Polen streitet um Kreuz, das an Absturzopfer erinnert

Am Präsidentenpalast soll es weg, eine Pfarrei will es nehmen

Warschau (DT/KNA) In Warschau eskaliert ein Streit um ein Holzkreuz, das vor dem Präsidentenpalast an die Flugzeugkatastrophe bei Smolensk erinnert. Dutzende Menschen bewachen laut polnischen Medienberichten vom Donnerstag rund um die Uhr das etwa vier Meter hohe Gedenkkreuz, um dessen angekündigte Entfernung zu verhindern.

Der künftige Staatspräsident Bronislaw Komorowski will es in Absprache mit Kirchenvertretern an einen „passenderen Ort“ versetzen lassen, der derzeit noch gesucht wird. Das Kreuz war kurz nach dem Flugzeugabsturz vom 10. April von Pfadfindern errichtet worden. Bei dem Unglück wurden Präsident Lech Kaczynski und alle 95 weiteren Insassen getötet. Mehrere Jugendorganisationen fordern den Erhalt des „bescheidenen Zeichens des Gedenkens an die Opfer“, ebenso die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Unterdessen schlug die konservative Bauernpartei PSL, die zusammen mit der Bürgerplattform (PO) die Regierung bildet, als neuen Standort das Gelände vor dem Parlament vor.

Komorowski hatte erklärt, das Kreuz vor dem Präsidentenpalast sei nach der Tragödie ein Zeichen der Trauer gewesen. Der Palast sei jedoch ein Gebäude der Staatsverwaltung und keine religiöse Kultstätte. Eine Warschauer Pfarrei bot bereits an, das Kreuz in ihrer Kirche aufzunehmen. Pfarrer Marek Bialkowski von der Heilig-Kreuz-Kirche sagte, es könne dort an einem neuen „Altar des Patriotismus“ angebracht werden.