Damaskus/Syrien

Maria als Trösterin

Eine vom Papst gesegnete Ikone befindet sich auf dem Weg durch Syrien – Vielleicht findet sie eines Tages eine Heimstätte.

Armenisch-orthodoxe Kinder
Gebet mit Kerzen und Ikone: Armenisch-orthodoxe Kinder in Damaskus.

OMutter Maria, bitte für uns, wir beten, dass dein Sohn, unser Herr und Heiland, Jesus Christus, die Wunden all derer verbindet, die während des Krieges in Syrien gelitten haben ...“ – mit diesen Worten beginnt das Gebet, auf Arabisch gesprochen, das momentan die Christen in diesem nun seit bald neun Jahren vom Bürgerkrieg gezeichneten Land vereint.

Den Gläubigen etwas Sichtbares geben

Der Blick der Betenden ist dabei auf die von Papst Franziskus gesegnete Ikone der „Seligen Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ gerichtet, die sich seit September des vergangenen Jahres auf Pilgerschaft durch Syrien befindet. Mit einer feierlichen Prozession wurde sie auf den Straßen von Damaskus in Empfang genommen.

„Es ist die Idee, den Gläubigen etwas Sichtbares zu geben, das die Erinnerung wachhält, dass die Christen in Syrien nicht alleine sind, sondern dass Gott ihr Leid nicht vergessen hat – und eine Ikone ist ein Fenster zu Gott.“
Pater Andrzej Halemba, Stiftung päpstlichen Recht

Dort wurde sie von melkitischen, maronitischen, armenisch-orthodoxen und syrisch-orthodoxen Gemeinden beherbergt. Über Bosra, Horan, Tartus hat sie nun ihren Weg bis nach Homs gefunden – einem der Symbolorte für das Leid des Bürgerkriegs. Mit zärtlichen Küssen haben sie die syrisch-orthodoxen und syrisch-katholischen Christen vor Ort begrüßt. Dort lebt auch der griechisch-orthodoxe Priester und Künstler Spiridon Kabbash, der die Ikone im Auftrag des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ geschrieben hat.

„Die Pilgerschaft dieser Ikone steht für die Idee eines kontinuierlichen, gemeinsamen Gebets aller Christen in ganz Syrien“, erklärt Pater Andrzej Halemba gegenüber der „Tagespost“. Er ist der Leiter der Nahost-Abteilung dieser Stiftung päpstlichen Rechts. „Es ist die Idee, den Gläubigen etwas Sichtbares zu geben, das die Erinnerung wachhält, dass die Christen in Syrien nicht alleine sind, sondern dass Gott ihr Leid nicht vergessen hat – und eine Ikone ist ein Fenster zu Gott.“

Vor dem Bürgerkrieg lebten noch 1, 7 Millionen Christen in dem Land. Heute hat fast jede Familie getötete Verwandte zu beklagen und viele sind geflohen. Pater Halemba betont ausdrücklich, „dass die Christen im Nahen Osten nur eine Überlebenschance haben, wenn sie vereint für ihren Glauben einstehen – im Handeln und im Gebet“, und er fügt hinzu: „Wer zusammen betet, der hält zusammen – deshalb ist der ökumenische Charakter der Pilgerschaft dieser Ikone so grundlegend wichtig.“

Eine Ikone, welche auch der Ökumene dient

Beim Blick auf die Ikone bemerkte Papst Franziskus, dass das Gesicht der Gottesmutter sowohl das Leid der syrischen Christen ausdrückt und sie zugleich mit ihrem Blick Trost spendet. „Die Ikone zeigt den Christen vor Ort das, was sie ersehnen“, beginnt Pater Halemba seine Erklärung dessen, was die Ikone zeigt. Zu den Füßen Mariens, auf der linken Seite, suchen die syrischen Christen Zuflucht und ihnen reicht sie ein weißes Tuch als Symbol des Friedens, um die Tränen abzuwischen.

