Afgahnistan/Camp Marmal

Mission mit Andacht

Advent in Afghanistan: In „Camp Marmal“ sind die Soldaten dankbar für christliche Klänge.

Soldaten in Afgahnistan
Chorleiter im Kirchenchor von Camp Marmal ist ein ehemaliger Regensburger Domspatz. Foto: Enric Boixadós

Pfarrer Martin Hüfken ist erst seit einer Woche im Feldlager in Afghanistan. Er hat den katholischen Militärseelsorger abgelöst. Heute hält er einen ökumenischen Gottesdienst. Jeder ist willkommen, egal ob er evangelisch, katholisch, andersgläubig oder gar keiner Religion angehört. Genau deshalb trägt die Kirche einen schlichten Namen: „Haus Benedikt“.

Advent in Nordafghanistan. Ein Sonntag. Es ist kalt. Unter Null am frühen Morgen. Diesiges Grau verhüllt die Hügelkette des Marmal-Gebirges. Das deutsche Feldlager an den Ausläufern trägt seinen Namen: Camp Marmal. Hier sind rund 1 000 deutsche Soldaten stationiert, zehn Prozent davon sind Frauen. Gemeinsam mit Streitkräften weiterer 22 NATO-Mitgliedsstaaten versehen sie hier ihren Dienst. Insgesamt etwa 2 000 Männer und Frauen. Auf einer Fläche so groß wie 500 Fußballfelder.

„Resolute Support“ – NATO-Ausbildungsmission

„Resolute Support“ – so nennt sich die 2015 begonnene NATO-Ausbildungsmission, zu der auch die Deutschen gehören. Afghanische Sicherheitskräfte sollen fit gemacht werden, um selbst ihr Land zu schützen. Gegen die Taliban, gegen Radikalislamisten, gegen fanatische Splittergruppen.

Im Vergleich zur ISAF-Mission, die 2014 auslief, gibt es keine NATO-Kampfhubschrauber mehr, die einst in die Berge zu unbekannten Zielen aufbrachen. Auch Patrouillenfahrten ins Feindesland gehören der Vergangenheit an. Das Mandat hat sich verändert. Denn in Kampfhandlungen sind heute die afghanischen Streitkräfte involviert. Nach entsprechender Schulung und unter Anleitung, denn das Know How gibt es unter anderem von den Deutschen.

Gottesdienst im „Haus Benedikt“

Knapp 4 500 Kilometer trennen die deutschen Soldaten von ihren Familien zuhause. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit kann das schmerzlich sein. Der Gottesdienst im „Haus Benedikt“, das an der breiten Hauptstraße des Camps liegt, ist bis auf den letzten Platz besetzt.

Oberstleutnant Eberhard Z. ist Chorleiter. Früher – als Kind – gehörte er zu den Regensburger Domspatzen. „Unter Georg Ratzinger“, sagt er. Und auch, dass es unter dem Chorleiter und Bruder des ehemaligen Papstes Benedikt XVI – Joseph Ratzinger – durchaus diszipliniert zuging. Weitere Stationen des musikalischen Chefs der multinationalen Kampfmittelräumtruppe waren die Schaumburger Märchensänger und – bis heute – das Havelberger Vokalensemble. Eine gute Schule, die hier in Camp Marmal besondere Advents- und Weihnachtsfrüchte trägt. Der Bruder des emeritierten Papstes kann stolz sein.

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