Würzburg

Glosse: Dante im Inferno?

Zeit, für Brücken zwischen Himmel und Hölle

Italien - Rom - Engelsbrücke
Blick auf die Engelsbrücke (Ponte S. Angelo) bei dramatischem Licht. Untergehende Nachmittagssonne gegen dunklen Regenwolkenhimmel. Foto: Jürgen Berger (dpa)

Den Italienern ist es wichtig, wen sie nach dem Tod treffen. Es soll Männer geben, die sich nur deswegen Privatkapellen leisten, um von der friedhöflichen Verwandtschaft nicht behelligt zu werden. Erzbischof Vincenzo Paglia hat sich vergangene Woche in diese illustre Gesellschaft eingereiht. Wer behauptet, dass Judas in der Hölle sei, sei ein Häretiker. Die Selige Edvige Carboni hat gesagt, Mussolini sei im Paradies, da ist Judas' Rehabilitierung nur ein kleiner Schritt.

Revolutionäre Theologie

Dante, der ein „Who is who?“ der Verdammten erstellt hat, und in dessen Inferno Judas zwischen den Klauen und Zähnen Satans in Ewigkeit gemartert wird – würde gemäß Paglia selbst in der Hölle schmoren. Das ist von monströser Tiefsinnigkeit! Die unendliche Gnade Gottes setzt Konzepte wie den ultimativen Verrat an Gott außer Kraft. Eine revolutionäre Theologie, die es vollumfänglich zu begrüßen gilt.

Zeit, Brücken zu bauen! Am besten zwischen Himmel und Hölle. Die Diskriminierung von Dämonen ist ein trauriges Kapitel, das in Zeiten von Diversität und Multikulti endlich aufgearbeitet werden muss. Paglia muss hier konsequent vorangehen. Die entscheidende Frage, die uns der Vordenker allerdings nicht beantwortet hat: wohin mit Häretikern wie Augustinus, Thomas von Aquin oder Papst Leo, wenn der Himmel die Hölle geworden ist?

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