Über Umwege zum Filmpreis

Vom Juristen zum Künstler: Das bewegte Leben des Katholiken Dieter-Michael Grohmann. Von Philipp Jauernik

Alles, was ich in meinem Leben gemacht habe, hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt stehe. Das sollte man keinesfalls für banal halten“, sagt Dieter-Michael Grohmann nach einer kurzen Pause mit Nachdruck. Der gebürtige Wiener hat vor Kurzem in Los Angeles seinen insgesamt 45. Filmpreis erhalten. Eine Entwicklung, die so nicht absehbar und auch nicht planbar war.

Nach Abschluss der Matura überlegte Grohmann, sich für das bekannte Max Reinhardt-Seminar zu bewerben. „Dafür war aber meine Persönlichkeit noch nicht stark genug“, beschreibt Grohmann das Nachgeben gegenüber den Überredungskünsten seines Umfelds, doch lieber „etwas Gescheites“ zu lernen. Er immatrikulierte an der Universität Wien und wurde Jurist. Danach folgte eine Bilderbuchkarriere österreichischer Schule: Eintritt ins Stadtmarketing der Wirtschaftskammer Salzburg, Direktor des Landtagsklubs der Salzburger ÖVP, Geschäftsführer des Fachverbands Unternehmensberatung & Werbung in der Wirtschaftskammer Österreich. 2005 erfolgte die Entsendung als Director Communications and Media zum Europäischen KMU-Dachverband UEAPME. Zusätzlich verantwortet er mittlerweile den Bereich Sectorial Policy. Wo ist da Raum für das Medium „Film“?

„Der Brotjob hat es mir ermöglicht, privat meinen Leidenschaften nachzugehen und Regie, Kameraführung oder Drehbuchschreiben zu lernen“, erzählt Grohmann. Seine Kurse belegte er etwa an der New York Film Academy oder bei Walter Wehmeyer, einem Doyen des Dokumentarfilms. Als er nach Brüssel übersiedelte, fand er auch beruflich dafür Verwendung. Seine Aufgabe bot dem kreativen Kopf die ideale Plattform, sein breites Qualifikationsfeld einzusetzen – vom Marketing über Interessensvertretung bis hin zum Film.

Seine begehbare Multimediainstallation „How it feels to be an entrepreneur” im Jahr 2009 war dafür ein exzellentes Beispiel: Der damalige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Günther Verheugen, bekam so die gesamte Lebensrealität eines mittelständischen Betriebs hautnah vermittelt.

Doch Film ist für Grohmann mehr als nur ein Medium – es ist Kunst. Für Auftraggeber produziert er Kurzfilme aller Art, privat wird er zum Künstler. „Film heißt für mich, Fantasie auf die Leinwand zu bringen. Ich will, dass die Zuschauer voll eintauchen können“, erklärt er seinen Anspruch. Daher legt er viel Wert auf Details, bis hin zum korrekten Flugzeugsound in „Das Stundenglas“, einem Film, der durch Erinnerungen seiner Mutter an ihr Überleben im zweiten Weltkrieg inspiriert ist: „Ich möchte nicht, dass jemand aus dem Erlebnis des Films herausgerissen wird, weil er sich zufällig mit Flugzeugen auskennt und merkt, dass da eigentlich ein anderes Motorengeräusch sein müsste.“

Brüssel ist für den Katholiken, der dem Grabesritterorden angehört, übrigens nahezu perfekt: „Die Stadt hat einen eigenen Zauber, ist lebendig und sehr international. Das bringt Weltoffenheit mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass vielfältige Drehorte gut zu finden sind“.

Grohmanns aktuellstes, bereits mehrfach ausgezeichnetes Projekt ist übrigens ein Horrorfilm mit dem Titel „A Walk in the Park“. Und der ist durchaus sehenswert.