Beim Namen genannt

Selten war eine Siegerehrung bei den Olympischen Spielen in Peking so emotional gewesen wie die des deutschen Gewichthebers Matthias Steiner. Nicht nur, dass der gebürtige Österreicher, der erst am 2. Januar in Deutschland eingebürgert worden ist, als erster Deutscher den olympischen Zweikampf im Superschwergewicht über 105 Kilogramm gewonnen hat; auch dass der Athlet während der Siegerehrung das Bild seiner vor etwa einem Jahr verstorbenen Frau mit auf das Podest genommen hatte, berührte die Zuschauer in aller Welt. „Meine Frau ist immer dabei, sie begleitet mich. Beim Wettkampf selbst denke ich vielleicht nicht so vordergründig an sie, aber selbst unmittelbar vor dem Wettkampf ist sie bei mir. Ihr Bild habe ich immer in meiner Tasche. Ich hoffe, sie hat mitgekriegt, wie ich auf dem Podium stand“, sagte er nach der Siegerehrung. Der Wettkampf selbst war der wohl spannendste Wettbewerb im Gewichtheben der jüngeren Vergangenheit. „Es war zumindest für das Publikum toll. Immer mit zehn Kilo Vorsprung zu gewinnen, ist doch langweilig. Aber es war auch ein toller Wettkampf für mich. Als ich den dritten Versuch im Reißen weggeschmissen hatte, bin ich in ein Loch gefallen. Und deshalb ging auch der erste im Stoßen schief. Aber dadurch bin ich noch mal munter geworden. Ich hatte sicher keine Topform und alle wissen, dass ich es besser kann als heute gezeigt. Aber ich wollte das Gold. Ich wusste, ich habe Silber sicher. Mir gefällt Gold aber besser“, schilderte er die wichtigsten Momente seiner Karriere. Der für Chemnitz startende Sportler bewältigte 461 Kilogramm im Zweikampf und verwies damit Vizeweltmeister Jewgeni Tschigischew aus Russland mit 460 Kilogramm und Europameister Viktors Scerbatihs aus Lettland mit 448 Kilogramm auf die Plätze zwei und drei. Auf die Frage, wieviel Österreich denn noch in seiner Goldmedaille stecke, antwortete Matthias Steiner: „Ich bin meiner Heimat dankbar für die Grundlagen. Aber ohne Deutschland, ohne Frank Mantek, der mir Technik beigebracht hat, hätte ich es nie geschafft. Jetzt ist Deutschland meine Heimat und ich habe die Medaille für mich, aber auch für Deutschland gewonnen.“

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