Würzburg

Glosse: Blutrot und schwarz-weiß

Leider fast undifferenzierbar: politische Färbungen im Nahen Osten.

Die Flaggen von Palästina und Syrien
Ein palästinensischer Junge schwenkt eine syrische und eine palästinensische Flagge. Foto: Ayman Nobani/dpa

Wenn es nur so einfach wäre. Wie die fein säuberlich getrennten Farbstreifen auf den Flaggen, da hat alles noch seine eindeutige Ordnung: Rot, Weiß, Schwarz. Schwarz, Weiß, Grün. Syrien. Palästina. Schade, dass Fronten keine Flaggen sind. Und dass Politiker keine Farben tragen. Schwarz und weiß ist im Nahen Osten schon lange nichts und niemand mehr, zumindest in der Politik. Rot findet man noch, viel Rot, Blutrot. Vor allem bei denen, die sich für politische Färbungen gar nicht interessieren.

Alles Terroristen

Mit Zahlen ist es fast noch schwieriger. Drei oder 50 verletzte Israelis bei den jüngsten Raketenangriffen aus dem Gazastreifen, man weiß es nicht so genau in den westlichen Medien. Dafür ziemlich genau 34 getötete Palästinenser. Die meisten davon natürlich militant. Kann sein. Vielleicht genauso militant, wie die drei Terroristen, die das Assad-Regime kürzlich erfolgreich eliminiert hat: ein Ehepaar mit Kind, Tante und Onkel von A., der mittlerweile in Deutschland lebt. Solche Terroristen lassen sich gut bekämpfen. Sie leben in Zeltlagern, in Wohnsiedlungen, in Krankenhäusern und sind vor allem weiblich oder minderjährig. Zwei beispielhaft bombige Erfolge aus den letzten Tagen: das Flüchtlingscamp Qah und das Krankenhaus von Kansafra. Über Schwarz und Weiß lässt sich streiten, aber das Rot gehört dem Volk. Gut, dass es noch Grün gibt, grün wie die Hoffnung.

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