Das Ordensleben auf Kloster Burg Dinklage

Vor 70 Jahren begann das Ordensleben auf Kloster Burg Dinklage. Viele Menschen nutzen gern die benediktinische Gastfreundschaft der Schwestern im „Kloster auf Zeit“. Von Rocco Thiede

Das Lächeln einer fröhlichen Nonne in Kloster Dinkslage
Typisch Dinklage: Viel Stille und das Lächeln einer fröhlichen Nonne.RT Foto: Foto:

Kloster Burg Dinklage liegt in einem moorastigen, feuchten Waldgebiet, nicht untypisch für diese norddeutsche Region des Osnabrücker Landes. Wie der Name schon verrät, ist Kloster Burg Dinklage kein Kloster im ursprünglichen Sinne, sondern ein Kloster auf einer mittelalterlichen Wasserburg. Die so genannte „Urburg“ wird 980 erstmals erwähnt als „Ferdinands Burg“ und Wohnsitz des Gaugrafen Bernhard.

Heinrich von Galen, Droste des Amtes zu Vechta, pachtet 1641 das Dinklager Anwesen. Nach diversen Erbrechtsstreitereien übernimmt Clemens August Freiherr von Galen, der 1803 in den Grafenstand erhoben wird, die gesamte „reichsfreie Herrlichkeit Dinklage“.

Die kompakte, sehr wehrhaft wirkende Anlage umzieht von außen ein Wassergraben. Der Zugang zur Burg ist nur über eine Brücke möglich, die man sich in Zeiten von Krieg und Landfehden auch gut als Zugbrücke vorstellen kann. Vor ungebetenen Gästen war so ein effektiver Schutz möglich.

Kloster Burg Dinklage
Ungewöhnlich: Das Kloster befindet sich auf einer mittelalterlichen Wasserburg.

Die äußere Wehrhaftigkeit und Abschirmung steht heute etwas im Gegensatz zur Offenheit und herzlichen Gastfreundschaft der Benediktiner. Ein Messingschild auf einem der Brückenpfeiler weist Wanderern und Spaziergängern auf die heutige Nutzung der Burg hin. Gäste werden ausdrücklich zur Feier der Gottesdienste sowie der Stundengebete eingeladen. Eine Besichtigung der Burg selbst sei aber nicht möglich.

Attraktiv als Geburtsort des seligen Kardinal von Galen

Am 16. März 1878 wird hier auf der Burg Clemens August Graf von Galen als elftes Kind der Eheleute Ferdinand Graf von Galen und Elisabeth geborene Reichsgräfin von Spee geboren. Von Galen wird 1933 zum Bischof von Münster geweiht. Als der „Löwe von Münster“ geht von Galen wegen seiner Predigten gegen die Beseitigung des so genannten „lebensunwerten Lebens“ und anderen Menschenrechtsverletzungen des NS-Regimes in die Geschichte des 20. Jahrhunderts ein. Kurz nach seiner Ernennung zum Kardinal stirbt er am 22. März 1946.

Viele Tagesgäste von heute kommen auch, „weil sie den Geburtsort des Seligen Kardinal von Galen einmal besuchen wollen. Doch nicht nur. Manche Gäste suchen einfach Ruhe und Abstand zum Alltag. Die Abtei St. Scholastika der Benediktinerinnen auf der Klosterburg Dinklage ist dafür ein guter Raum.

Warum kommen Menschen in die Kloster Burg Dinklage?

„Klöster faszinieren mich schon immer.“, sagt etwa Isabell Logen aus Berlin. Die 52-jährige Gewandmeisterin hat sich in diesen Tagen von der quirligen Hauptstadt ins Osnabrücker Münsterland in ein Frauenkloster der Benediktinerinnen nach Dinklage aufgemacht. Und wie eigentlich alle Gäste, die auf der mittelalterlichen Wasserburg der Grafen zu Galen oder im jenseits des Burggrabens befindlichen Gästehaus wohnen, sucht sie im Kloster auf Zeit vor allem eines: Ruhe.

Bei ihr spielt aber auch noch ein beruflicher Aspekt eine Rolle. Sie interessiert sich für die Arbeit der Nonnen. Das Motto der Benediktiner – ob Mönche oder Nonnen – ist seit dem 6. Jahrhundert, als der Heilige Benedikt die bis heute gültige Klosterregel aufstellte, unverändert: „Ora et Labora“, also Bete und Arbeite.

Filia ante portas: Lorenza vor der Klosterpforte der Benediktinerinnenabtei Klosterburg Dinklage. Foto: Thiede

Die Gäste dürfen die gesungenen Stundengebete gern aktiv mit ihrer Stimme begleiten. Aber auch bei der Arbeit ist die Unterstützung der Laien willkommen: etwa beim Reinigen und Putzen der Zimmer, im Garten oder bei kleineren handwerklichen Arbeiten. Das Gros der Gäste ist aber im Kloster, um sich eine Auszeit zu nehmen, leise für sich zu beten und die besondere Atmosphäre hinter Klostermauern zu genießen.

