Minenproblem dauert an

Kambodscha versäumt Räumung der Sprengsätze. Von Robert Luchs

Kambodscha erleidet einen empfindlichen Rückschlag. Das von Minen verseuchte südostasiatische Land kommt mit der Räumung der lebensbedrohlichen Sprengkörper lange nicht so voran, wie dies noch vor einigen Jahren den Anschein hatte. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen klappt die Zusammenarbeit zwischen den zum Teil internationalen Organisationen nicht mehr so reibungslos wie am Anfang. Dann zeigt sich, dass die Zahl der ungeräumten Minenfelder größer ist als dies zunächst registriert worden war. Heute ist man in Kambodscha weit davon entfernt, die ins Auge gefassten Ziele zu erreichen.

Sogar die zuletzt festgelegte Marke scheint in weiter Ferne zu liegen; ein aktueller in Phnom Penh veröffentlichter Report kommt zu dem Schluss, dass selbst in 2025 das Land voraussichtlich nicht minenfrei sein werde. Dies werde „desaströse“ Folgen für Kambodscha haben, vor allem für die Wirtschaft und die notwendige Erschließung bei stark wachsender Bevölkerung. Als Kambodscha im Jahr 2000 eine Anti-Minen-Konvention der Vereinten Nationen unterschrieben hatte, war damit das Versprechen verbunden, das Land „in den nächsten zehn Jahren“ mit der Hilfe internationaler Geldgeber von Minen und ähnlichen Sprengkörpern zu säubern. Dieses Ziel konnte nicht eingehalten werden, und die Verantwortlichen setzten ein neues, nämlich das Jahr 2019, um das Land von seiner explosiven Last zu befreien. Nun wird die Zeit knapp.

Um einen entscheidenden Schritt voranzukommen, so der Report, müssten sich die Minensucher auf die gefährlichsten Felder konzentrieren. Von den rund 1 000 Quadratkilometern, die vor allem im Nordwesten Kambodschas noch zu räumen seien, sei nur ein Zehntel besonders dicht mit Minen verseucht. Dennoch sterben noch immer viele Menschen. In den vergangenen fünf Jahren kamen 323 durch die tückischen Waffen ums Leben, weitere 450 starben durch Bomben oder wurden durch Blindgänger getötet oder verletzt. Ein hoher Blutzoll auch über ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Bürgerkrieges.

Da die durchschnittliche „Lebenserwartung“ eines vergrabenen Sprengsatzes mit 40 Jahren angegeben wird, ist die Gefahr für die Menschen vor allem auf dem Lande groß. In Kambodscha sind die meisten Minen von den Regierungsstreitkräften verlegt worden. Aber auch die Gegenseite führte den Bürgerkrieg nach der Pol-Pot-Ära seit 1979 hauptsächlich mit Minen – um das eigene Gebiet zu sichern und um der von Roten Khmer kontrollierten Zivilbevölkerung möglichst hohe Verluste zuzufügen.