Naples/Florida

Tom Monaghan will die Menschen zu Gott führen.

Der frühere „Pizza-König“ Tom Monaghan will die Menschen zu Gott führen.

Tom Monaghan
Hat Maria zur Chefsache gemacht: Tom Monaghan. Foto: www.goledigital.org

Die 1980er Jahre sind das Jahrzehnt des Tom Monaghan. Monaghan ist Gründer und Geschäftsführer von Domino's Pizza – und damit einer der einflussreichsten Unternehmer im Fast-Food-Sektor. 54 Prozent aller bestellten Pizzen in den USA werden von seiner Kette geliefert. Er gibt ein Vermögen für den Neubau einer pompösen Firmenzentrale aus. Für 53 Millionen Dollar kauft er sich sein eigenes Baseballteam, die Detroit Tigers. Seine Biographie handelt von einem Pizzalieferanten, der zum Millionär aufsteigt. Sie nennt sich Pizza Tiger. Und sie stellt Monaghan als Mann vor, der Wert auf Tugenden legt – weil er sie in einem Priesterseminar gelernt hat.

Bibeln, Kirchen und Krankenhäuser

„Geld ist nicht böse, wie viele Leute denken“, sagt Monaghan damals in einem Interview. „Es finanziert Bibeln, Kirchen und Krankenhäuser.“ Der Spruch bildet die Quintessenz seines Lebens. 1983 ruft der gläubige Katholik die Ave Maria Foundation ins Leben, eine Stiftung zur Förderung katholischer Medien, katholischer Kultur und katholischer Gemeinschaftsprojekte. Er überweist mehrmals sechsstellige Beträge an Lebensrechtler und gilt als einer der prominentesten Unternehmer, die sich für den Lebensschutz einsetzen.

„ Mein Hauptanliegen lautet, mit meiner Kohle so viele Seelen wie möglich zu retten.“
Tom Monaghan

Auch die Wirtschaftswelt will Monaghan katholischer gestalten. 1987 unterstützt er die Gründung des Unternehmernetzwerks Legatus. Die Organisation unterstützt eine „Geschäftsethik, die mit den Lehren der Römisch-Katholischen Kirche im Einklang steht, um das Leben aller Menschen zu bereichern“. Ihr gehören 5 000 Männer und Frauen aus den größten und wichtigsten Konzernen des Landes an. Mitgliedschaft im katholischen Club der Millionäre setzt ein Jahresgehalt von mindestens 5,6 Millionen Dollar voraus – der Ehepartner darf gratis rein. Neben exklusiven Kontakten bietet Legatus seinen Mitgliedern Pilgerfahrten und monatliche Events für Ehepaare mit Beichte, Rosenkranz und Messen, die eine „orthodoxe Liturgie“ garantieren.

Aus dem Priesterseminar entlassen

Thomas Stephen Monaghan wird 1937 in Ann Arbor, Michigan, geboren. Er ist vier Jahre alt, als sein Vater stirbt. Die Mutter überfordert die Situation. Sie steckt Tom zusammen mit seinem Bruder James in ein Waisenhaus. Erst mit zwölf Jahren holt die Mutter ihre Kinder zurück. Bis dahin prägen die Felizianerinnen den Jungen so stark, dass in ihm der Wunsch reift, Priester zu werden. „Der Katholizismus floss in jeden Teil des Tages ein, und ich war dankbar dafür“, erklärt Monaghan später. Die Zeit im Priesterseminar hält er jedoch nicht durch. Wegen mehrfacher disziplinarischer Verstöße – Monaghan hält sich nicht an Schweigeanordnungen und provoziert Kissenschlachten – wird er entlassen. Disziplin, so sagt er in einem Interview, habe er erst im Militär gelernt. Von 1956 bis 1959 dient er im United States Marine Corps.

Anschließend hat der 22-Jährige einen neuen Traum: Er will in die Fußstapfen des gerade verstorbenen Frank Lloyd Wright treten und Architekt werden. Um sein Studium zu finanzieren, kauft er 1960 zusammen mit seinem Bruder eine Pizzeria für 900 Dollar. James verliert schnell das Interesse und verkauft seinen Anteil gegen Monaghans VW Käfer – denn das Geschäft läuft schlecht.

