„Single sein ist eine Zeit der Gnade“

3. Tagung katholischer Singles in Wien – Wie erkenne ich den oder die Richtige?

Wien (DT) Für Familien und Jugendliche gibt es in der Kirche fast überall eine Menge guter Angebote. Die vielen Alleinstehenden hingegen – und ihre Zahl wuchs in den vergangenen Jahren signifikant an – kommen oft zu kurz oder werden von der organisierten Seelsorge ganz vergessen. Um diese Lücke schließen zu helfen, fand am vergangenen Wochenende die dritte katholische Singletagung für den deutschsprachigen Raum statt.

Über hundert katholische Alleinstehende kamen nach Wien, um miteinander die Fragen und Anliegen ihrer speziellen Lebenssituation zu besprechen. Eingeladen worden war von der katholischen Heiratsvermittlung KathTreff (www.kathtreff.org) und der „Paduawallfahrt um gute Ehepartner“ (www.paduafahrt.com). Kathtreff besteht seit 2005 und ist die erste katholische Heiratsvermittlung im Internet für den deutschen Sprachraum. Im KathTreff kann man andere Mitglieder nach verschiedenen Kriterien suchen und mit ihnen anonymisiert in Kontakt treten. Ob, wann, oder wo man sich trifft, ist selbst zu vereinbaren.

Wallfahrt zu Sankt Antonius nach Padua

Die „Paduafahrt“ (www.paduafahrt.com) um gute Ehepartner findet mehrmals pro Jahr statt. Katholische Alleinstehende fahren mit Bussen nach Padua, um dort den Heiligen Antonius um Fürsprache bei der Suche nach dem richtigen Ehepartner zu bitten. Die reichen Früchte beider Initiativen sind auf den jeweiligen Webseiten zu finden.

Das Treffen war als „Open Space“ ausgerichtet. Der Tagungsleiter Michael Pannwitz dazu: „Open Space ist ein Marktplatz: Die Teilnehmer bringen ihre Fragen und Anliegen ein. Für jedes Anliegen gibt es dann bestimmte Gesprächszeiten. Ziel ist es, den Erfahrungsschatz jedes einzelnen allen zur Verfügung zu stellen.“

Die Teilnehmer fühlten sich am „Marktplatz“ schnell zu Hause und zeigten sich von der Methode beeindruckt. Eine Teilnehmerin meinte dazu: „Ich habe es genossen, auf einem Kongress einmal selbst reden zu müssen anstatt nur passiv zuzuhören.“ Die vielfältigen Anliegen beinhalteten unter anderem folgende Themen: Woran erkenne ich, wer der Richtige ist? Was zieht mich am anderen an – und was ist notwendig für eine langfristige Beziehung? Wie kann ich meine Berufung erkennen? Wie kann ich mich als Single auf eine gelingende Ehe vorbereiten? Können wir als Singles gemeinsam etwas unternehmen?

Als begleitende Priester waren Weihbischof Andreas Laun, Fr. George Elsbett von den Legionären Christi, P. Denis Borel von der Johannesgemeinschaft und Christian Spalek vom Opus Dei mit dabei. In Gesprächen und geistlichen Impulsen antworteten sie direkt auf die vorweg gestellten Fragen der Alleinstehenden.

So beschrieb etwa Fr. George drei Einsamkeitsfallen: Stolz, Eitelkeit und Materialismus. „Wenn ich mich in mich verkrieche, alle Fenster und Türen schließe und nur meinen Schmerz anschaue, wie verkannt ich werde und wie allein ich bin – wie soll dann jemand zu mir durchdringen? Gott sucht nach einem kleinen Loch und ruft in meine Festung hinein: Hallo! Könntest du einmal eine Sekunde lang nicht an dich denken?“

Christian Spalek bat eindringlich, Gott nicht falsch zu verstehen: „Wenn Gott meine Sehnsüchte nicht stillt, heißt es nicht, dass es Ihn nicht gibt. Es heißt nur, dass Er anders ist, als ich denke.“ Spaleks Hauptanliegen war es, zu echter Freundschaft zu ermutigen: „In einer Freundschaft sind Menschen auf gleicher Augenhöhe, für einander da. Sie ist eine Personengemeinschaft – keine Interessensgemeinschaft, in der das Gegenüber austauschbar wäre. Für Singles sei es wichtig, freundschaftsfähig zu werden und bereits geschlossene Freundschaften zu pflegen.

P. Denis Borel wies auf die Bedeutung des Single-Daseins hin: „Unerfüllte Sehnsüchte weisen darauf hin, dass die Welt unsere Sehnsucht nicht stillen kann – mit oder ohne Ehepartner. Mit ihrem Leben bezeugen Singles die Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem Schöpfer. So sind sie zur uneingeschränkten Liebe berufen, die sich auch im Dienst an der Kirche und an den Familien zeigt.“ Dort könnten Singles aufgrund ihrer größeren Verfügbarkeit mit Rat und takräftigem Beistand wirken.

In zwei Jahren Jungfamilien-Baby-Treff

Abschlussreferent war der Gründer des Loretto-Gebetskreises, Georg Mayr-Melnhof. Der Salzburger Familienvater war selbst lange Single und hat seine Berufung geprüft. Eindrucksvoll unterstrich er: „Single sein ist eine Zeit der Gnade! Die Kirche braucht euch. Übernehmt Verantwortung! Dadurch eröffnen sich neue Horizonte!“ Zur inneren Einstellung von Alleinstehenden forderte Mayr-Melnhof: „Man muss Feuer unterm Hintern haben. Nicht raunzen, sondern die Zeit in die Hand nehmen. Und sich nicht sorgen: Sucht zuerst das Reich Gottes: Der Rest wird Euch dazugeschenkt!“

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hatte als Initiator von „Kathtreff“ das Schlusswort. In Anspielung auf die nächste Tagung für katholische Singles vom 16. bis 19. April 2009 in Köln meinte er: „In Köln möchte ich aber niemanden von Euch wiedersehen. Wir machen lieber in zwei Jahren einen Jungfamilien-Baby-Treff!“