Rechts von ihren Füßen sieht man die Unterdrücker und Extremisten, die sich vor ihr fürchten. Auf ihrem Arm hält sie das Jesuskind, das in seiner Hand Syrien auf der Höhe des Herzens der Gottesmutter hält. Von Engeln getragen und unter den schützenden Armen Jesu Christi sind die modernen Märtyrer Syrien versammelt: unter anderem der Jesuit Frans van der Lugt, der durch eine islamistische Terrorgruppe mit zwei Kopfschüssen getötet wurde.

„Man sieht in dieser Ikone, dass die syrischen Christen im Leid und in der Hoffnung vereint sind. Man sieht das von der Ökumene getragene Leid und die gemeinsame Hoffnung – vereint im Glauben an Gott, zusammen mit der Gottesmutter.“ Pater Halemba ist es wichtig, dass nicht nur die Gläubigen in Syrien verstehen, dass die Hoffnung auf Frieden nicht alleine auf Politikern ruht. „Friede kommt von Gott – er ist derjenige, der uns mit Frieden segnen und das Böse der Welt überwinden kann. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Gott durch die an die Gottesmutter gerichtete Fürbitte um Frieden zu bitten.“

Dauerhafte Heimstätte für die Ikone

Nun wird die Ikone zuerst nach Al-Hassakeh und dann nach Aleppo gebracht werden. Dort ist der Sitz des ökumenischen Komitees, das die Hilfe für die einheimischen Christen koordiniert. Dort, wo es in den Häusern keine Elektrizität mehr gibt, wo dringend Medizin benötigt wird, wo Christen leiden, helfen die Kirchen gemeinsam. „In der Bedürftigkeit und Hilfe gibt es keinen Unterschied zwischen Katholiken und Orthodoxen“, stellt Pater Halemba klar und würdigt damit im Besonderen diese Art der Ökumene. „Und selbst wenn ein Muslim zu einer der Kirchen kommt, wird ihm geholfen.“ Aleppo als Symbolort der Ökumene in Syrien ist die letzte Station der Ikone, bevor sie im Marienmonat Mai wieder in die Nähe von Damaskus zurückkehren wird.

In dem 30 Kilometer nordöstlich gelegenen Marienwallfahrtort Saidnaya werden sich die Oberhäupter der Kirchen dann versammeln, um gemeinsam für den Frieden zu beten und Syrien dem Herzen Mariens zu weihen.

„Ich hoffe sehr, dass diese Ikone und ihre Pilgerschaft wie eine Art Evangelisation wirken wird, um den Menschen durch ihren Glauben wieder Hoffnung zu geben.“
Pater Halemba

Dies wird im Rahmen eines Marienlieder-Festivals stattfinden, zu dem aus dem ganzen Land und aus allen verschiedenen Riten Kirchenchöre anreisen werden, um gemeinsam die Gottesmutter im Gebet und Gesang anzurufen. Pater Halemba hofft, dass danach eine Kapelle oder Kirche gebaut werden kann, in der die Ikone eine dauerhafte Heimstätte finden wird und zu der alle Christen Syriens pilgern werden können.

„Ich hoffe sehr, dass diese Ikone und ihre Pilgerschaft wie eine Art Evangelisation wirken wird, um den Menschen durch ihren Glauben wieder Hoffnung zu geben.“ Und mit nüchterner Stimme fügt er noch hinzu: „Die Menschen sind traumatisiert und brauchen Trost“ – wie es im Gebet heißt, das die Ikone durch Syrien begleitet: „Wir beten für die, die um Gestorbene trauern und für die, die ihre Heimat und ihr ganzes Leben verloren haben. Unsere Schmerzensmutter, tröste sie und flehe deinen Sohn an, sie von allen Nöten zu heilen – von den Nöten des Geistes, des Körpers und der Seele.“

Dass der Schmerz, der in diesen Worten liegt, keine abstrakte Fürbittenformel ist, hat sich zuletzt im November gezeigt. Ein militanter Islamist hat den armenisch-katholischen Priester Hovsep Bedoyan und dessen Vater erschossen, als sie auf dem Weg waren, den Wiederaufbau einer Kirche im Osten Syrien zu besichtigen. Zu diesem tödlichen Anschlag hat sich der sogenannte „Islamische Staat“ bekannt.

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