Der amerikanische Traum

„Das Pizza-Unternehmen brachte so großen Verlust, dass ich mein Studium abbrechen musste“, gesteht er. Erst eine Erfindung ebnet den Weg zum Erfolg: Monaghan führt einen Pizzakarton ein, der die Ware nicht nur warm hält, sondern sich auch einfach stapeln lässt, um größere Warenmengen auszuliefern. Domino's ist einer der ersten Pizzalieferanten, der stark auf Pizzakartons setzt und damit den Lieferbereich entscheidend erweitert. 1965 besteht Domino's aus drei Filialen, 1978 sind es 200, 1989 über 5 000. Der Junge, der im katholischen Waisenhaus aufwuchs, lebt den amerikanischen Traum.

Doch dann folgt eine tiefgreifende Wende. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere fällt ihm „Pardon, ich bin Christ“ von C. S. Lewis in die Hände. Das Kapitel über Stolz wühlt ihn auf. „Es ging um das Ego“, sagt Monaghan später. „Es war, als wäre es nur für mich geschrieben worden.“ Der Pizza-Tiger kriecht daraufhin in den Staub. Er beschließt einen „Millonärseid der Armut“ zu leisten. Er stoppt den Bau seines millionenschweren Anwesens und trennt sich von seinen Sportwagen. Die Detroit Tigers verkauft er sofort. Sein Firmenimperium betrachtet er als Leistung – aber sie ist nur die Vorbereitung auf das „Hauptereignis“ seines Lebens, wie er es selbst nennt: die großzügige Unterstützung der Römisch-Katholischen Kirche.

Dafür sorgen, dass die Leute in den Himmel kommen

„Das mag für Ihre Ohren etwas falsch klingen, wenn man es falsch sagt“, führt er gegenüber dem „Chronicle of Philanthropy“ aus, „aber es herrscht da draußen eine große Philanthropie, die vielen Leuten für soziale Probleme Geld gibt, etwa um Armut zu bekämpfen oder für medizinische Forschung. Das sind alles sehr gute Sachen, aber ich denke, sie sind nicht so wichtig, wie dafür zu sorgen, dass die Leute in den Himmel kommen. All die Probleme, von denen wir hören – das Schulsystem, Teenagerschwangerschaften, Kriminalität, Drogen und so weiter – wenn Leute darüber reden, dann machen sie den Zusammenbruch der Familie dafür verantwortlich. Aber sie gehen nie so weit und fragen, warum Familien zerbrechen. Das geschieht, weil es an Religion mangelt.“

Spenden, um an Ende des Lebens pleite zu sein

Domino's Pizza Inc. verkauft Monaghan 1999 für eine Milliarde Dollar. Er will den Rest seines Lebens sein gesamtes Vermögen spenden, um anschließend „pleite zu sterben“. Insbesondere die Ave Maria Foundation baut Monaghan massiv aus. Die Gottesmutter, von der er Figuren in Keramik und Kristall in seinem Büro sammelt, hat es ihm als Patronin angetan. 1997 folgt Ave Maria Radio und 1998 das Ave Maria College, welches wenige Jahre später in der Ave Maria University aufgeht. Um die katholische Privatuniversität entsteht eine Planstadt, in der heute knapp 3 000 Menschen leben – die ebenfalls Ave Maria heißt. In der Gründungsrede wünscht sich Monaghan einen Campus frei von vorehelichem Sex, Verhütungsmitteln und Pornographie.

Liberale Gegner haben dies als Eingriff in die bürgerlichen Freiheiten kritisiert. Bereits 1989 riefen Feministinnen zum Boykott von Domino's auf, weil der Abtreibungsgegner Organisationen wie „Operation Rescue“ finanzierte. Seine Anwaltskanzlei, das Thomas More Law Center, gilt bei linken Aktivisten als Feindbild, das sich bei Themen wie Abtreibung, Homo-Ehe, Sterbehilfe und christlicher Religionsfreiheit einschaltet. Der Vorwurf: Monaghan betreibe den Versuch, die Verfassung zugunsten einer „christlichen Nation“ auszuhebeln.

Der ehemalige „Pizzakönig“ bestreitet nicht, die Gesellschaft ändern zu wollen, verortet darin aber nicht sein primäres Ziel: „Mein Hauptanliegen lautet, mit meiner Kohle so viele Seelen wie möglich zu retten. Das ist für mich der Grund, warum wir hier sind. Das ist, wofür wir geschaffen wurden: um mit Gott für immer im Himmel zu sein.“

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