Die Berlinerin Isabell Logen arbeitet im Berliner Bezirk Tiergarten in einem Kostümverleih. Im Kloster hofft sie auch einmal einen Blick in die Paramentenwerkstatt werfen zu dürfen. Hier werden die für die Liturgie oft künstlerisch aufwendig gestalteten Stolen, Gewänder, Talare oder Kleider für bestimmte rituelle Zwecke hergestellt. Der Interessierte und gläubige Pilger kann dieses Statement auf den Internetseiten der Nonnen lesen:

„Wir, die Benediktinerinnen der Abtei St. Scholastika, Burg Dinklage, sind eine Gemeinschaft von Frauen, die ihr Leben als einen Weg der Nachfolge Jesu Christi in Kirche und Welt gehen wollen. Die Regel des Hl. Benedikt ist uns Richtschnur und Wegweisung in unserem Bemühen, dieses Leben aus der Heiligen Schrift im Hier und Heute zu gestalten“

Andere Gäste sind für Schweigeexerzitien hier und selbst beim gemeinsamen Essen wird nicht gesprochen. Ein Austausch – oft mit einer Nonne – findet nur während einer bestimmten Zeit am Tag statt. Diese Gäste nach ihrer Motivation für ihren Aufenthalt zu befragen, ist während des Klosterbesuches nicht möglich, da sie in einem eigenen Raum ihre Speisen in Stille einnehmen.

„Ich komme immer wieder gerne hierher in die Abtei nach Dinklage“, sagt Christina Kumpmann. Die 32-jährige Theologin von der Uni in Aachen hat vor einigen Jahren sogar ihre Dissertation im Kloster zu Ende geschrieben.

„Dank des klaren Ablaufs und den festen Gebets- und Essenszeiten hatte für mich jeder Tag eine schöne Struktur und so konnte ich sehr konzentriert arbeiten. Außerdem musste ich mich nicht um tägliche Dinge, wie den Haushalt oder Einkauf kümmern und fand neben der Ruhe auch reichlich Inspiration bei meiner wissenschaftlichen Arbeit.“

Dieses Jahr ist sie „mehr zum Abschalten hier und um Motivation für ihre künftigen Aufgaben im Beruf zu erhalten“. Auch aus diesem Grund besucht sie eine der Schwestern – „denn die Gespräche mit den Ordensfrauen haben mir später stets viel im Alltag geholfen“. Besinnung, Ruhe und Hilfe sucht auch Johannes Krämer aus Bensheim. Der ehemalige Gymnasiallehrer für alte Sprachen, Philosophie und Geschichte hat zwei schwere Schicksalsschläge hinter sich. Vor zwei Jahren starb seine Frau und im vergangenen Jahr hatte er einen schweren Autounfall. „Das ist meine Klosterpremiere“, verrät der 75-Jährige, der den Tipp für das Kloster auf Zeit von Berliner Freunden erhielt. Seine Erwartungen hätten sich mehr als erfüllt und auch er nutzt die Zeit für Gespräche mit den Nonnen. Der Doktor der Philosophie verrät:

„Ich bin zwar sehr religiös aufgewachsen, hatte aber viele Jahre keinen Kontakt mehr zu Kirche“

Nun sei der Witwer aber wieder froh, Dank des Glaubens Struktur und Stabilität in sein Leben bekommen zu haben. Das Kloster auf Zeit bestärkt ihn dabei auf seinem Weg.

„Hier erfahre ich, was in meinem Leben wichtig ist und finde zu mir selbst“, erläutert Brigitte Renken aus Oldenburg. Die 62jährige Erzieherin ist nicht zum ersten Mal im Kloster. Zweimal im Jahr kommt sie mittlerweile zusammen mit zwei Freundinnen an diesen Ort, wo die evangelische Christin eines auch schnell lernte:

„Nonnen sind eigentlich auch Menschen wie Du und Ich. Alle haben irgendwann mal einen Beruf gelernt und hatten ein Leben vor dem Kloster.“

Hier hinter dem großen blau-grauen Klostertor sei sie den Ordensfrauen auch menschlich nähergekommen. „Sie sind gar nicht so unnahbar, wie es im ersten Moment scheint.“ Einige der Ordensschwestern hätten sogar Kinder und Enkelkinder, weil sie als Spätberufene ins Kloster eintraten, als ihre Töchter und Söhne schon aus dem Haus waren.

Ihre „kleine Auszeit“ ist auch Karin Wilts, der Freundin von Brigitte Renken wichtig. „Ich komme hier back to my roots“, sagt die 49-jährige Kauffrau. Und die dritte im Bunde, Susanne Bultera, schwärmt „vom Dreiklang der Natur, der Besinnung und Abstinenz hier im Kloster“. Sie arbeitet als Personalsachbearbeiterin und ist froh, einmal im Kloster „vom Digitalen wegzukommen – einmal ganz ohne Laptop und Handy zu leben“. Das geht auch gut, denn die dicken Mauern lassen kaum Funkwellen durch. Auf W-LAN haben die Nonnen innerhalb ihrer Klostermauern bisher bewusst verzichtet und wer es dennoch nicht ganz lassen kann, für den gibt es vis-a-vis der Küche „ein Kabel zum einstöpseln – aber solange ich hier war, nutzte das bisher niemand“, erzählt eine Grundschullehrerin aus Franken. „Immer wieder kommen auch Menschen ohne christlichen Glauben in das Kloster auf Zeit“, hat sie beobachtet, und lassen sich vom „Ora et Labora“ inspirieren.

Über die Umstände des einfachen Lebens in der alten Wasserburg freuen sich die drei Freundinnen aus Oldenburg jeden Tag. Ihr Fazit zum Abschied bringt Brigitte Renken auf den Punkt: „Gott sei Dank ist es hier nicht so kommerziell. Wir brauchen kein Wellness-Programm oder eine Sauna. Wir haben schon für das kommende Jahr unsere Zimmer hier bei der Gastschwester reservieren lassen.“

Weitere Informationen über das Gästehaus im Kloster: http://www.abteiburgdinklage.de/gaeste.html