"Layla M."

Die Radikalisierung einer Muslima: Der Film "Layla M." zeichnet ein differenziertes Bild einer jungen Frau, die in den Niederlanden in den Sog der Islamisierung gerät. Von José García

Durch ihre Liebe zum Dschihadisten Abdel (Ilias Addab) radikalisiert sich Layla (Nora El Koussour), die als Tochter marokkanischer Eltern in Amsterdam geboren wurde. Im Nahen Osten fühlt sich Layla jedoch zunehmend unwohler. Foto: missingFILMs

Die fast 18-jährige Layla (Nora El Koussour) lebt in Amsterdam. Die junge Frau glaubt, in Zeiten terroristischer Bedrohung einen steigenden Argwohn gegenüber kopfbedeckten Frauen und bärtigen Männern festzustellen. Sie postet im Internet Fotos, um gegen ein Burka-Verbot zu protestieren. Bald schaut sich Layla nur noch islamistische Videos an. Sie besucht die Moschee und verteilt politische Flyer gegen den syrischen Horror und die Grausamkeiten in Gaza – sehr zum Missfallen ihrer marokkanischen Eltern, die sie zum Abitur drängen. Als ihr Bruder und sie von der Polizei verhaftet werden, tritt Layla die Flucht nach vorne: Sie verlässt die Schule und heiratet den Dschiadisten Abdel (Ilias Addab). Ihre „Flitterwochen“ verbringen sie in Belgien, wo sie Geld für „einen guten Zweck“ sammeln und Kontakte knüpfen. Als das junge Paar jedoch nur knapp einem Kommando der belgischen Polizei entkommt, fliehen die beiden in den Nahen Osten. Das Leben als Frau dort hatte sich Layla allerdings anders vorgestellt. Auch Abdel entwickelt sich ganz anders, als sie gehofft hatte.

Den Trailer zum Film finden Sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=wO99QokUawg

Zwar kommt in „Layla M.“ einiges klischeehaft vor – die Tochter von assimilierten Migranten, die sich immer mehr radikalisiert, nicht zuletzt als sie sich in einen Islamisten verliebt, der sie dann in den Nahen Osten mitnimmt, wo auf die anfängliche Begeisterung die Ernüchterung folgt. Regisseurin Mijke de Jong und ihrem Mit-Drehbuchautor Jan Eilander gelingt es aber, ein nuanciertes Porträt der jungen Frau zu zeichnen: „Ihre äußerliche, aggressive Wahrnehmung von Religion und politischen Ansichten gibt den Weg frei für ein ruhigeres, inneres Empfinden. Sie erlaubt sich selbst mehr Farbe in ihre eintöniges Leben zuzulassen und kommt sich dadurch selbst deutlich näher“, sagt de Jong. Denn die Filmemacher gehen einen doppelten Weg: Einerseits bleiben sie ihrer Protagonistin stets sehr nah. Andererseits zeigen sie auch die Feindseligkeit, mit der sich Muslime in den Niederlanden konfrontiert sehen. „Layla M.“ zeichnet sich durch die differenzierte Sicht auf das Problem der Radikalisierung junger Muslime in Europa aus.