Garcias Filmtipp: Wind River

Durch seinen Realismus weist der vordergründige Actionthriller "Wind River" vor allem auch auf die Gewalt gegen Frauen hin.

Jäger und Fallensteller Cory Lambert (Jeremy Renner) unterstützt FBI-Agentin Jane Banner (Elisabeth Olsen) bei der Aufklärung des Todes einer 18-Jährigen aus dem „Wind River“-Reservat in Wyoming. Foto: WildBunch

Der wortkarge Cory Lambert (Jeremy Renner) arbeitet für eine US-Behörde in Wyoming, ganz nahe dem „Wind River“- Reservat. Seit einer Tragödie, die sich vor drei Jahren ereignete, lebt Cory von seiner Frau Wilma (Julia Jones) getrennt. Wilma gehört zu den Ureinwohnern, die im Reservat leben müssen. Auf den Spuren einer Puma-Mutter mit ihren beiden Jungen findet der Fallensteller und Jäger die Leiche einer 18-Jährigen, die er gut kannte: Die ebenfalls im Reservat lebende Natalie (Kelsey Alsbile) war die beste Freundin seiner Tochter. Zusammen mit Ben (Graham Greene), dem Kommandanten der Reservatpolizei, wartet er auf das FBI. Seine Enttäuschung ist jedoch ziemlich groß, als Bundesbeamtin Jane Banner (Elisabeth Olsen) ankommt. Denn sie ist offenbar ziemlich unerfahren. Deshalb bittet sie Cory um seine Hilfe. Schließlich kennt er die Gegend wie seine Westentasche.

Der Trailer zum Film:
https://www.youtube.com/watch?v=Kv7ZvwVGbeA

In „Wind River“ arbeitet Taylor Sheridan erstmals nicht nur als Drehbuchautor, sondern auch als Regisseur. Der Film ist vordergründig ein actiongeladener Thriller, bei dem es um die Lösung von Natalies offensichtlich gewaltsamem Tod geht. Die realistische Kameraführung unterstützt jedoch nicht nur das Thrillermäßige des Films, sondern auch tiefere Schichten. Kameramann Ben Richardson liefert wunderbare Bilder einer Wildnis, die ziemlich fremdartig wirkt – nicht nur dem Zuschauer, sondern auch der aus Florida stammenden Jane. Deswegen nimmt der Film größtenteils ihren Standpunkt ein. Mit ihr zusammen erkundet der Zuschauer die fremdartige Welt des Reservats. Sheridan, der nach eigenem Bekunden zur Recherche lange Gespräche mit Bewohnern der „Wind River Reservation“ aus den Stämmen der Arapahoe und Schoschonen führte, verdeutlicht die hoffnungslose Situation, in der insbesondere die Jugend im Reservat lebt. „Wind River“ weist vor allem auf die Gewalt gegen Frauen hin, die in einer Schrifttafel am Filmende angesprochen wird: „Statistiken über vermisste Menschen gibt es für jede andere Demographie, nur nicht für die Frauen der amerikanischen Ureinwohner. Keiner weiß, wie viele von ihnen wirklich vermisst werden.“ Durch seinen Realismus macht der Film auf diese Missstände besonders deutlich aufmerksam.

José Garcia