Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Prälat Hermann Scheipers (98, Foto: Archiv), der sich während der national-sozialistischen Diktatur in Deutschland zwischen 1933 und 1945 als Seelsorger um Zwangsarbeiter kümmerte, hat das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Er habe sich für Toleranz und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung engagiert, hieß es bei der Verleihung am Freitag in Münster. Scheipers stammt aus Ochtrup im Münsterland und war lange Jahre Geistlicher im Bistum Dresden-Meißen. 1940 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und 1941 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, weil er sich als Seelsorger um ausländische Zwangsarbeiter gekümmert hatte. Dies war damals öfter ein Grund gewesen, um katholische Priester zu inhaftieren, die Zwangsarbeitern etwa die Sakramente gespendet hatten. Durch eine Intervention beim SS-Reichssicherheitshauptamt in Berlin rettete seine Schwester Anna Schweppe ihn und weitere Geistliche 1942 vor dem Tod in der Gaskammer. 1945 gelang Scheipers auf einem „Todesmarsch“ die Flucht. Danach war er wieder im Bistum Meißen tätig und geriet mit den DDR-Machthabern in Konflikt. 1990 kehrte er in seinen Geburtsort Ochtrup zurück. 2002 hatte Scheipers bereits wegen seines unerschrockenen Einsatzes für Menschenwürde in zwei Diktaturen das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Für seine „intensivierte“ Zeitzeugenarbeit in Schulen und bei Vorträgen wurde er nun mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Seine Lebensgeschichte hat Scheipers in dem Buch „Gratwanderungen – Priester unter zwei Diktaturen“ veröffentlicht.