papst in der Tasche kann man nicht verlieren. Jogi Löw ist noch nie etwas aus der Tasche gefallen. Es heißt, er interessiere sich mehr für Sonnenbrillen, Lederjacken und die optimale Frisur. Auf Dauer reicht das nicht.

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