Würzburg

Glosse: Das richtige Land

Nichts gelernt, trotz Abitur?

Ilkay Gündogan
Estland, Tallinn: Ilkay Gündogan aus Deutschland jubelt über sein Tor zum 0:1 Foto: Federico Gambarini (dpa)

Eigentlich könnte Ilkay Gündogan der Held sein. Die zwei Tore des in Gelsenkirchen geborenen 28-jährigen Spielers mit türkischen Wurzeln und deutscher Staatsangehörigkeit beim Spiel gegen Estland waren nicht unwichtig für den 3:0-Sieg des deutschen Nationalteams. Doch wer redet von den zwei Toren?

Worüber man spricht, ist, dass Gündogan (wie übrigens auch sein Mitspieler Emre Can) bei Instagram ein Foto von der türkischen National-Mannschaft geliked hat, auf dem die Spieler mit Militär-Gruß salutieren. Der Empfänger ist klar: Recep Erdogan, der die Welt zurzeit in Atem hält, weil er gegen die Kurden in Syrien eine Offensive fährt. Keine fußballerische Offensive, versteht sich.

"[...] das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen."

Inzwischen hat Gündogan das Bild zwar entliked, aber was er dem „Spiegel“ zur Erklärung anvertraut hat, wirkt nicht richtig überzeugend: „Ich habe das Like zurückgenommen, als ich gesehen habe, dass es politisch gewertet wird.“ Und: „Glauben Sie mir: nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen.“ Ein Foto, das Gündogan zusammen mit Mesut Özil und Erdogan zeigt, sorgte damals für Empörung. Nichts daraus gelernt, trotz Abitur?

Vielleicht hält es Gündogan einfach mit dem amerikanischen Marineoffizier Stephen Decatur junior (1779–1820), von dem der Trinkspruch „Mein Land, ob falsch oder richtig“ („Right or wrong – my country“) stammt. Fehlt eigentlich nur noch das richtige Land.