„Dabei sein ist wirklich alles“

Eine sehenswerte Ausstellung des Deutschen Sport- und Olympiamuseums in Köln zeigt 33 Olympia-Fackeln

Köln (DT) Das olympische Feuer wurde bei Siegfried Drachenberg im Jahr 1976 entzündet. „Die damaligen Olympischen Winterspiele habe ich selbst besucht, das war ein unvergessliches Erlebnis“, kann sich der 54 Jahre alte Düsseldorfer Geschäftsmann noch lebhaft an die damaligen Tage in Innsbruck erinnern und interpretiert das Olympische Motto auf seine Weise: „Dabei sein ist wirklich alles, egal wie: ob als Besucher oder als Athlet, und das wird wirklich gelebt.“

Es war der Beginn einer neuen Sammelleidenschaft

Als er dann einige Jahre später auf einer Sammlerbörse in Stuttgart eine jener Fackeln kaufte, mit denen das Olympische Feuer im Jahr 1972 vom griechischen Olympia ins bayerische München getragen worden war, wusste er: „Das ist der Beginn einer neuen Sammelleidenschaft.“

Seit über 20 Jahren sammelt der Düsseldorfer Generalvertreter eines großen Versicherungskonzerns nun olympische Memorabilien. Über 2 000 Exponate hat der ambitionierte Marathonläufer und Wintersportler mittlerweile zusammengetragen. Darunter sind Urkunden und Medaillen, Eintrittskarten, Programmhefte sowie Sportausrüstungen von Olympioniken. Aber auch Fahnen und Wimpel oder etwa Bekleidungsartikel wie der offizielle Olympiaanzug von 1936. Natürlich sind in der opulenten Schau auch Münzen und Briefmarken, denn damit hatte einst Drachenbergs Vater angefangen und so dem Sohn überhaupt erst die Freude am Sammeln mitgegeben.

Von allen Sommer- und Winterspielen der Neuzeit, also seit 1896 bis heute, hat Drachenberg Exponate und Erinnerungsstücke über die Spiele im Zeichen der fünf Ringe. Zuhause hat er eigens einen eindrucksvollen Raum für die wahrhaft olympische Sammlung eingerichtet. „Es gibt bei uns eigentlich keinen Raum, der ringfrei ist“, erzählt Ehefrau Manuela mit einem Augenzwinkern. Besonders stolz ist das ebenso sportliche wie sportbegeisterte Ehepaar auf seine Sammlung olympischer Fackeln. Zehn sind gegenwärtig an das Deutsche Sport- und Olympiamuseum in Köln ausgeliehen und werden dort im Rahmen der sehenswerten Ausstellung „Olympia: Werte Wettkampf Weltereignis“ gezeigt. Auf 1 000 Quadratmetern wird das Ausstellungsthema in 15 verschiedenen Räumen aufgefächert. Inszenierte Themenräume zeigen Aspekte wie Ökologie und technische Entwicklung, den Wandel des Sportlerbildes bis hin zu den Paralympics oder die Anfänge der Olympischen Spiele, über ihre politische Bedeutung, das olympische Zeremoniell sowie außergewöhnliche sportliche Leistungen und Rekorde.

Die Proteste sind an einer Pinnwand thematisiert

Eine eigens gestaltete Kammer mit Toilette und Waschbecken führt in die unappetitlichen Abgründe der verbotenen Leistungssteigerung – auch Doping ist leider längst eines der großen Themen, fast schon mit Wettkampfcharakter. Auch die Entwicklung im Verhältnis von Sportlern, sportlicher Leistung und den Spielen an sich wird dargestellt. In einem eigenen Anbau können Besucher dann selbst in verschiedenen olympischen Disziplinen aktiv werden, beispielsweise im Tauziehen. Auch das war einmal olympische Disziplin. Nicht zuletzt durch die gegenwärtigen Entwicklungen auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen „lebt“ die Ausstellung. Die Verantwortlichen wollen kurzfristig Akzente setzen, wenn es aufgrund aktueller Gegebenheiten zu reagieren gilt. Die teilweise weltweiten Proteste im Zusammenhang mit dem Fackellauf sind bereits an einer eigenen Pinnwand thematisiert.

Einige der Exemplare waren außergewöhnlich teuer

Bis auf die wohl verschollene Fackel der Winterspiele von Sankt Moritz (1948) können die Besucher im ersten Ausstellungsteil jeweils ein Exemplar der Fackel bewundern, die seit Beginn der Fackelläufe verwendet wurde – insgesamt 33 seit dem ersten Lauf. „Das war im Jahr 1936 und die Nationalsozialisten wussten dies natürlich entsprechend zu inszenieren“, erklärt Museums-chef Christian Wacker.

Diese erste Fackel, von der Firma Krupp gefertigt, „ist nicht gerade besonders“, so Drachenberg, „weil sie vielfach gefertigt wurde und leicht zu bekommen ist“. Für andere Fackeln, etwa die der Spiele von Oslo, Helsinki (jeweils 1952) oder Cortina (1956), werden weltweit teilweise Beträge im sechsstelligen Bereich gezahlt, weil es von ihnen nur noch etwa jeweils zehn Exemplare gibt.

Anders ist das bei der aktuellen Fackel, die bereits im Museum zu sehen ist, obwohl der Fackellauf längst noch nicht beendet ist: 15 000 Exemplare gibt es von der Peking-Fackel, die derzeit im Fokus der Medien steht. „Das tut mir in der Seele weh, denn das hat mit Olympia nichts zu tun“, kommentiert Drachenberg die Ereignisse um den politisch instrumentalisierten Fackellauf, der längst zum Spießrutenlauf verkommen ist. Er fügt aber auch hinzu: „Ich habe Verständnis für diese Proteste.“

Er sei schon bei der Vergabe der Sommerspiele skeptisch gewesen, dass sich damit in den politischen Strukturen und den Menschenrechten im Reich der Mitte etwas ändern werde. Von daher schmerzt es ihn auch nicht so sehr, dass er – auch aus beruflichen Gründen – nicht zu den Spielen fahren kann. Ohnehin hat er ja daheim 365 Tage im Jahr Olympia.

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